14. Oktober, 2026

Quartalszahlen

EVN plant Milliardeninvestitionen bis 2030, die Aktie reagiert verhalten

Der niederösterreichische Energieversorger will jährlich eine Milliarde Euro in Netze, erneuerbare Energien und Speicher stecken und das Ebitda auf 1,2 Milliarden Euro steigern. Die Dividende soll bis dahin auf mindestens 1,10 Euro klettern.

EVN plant Milliardeninvestitionen bis 2030, die Aktie reagiert verhalten
Die Dividende soll bis 2029/30 auf mindestens 1,10 Euro steigen, die Aktie reagiert zunächst mit Verlusten.

Eine Milliarde Euro pro Jahr für die Energiewende

Der österreichische Energieversorger EVN will seinen operativen Gewinn bis 2030 auf 1,2 Milliarden Euro steigern und investiert dafür jährlich eine Milliarde Euro in die Energiewende. Das Geld fließe unter anderem in die Netzinfrastruktur, den Ausbau erneuerbarer Energien sowie in Großbatteriespeicher mit 300 Megawatt Kapazität, kündigte das niederösterreichische Unternehmen am Donnerstag im Rahmen eines Kapitalmarkttages in London an. Ergänzend nannte der Konzern den Ausbau von E-Ladeinfrastruktur sowie digitale Steuerungslösungen, mit denen Anlagen und Netze enger verknüpft und effizienter gesteuert werden sollen.

Strategisch zielt das Programm vor allem darauf ab, die schwankende Produktion aus Wind- und Solarkraft besser ins Energiesystem zu integrieren, ohne dabei die Versorgungssicherheit zu gefährden. Netzausbau und Flexibilitätsmanagement stehen deshalb gleichberechtigt neben dem reinen Zubau erneuerbarer Kapazitäten.

Das Ebitda soll von 909 auf bis zu 1,2 Milliarden Euro wachsen

Ausgangspunkt der Zielsetzung ist ein bereits starkes Geschäftsjahr 2024/25, in dem das Ebitda um 19,2 Prozent auf einen Rekordwert von 909,1 Millionen Euro kletterte. Bis 2030 soll diese Kennzahl auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro steigen, das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund 8 Prozent. Den Konzerngewinn will EVN im selben Zeitraum auf 500 Millionen Euro steigern, nach 436,7 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr.

Bei der Aufteilung der Ertragsquellen soll das Netzgeschäft künftig rund 45 Prozent zum Ebitda beitragen, die Stromerzeugung 15 bis 20 Prozent und das Geschäft in Südosteuropa ebenfalls 15 bis 20 Prozent, eine Struktur, die zeigt, wie stark EVN sein Wachstum auf das vergleichsweise risikoarme, regulierte Netzgeschäft stützt, statt allein auf zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten zu setzen.

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Die Dividende soll bis 2030 auf mindestens 1,10 Euro steigen

Der Konzern bekräftigte seine Dividendenpläne. Die Ausschüttung soll bis zum Geschäftsjahr 2029/30 auf mindestens 1,10 Euro je Aktie steigen. Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26, das Ende September endete, wurde zuletzt eine Dividende mindestens auf dem Vorjahresniveau von 0,90 Euro je Aktie in Aussicht gestellt, konkreter nannte das Unternehmen eine Spanne von 0,90 bis 0,95 Euro je Aktie, abhängig vom endgültigen Jahresergebnis. Nach Abschluss des Investitionszyklus sei eine weitere schrittweise Erhöhung möglich, hieß es weiter, ein Hinweis darauf, dass die Dividendenpolitik bis 2030 bewusst an die hohen Investitionsausgaben gekoppelt bleibt.

Um das ambitionierte Investitionsprogramm zu finanzieren, ohne die eigene Bonität zu gefährden, strebt EVN an, weiterhin starke Kreditratings im A-Bereich zu halten, ein zentraler Baustein, um sich am Kapitalmarkt auch künftig günstig refinanzieren zu können.

Das laufende Geschäftsjahr zeigt ein gemischtes Bild

Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 peilt die EVN, die mehrheitlich dem Bundesland Niederösterreich gehört, einen Konzerngewinn von 470 bis 490 Millionen Euro an. In den ersten neun Monaten steigerte ein starkes Netzgeschäft das Ebitda um 4,9 Prozent auf 748,5 Millionen Euro, während die Stromerzeugung aus Wind- und Wasserkraft witterungsbedingt schwächer ausfiel. Dieses Muster, ein robustes, regulatorisch abgesichertes Netzgeschäft gleicht Schwankungen in der wetterabhängigen Stromerzeugung aus, dürfte sich angesichts der strategischen Gewichtung zugunsten der Netzsparte auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

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Die Aktie reagiert zunächst mit Verlusten

Trotz der ambitionierten Wachstumsziele reagierten Anleger zunächst verhalten bis negativ, die Aktie gab am Donnerstag nach. Der Rücksetzer fiel dabei in ein insgesamt schwaches Marktumfeld in Wien, der Leitindex ATX Prime startete an diesem Tag ebenfalls im Minus. Für Investoren dürfte vor allem die schiere Größenordnung des Investitionsprogramms, jährlich eine Milliarde Euro über einen Zeitraum von mehreren Jahren, zunächst Fragen zur Finanzierung und zur konkreten Umsetzung aufwerfen, Punkte, die sich erst in den kommenden Jahren an den tatsächlich erzielten Ebitda- und Gewinnzahlen ablesen lassen werden.