Ergebnis deutlich über den Schätzungen
Ericsson hat im dritten Quartal mehr verdient als erwartet. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) lag bei 10,1 Milliarden schwedischen Kronen, umgerechnet rund 920 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 7,93 Milliarden Kronen gerechnet, rund 720 Millionen Euro. Das sind gut 27 Prozent mehr als erwartet. Getragen wurde das Ergebnis von der starken Nachfrage nach Mobilfunknetztechnik in den Kernmärkten.

Die Messlatte war niedrig. Im zweiten Quartal hatte Ericsson ein bereinigtes EBITDA von 6,9 Milliarden Kronen erzielt, 0,5 Milliarden weniger als im Vorjahr. Die Marge lag bei 13,1 Prozent, der organische Umsatz sank um ein Prozent. Für das dritte Quartal hatte der Konzern bereits ein Umsatzwachstum im Netzwerkgeschäft über dem saisonüblichen Niveau und eine bereinigte Bruttomarge von 48 bis 50 Prozent angekündigt. Das Zwischenhoch war also vorbereitet, aber stärker ausgefallen als gedacht.
Der Ausblick bleibt vorsichtig
Für das kommende Jahr warnt der Konzern. Der Markt für Funkzugangsnetze (RAN), also die Antennen- und Basisstationstechnik der Mobilfunknetze, stagniere, die geopolitische Unsicherheit bleibe hoch. Höhere Komponentenkosten belasteten die Bruttomarge. Das deckt sich mit dem, was die Marktforscher von Dell’Oro im August beschrieben: Der Markt stabilisiere sich und sei in eine ausgeglichenere Phase eingetreten. Das heißt: Es geht nicht mehr nach unten, aber auch nicht kräftig nach oben.
Neuer Chef, alte Aufgabe
Seit diesem Monat führt Per Narvinger den Konzern, ein Ericsson-Veteran mit fast 30 Jahren im Unternehmen. Er hat zuvor den Geschäftsbereich Netzwerke geleitet und früher die Sanierung der Sparte Cloud Software and Services gesteuert. Er soll das seit Jahren schwache 5G-Geschäft wiederbeleben. Sein Vorgänger Börje Ekholm hatte vor allem Kosten und Personal gesenkt. Ende März beschäftigte Ericsson noch 87.521 Menschen.

Ein wichtiger Anker bleibt der Vertrag mit AT&T: Ericsson modernisiert dessen Netz über fünf Jahre für 14 Milliarden Dollar. Das gibt Planbarkeit. Zusätzlich stützt das Lizenzgeschäft für geistiges Eigentum die Ergebnisse. Nach neuen Abkommen mit einem Smartphone-Hersteller aus den Top Ten und einem Anbieter von Zahlungsterminals beziffert Ericsson die wiederkehrenden Lizenzerlöse auf rund 13,5 Milliarden Kronen im Jahr.
Nokia geht einen anderen Weg
Der finnische Rivale Nokia hat sein Geschäft dagegen auf Netzwerktechnik für KI-Rechenzentren ausgerichtet. Ericsson bleibt beim Mobilfunk und setzt auf Unternehmenskunden und geschäftskritische Netze. Welche Strategie sich bei der Bewertung auszahlt, ist offen. Der KI-Pfad verspricht mehr Wachstum, aber auch mehr Schwankung, wie die Stimmung zu Wochenbeginn bei Chipwerten gezeigt hat.

Einordnung für Anleger
Das Ergebnis ist ein positives Signal, es beweist aber keine Trendwende. Ein einzelnes Quartal über den Schätzungen ändert nichts daran, dass der Markt für Mobilfunknetztechnik stagniert. Ericsson hängt am Austauschzyklus der Netzbetreiber, und der ist nach den großen 5G-Investitionen vorbei.
Die Frage lautet daher, woher das Wachstum kommt. Narvinger muss Marktanteile gewinnen, Unternehmenskunden und Lizenzen ausbauen und gleichzeitig die Marge verteidigen, obwohl Komponenten teurer werden. Wer investiert ist, sollte auf drei Dinge achten: die Entwicklung der Bruttomarge, Narvingers erste strategische Aussagen und die Frage, ob weitere Großaufträge nach dem Muster AT&T folgen. Wie die Börse am Donnerstag reagiert hat, geht aus der Meldung nicht hervor.

