25. Oktober, 2026

Quartalszahlen

SGL Carbon verkauft das US-Werk Moses Lake: 70 Millionen Dollar und ein Sonderertrag

Das stillgelegte Kohlefaserwerk bringt Geld in die Kasse. Der Verkauf hebt den Cashflow, die Gewinnprognose bleibt unberührt.

SGL Carbon verkauft das US-Werk Moses Lake: 70 Millionen Dollar und ein Sonderertrag
SGL Carbon verkauft das stillgelegte Kohlefaserwerk Moses Lake für 70 Millionen Dollar an Refactor Moses Lake.

Der Verkauf

SGL Carbon hat sein aufgegebenes Kohlefaserwerk in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington verkauft. Käufer ist der Investor Refactor Moses Lake, wie der Konzern am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Verkauft wurden Grundstück, Gebäude sowie alle Anlagen und Maschinen der vor gut einem Jahr geschlossenen Produktion. Der Kaufpreis liegt bei 70 Millionen Dollar und wird in zwei Tranchen gezahlt. Die ersten 45 Millionen Dollar sind noch in diesem Jahr fällig, die restlichen 25 Millionen Dollar später. Wann genau, nennt die Mitteilung nicht.

Sonderertrag und Cashflow

Aus dem Verkauf entsteht ein Sondergewinn von 46 Millionen Dollar, umgerechnet rund 41 Millionen Euro, nach Abzug des Wertes der Maschinen und Anlagen. Er hat als Sondereffekt keinen Einfluss auf die Gewinnprognose.

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Spürbar wird dagegen der Cashflow. Die erste Zahlung von 45 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 40 Millionen Euro, treibt den freien Cashflow in diesem Jahr entsprechend nach oben. Bisher hatte SGL einen stagnierenden Cashflow erwartet. Zum Vergleich: Die Nettofinanzschulden lagen Ende Juni bei 79,3 Millionen Euro. Die Zahlung entspricht damit rechnerisch etwa der Hälfte, das ist meine Rechnung.

Ein Kapitel geht zu Ende

Moses Lake gehörte zum Kohlefaser-Geschäft, das SGL seit Jahren belastete. Der Konzern hatte im Sommer 2025 die Produktion in Lavradio in Portugal eingestellt und Moses Lake Anfang August stillgelegt. Einen Verkauf des gesamten Bereichs hatte SGL im Februar 2025 mangels Optionen abgeblasen und stattdessen auf eine harte Restrukturierung gesetzt. Die Schließungen brachten 2025 rund 28 Millionen Euro Einsparungen. Der Preis dafür ist ein niedrigerer Umsatz: Im ersten Halbjahr 2026 sank er um 13 Prozent auf 394,2 Millionen Euro, wesentlich wegen der aufgegebenen Standorte. Das bereinigte EBITDA ging um 3,7 Prozent auf 69,8 Millionen Euro zurück.

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Prognose und Ausblick

Die Prognose für 2026 lautete zuletzt 720 bis 770 Millionen Euro Umsatz und ein bereinigtes EBITDA von 110 bis 130 Millionen Euro. Nach Medienberichten hat SGL das Ergebnisziel zuletzt auf 130 bis 140 Millionen Euro angehoben, bei vorläufigen neun Monatswerten von rund 595 Millionen Euro Umsatz und etwa 106 Millionen Euro EBITDA. Die vollständigen Zahlen veröffentlicht der Konzern im November. Die Aktie hatte laut einem Bericht zuvor um rund fünf Prozent nachgegeben.

Als Wachstumsfelder sieht SGL Siliziumkarbid-Halbleiter, deren Erholung der Konzern ab 2027 erwartet, sowie Graphit für Kernreaktoren und Anwendungen in Luftfahrt und Verteidigung. Mit X-Energy besteht ein zehnjähriger Liefervertrag für Reaktorkomponenten, der allein in den ersten drei Jahren über 100 Millionen Dollar umfassen soll.

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Einordnung für Anleger

Der Verkauf ist eine solide Nachricht, aber keine Wende. Er verwandelt einen toten Standort in Geld und hilft der Bilanz. Zugleich ist der Sonderertrag einmalig, und das operative Geschäft lebt von Segmenten, deren Nachfrage schwankt. Wichtig ist, dass der Konzern damit einen Schlussstrich unter das Kohlefaser-Kapitel zieht.

Wer investiert ist, sollte auf die vollständigen Neunmonatszahlen im November, die Verwendung des Geldes (Schuldenabbau oder Investitionen) und die Entwicklung im Halbleitergeschäft achten. Dies ist keine Anlageberatung.