Verlust statt Gewinn
Volvo Cars hat im dritten Quartal einen bereinigten operativen Verlust von 3,7 Milliarden schwedischen Kronen verbucht, umgerechnet rund 333 Millionen Euro. Das teilte der mehrheitlich zum chinesischen Konzern Geely gehörende Autobauer am Freitag mit. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von 5,8 Milliarden Kronen in den Büchern. Als Gründe nennt Volvo den schleppenden Produktionsanlauf des neuen Elektro-SUV EX60 sowie schwache Nachfrage in China und den USA.
Konzernchef Håkan Samuelsson sagte: „Das dritte Quartal 2026 war sehr enttäuschend und spiegelt ein Jahr wider, das weitaus herausfordernder geworden ist als ursprünglich erwartet.“ Der laufende Sanierungsplan müsse „entscheidend verstärkt“ werden.
Stellenabbau und Sparprogramm
Weltweit sollen weitere rund 2.500 Stellen wegfallen, davon 2.000 in Schweden. Sie kommen zu den 3.000 Stellenstreichungen hinzu, die Samuelsson 2025 nach seiner Rückkehr an die Konzernspitze angekündigt hatte. Außerdem sollen die Kosten bis Ende kommenden Jahres um weitere fünf Milliarden Kronen sinken, zusätzlich zu den bereits laufenden Sparmaßnahmen.

Der EX60: vom Hoffnungsträger zum Problem
Der EX60 sollte Volvos Wende bringen. Das Fahrzeug wurde im Januar vorgestellt, die Produktion im schwedischen Torslanda begann im April. Im Frühjahr hatte der Konzern noch von Bestellungen berichtet, die die internen Prognosen übertrafen, und angekündigt, die Produktion für 2026 zu erhöhen. Von rund 40.000 Fahrzeugen in diesem Jahr war die Rede.
Zuletzt kamen Zweifel auf. Die schwedische Nachrichtenagentur EFN berichtete Anfang Oktober unter Berufung auf Quellen von Problemen in der Produktion, unter anderem bei der Montage der Batteriepakete. Nach Zahlen von Mobility Sweden waren trotz Produktionsstart Ende April erst 291 EX60 an schwedische Kunden ausgeliefert worden. Das sind Berichte, Volvo selbst nennt in der Mitteilung nur den „schleppenden Anlauf“.

Die Vorwarnung
Der Verlust kam nicht aus heiterem Himmel. Schon Anfang Oktober hatte Volvo Cars de facto eine Gewinnwarnung abgegeben. Der Konzern zog seine Prognosen für Absatz und Cashflow 2026 zurück und kündigte einen deutlich negativen Effekt auf Ergebnis und Cashflow an. Der Absatz im dritten Quartal lag mit 141.609 Fahrzeugen um 10,7 Prozent unter dem Vorjahr. Die Aktie fiel am 2. Oktober auf ein Rekordtief von knapp über 14 Kronen. Schwach liefen China und die USA, Europa zeigte sich widerstandsfähiger.
Das Jahr war schon vorher schwierig. Im ersten Quartal sank der Umsatz von 82,9 auf 72,6 Milliarden Kronen, der Absatz um elf Prozent. Im zweiten Quartal ging der Umsatz um 17 Prozent auf 77,7 Milliarden Kronen zurück. 2025 hatte Volvo ein bereinigtes operatives Ergebnis von umgerechnet 1,18 Milliarden Euro erzielt, eine Marge von 3,5 Prozent, und unter dem Strich einen Verlust von rund 281 Millionen Euro.

Einordnung für Anleger
Das Quartal ist ein klarer Rückschlag, aber nach der Vorwarnung keine Überraschung mehr. Wichtiger ist, was es über die Strategie sagt. Volvo hatte auf den EX60 gesetzt, um die Nachfrage zu beleben und die Marge zu stabilisieren. Gerät der Anlauf ins Stocken, fehlt in einem ohnehin schwachen Markt der Wachstumstreiber. Dazu kommen Preisdruck, Zölle und schwache Konsumlaune, die der Konzern schon zu Jahresbeginn genannt hatte.
Der verschärfte Sparkurs soll gegensteuern, bringt aber Kosten und zeitliche Verzögerung. Für die Aktie zählt, ob der EX60-Anlauf in den nächsten Monaten gelingt, wie sich der Cashflow entwickelt und ob die Eigentümer Geely bei Bedarf Kapital zuschießen. Zu letzterem steht in der Meldung nichts. Wer investiert ist, sollte auf die Auslieferungszahlen des EX60 und die Prognose für 2027 achten. Dies ist keine Anlageberatung.


