Neue Prognose
Munich Re hebt seine Prognose für 2026 an. Der Konzern erwartet nun einen Jahresgewinn von 6,6 Milliarden Euro, 300 Millionen mehr als bisher. Davon sind nach drei Quartalen bereits 5,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das teilte der Rückversicherer am Freitag mit.

Für das dritte Quartal meldet das Unternehmen einen vorläufigen Nettogewinn von 1,7 Milliarden Euro, 0,2 Milliarden mehr als der Analystenkonsens. Als Treiber nennt Munich Re relativ wenige teure Naturkatastrophen und andere Großschäden. Zudem liefen die Kapitalanlagen gut. Schon im ersten Halbjahr waren die Großschäden glimpflich geblieben. Die endgültigen Zahlen kommen Mitte November.
Das dritte Quartal in Folge über den Erwartungen
Das Muster zeigt sich seit Jahresbeginn. Im ersten Quartal stieg der Gewinn auf 1,71 Milliarden Euro, nach 1,09 Milliarden im Vorjahr, die Schaden-Kosten-Quote der Rückversicherung lag bei 66,8 Prozent, erwartet worden waren 74,6 Prozent. Im zweiten Quartal verdiente Munich Re 2,21 Milliarden Euro, der Konsens lag bei 1,79 Milliarden. Nach sechs Monaten standen Rekord-3,93 Milliarden Euro zu Buche. Das Ziel von 6,3 Milliarden Euro schien damit komfortabel erreichbar, jetzt ist es höher.
Was für das Schlussquartal übrig bleibt
Aus den Zahlen lässt sich ein Eindruck vom vierten Quartal gewinnen, das ist meine Rechnung. Nach 5,7 Milliarden Euro in neun Monaten bleiben für 6,6 Milliarden Euro nur etwa 0,9 Milliarden Euro im Schlussquartal. Das ist deutlich weniger als in den Vorquartalen mit 1,7 bis 2,2 Milliarden. Munich Re kalkuliert damit offenbar vorsichtig. Das Schlussquartal enthält typischerweise Naturkatastrophen-Risiken, etwa Hurrikane, und der Konzern lässt Spielraum, wenn Großschäden anfallen.

Das Problem: Preisdruck und sinkender Umsatz
Die Gewinne sind stark, das Geschäft wächst aber nicht. Im Sommer senkte Munich Re seine Umsatzprognose: Für das Versicherungsgeschäft werden 38 statt 40 Milliarden Euro erwartet, für den Konzern 62 statt 64 Milliarden. Grund sind sinkende Preise bei den Vertragserneuerungen. Im ersten Quartal war der Umsatz in der Rückversicherung um 8,8 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro gesunken, was die Aktie damals um bis zu sieben Prozent drückte. Der Markt fragt sich seitdem, ob niedrige Großschäden und starke Kapitalerträge ein dauerhaftes Niveau sind oder ein Ausreißer.
Aktie: Gewinn ist nicht alles
Die Aktie hat 2026 trotz der Gewinne nicht überzeugt. Anfang August notierte sie bei rund 513 Euro, gut neun Prozent unter dem Stand zum Jahresbeginn und deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 610,20 Euro. Morningstar sah die Aktie nach den Halbjahreszahlen als fair bewertet mit einem Fair Value von 510 Euro. Aktuelle Kurse stehen nicht in der Meldung.
Langfristig will Munich Re bis 2030 eine Eigenkapitalrendite von mehr als 18 Prozent und ein jährliches Gewinn-je-Aktie-Wachstum von über acht Prozent erreichen. Für 2025 schüttete der Konzern 24 Euro je Aktie aus.

Einordnung für Anleger
Das Quartal zeigt, wie viel Glück bei den Großschäden im Rückversicherungsgeschäft steckt. Ein gutes Jahr ohne große Katastrophen hebt den Gewinn, ohne dass sich das Geschäft grundlegend verbessert. Wichtig ist deshalb, was in Zukunft passiert: Sinken die Preise weiter, schrumpft der Spielraum, und ein normales Katastrophenjahr würde die Gewinne schnell drücken.
Das erklärt, warum die Aktie trotz Gewinnserie schwach läuft. Wer investiert ist, sollte auf die Vertragserneuerungen zum Jahreswechsel, die Entwicklung der Großschäden im vierten Quartal und die Kapitalanlagerendite achten. Dies ist keine Anlageberatung.


