Umsatz wächst nur noch um zwölf Prozent
Netflix hat im dritten Quartal mehr verdient als erwartet, aber der Ausblick fiel verhalten aus. Das teilte der Konzern am Dienstag mit. Der Umsatz stieg um knapp zwölf Prozent auf 12,87 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal hatte das Plus noch bei 17,2 Prozent gelegen. Das ist das niedrigste Wachstum seit knapp drei Jahren. Die Zahl entspricht genau dem, was Analysten erwartet hatten, und liegt in der Nähe der eigenen Prognose von 12,86 Milliarden Dollar.

Eine Beschleunigung ist vorerst nicht in Sicht. Für das Schlussquartal 2026 rechnet Netflix mit einem Umsatz von 13,4 Milliarden Dollar, ebenfalls zwölf Prozent mehr. Für das Gesamtjahr hatte das Unternehmen zuletzt 51,0 bis 51,4 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt.
Gewinn: Verschobene Ausgaben helfen
Der Reingewinn sprang um knapp 30 Prozent auf 0,87 Dollar je Aktie. Im Juli hatte Netflix für das Quartal 0,82 Dollar angepeilt. Der Hauptgrund für den Sprung waren allerdings verschobene Ausgaben, also ein Effekt, der sich wieder umkehrt. Im vierten Quartal dürfte der Gewinn bei 0,67 Dollar je Aktie liegen. Analysten hatten mit 0,73 Dollar gerechnet. Zudem belasteten die Kosten für den Stellenabbau die Bilanz.
Stellenabbau und neuer Content-Chef
Netflix hatte in der Vorwoche angekündigt, rund sechs Prozent der Belegschaft zu entlassen, vor allem in Technik, Produkt, Recht und Personal. Es ist die größte Entlassungsrunde seit 2022. Einen Tag später trennte sich das Unternehmen von Content-Chefin Bela Bajaria und holte den früheren Disney-Manager Peter Rice, der künftig das Programmangebot verantwortet. Die Analysten von Wedbush schrieben, Netflix arbeite aktiv daran, die Lage zu ändern, wie es schon früher in schwierigen Phasen getan habe.

Warum die Anleger skeptisch sind
Das Wachstum bei der Nutzung schwächelt. Im ersten Halbjahr stieg die Sehdauer nur um zwei Prozent auf 97 Milliarden Stunden. Im Juli hatte der Konzern angekündigt, seinen Bericht zu den Sehzeiten ab 2027 nur noch einmal jährlich zu veröffentlichen, und bereits 2025 hatte er die Meldung von Abonnentenzahlen eingestellt. Anleger haben damit weniger Messgrößen, um die Dynamik zu prüfen. Daten von Drittanbietern deuten laut StoneX-Analyst Daniel Kurnos auf einen weiteren Verlust von Marktanteilen an Googles YouTube hin.
Positiv hob das Management zuletzt das Werbegeschäft hervor, das 2026 etwa drei Milliarden Dollar Umsatz erreichen soll.
Aktie schon deutlich im Minus
Vor den Zahlen war die Netflix-Aktie in diesem Jahr um 26 Prozent gefallen und notierte bei rund 69,57 Dollar. Schon nach den Zahlen im Juli war sie um bis zu neun Prozent gefallen, auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr. Wie der Markt auf die aktuellen Zahlen reagiert, steht in der Meldung nicht.

Einordnung für Anleger
Die Zahlen bestätigen das Bild der vergangenen Monate: Netflix ist profitabel und wächst noch zweistellig, aber die Dynamik lässt nach, und der Ausblick auf das Schlussquartal liegt beim Gewinn unter den Erwartungen. Der Gewinnsprung im dritten Quartal ist wegen der verschobenen Ausgaben von geringer Aussagekraft.
Für den Aktienkurs zählt jetzt die Frage, ob Werbung, Live-Events und das Programm das Wachstum wieder in Richtung des mittleren zweistelligen Bereichs bringen. Der Wechsel an der Programmspitze und der Stellenabbau sind der Versuch, gegenzusteuern. Wer investiert ist, sollte auf die Umsatzprognose für 2027, die Entwicklung des Werbegeschäfts und die Wirkung der Sparmaßnahmen auf die Marge achten. Dies ist keine Anlageberatung.


