Oracle übertrifft die Umsatzerwartungen doch der Gewinn enttäuscht
Der US-amerikanische Software- und Cloud-Konzern Oracle hat am Donnerstag nach US-Börsenschluss seine Ergebnisse für das abgelaufene Quartal vorgelegt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal von 14,9 Milliarden auf 19,3 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 30 Prozent, und übertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten von rund 19,13 Milliarden Dollar.

Beim Gewinn je Aktie zeigte sich ein gemischteres Bild. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte von 1,01 auf 1,56 Dollar, lag damit aber unter der Konsensschätzung von durchschnittlich 1,74 Dollar. Unterm Strich verdiente Oracle mit knapp 4,8 Milliarden Dollar dennoch 63 Prozent mehr als im Vorjahr, eine ungewöhnliche Konstellation aus Umsatzüberschuss und Gewinnverfehlung, die zeigt, wie stark die massiven Investitionen in den Kapazitätsausbau derzeit auf die Marge drücken.
Cloud-Infrastruktur explodiert förmlich im ersten Quartal
Der US-Software- und Datencenter-Konzern hat im ersten Quartal, das Ende August endete, kräftig von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur profitiert. Die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur, das sind vor allem KI-Rechenzentren, kletterten um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar und schnitten damit besser ab, als von Analysten erwartet. Nimmt man Software-Abonnements und Cloud-Infrastruktur zusammen, kam Oracle auf ein Umsatzplus von 62 Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar, während die klassischen Software-Umsätze leicht rückläufig waren, ein Beleg dafür, wie stark sich der Konzern inzwischen von einem traditionellen Softwareanbieter zu einem KI-Infrastrukturkonzern gewandelt hat.
Um dieses Wachstum zu stemmen, stellte Oracle im Quartal zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten im Umfang von 850 Megawatt bereit und lieferte seit Ende des vierten Quartals mehr als 300.000 Grafikprozessoren an KI-Cloud-Kunden aus, fast das Dreifache der im vorangegangenen Quartal ausgelieferten Kapazität. Die Auslastung der KI-Infrastruktur liegt inzwischen bei 97,9 Prozent, praktisch ohne Leerlaufkapazität, während Oracle bei der Erneuerung und dem Weiterverkauf von Grafikprozessoren im Schnitt einen Preisaufschlag von 20 Prozent erzielen kann, ein Zeichen echter Preissetzungsmacht in einem angebotsbeschränkten Markt.

Der Auftragsbestand wächst auf einen weiteren Rekordwert
Besonders im Fokus der Anleger stand einmal mehr der sogenannte RPO-Auftragsbestand, also vertraglich zugesicherte, aber noch nicht als Umsatz verbuchte Erlöse. Dieser kletterte von 638 Milliarden Dollar am Ende des vierten Quartals auf nunmehr 664 Milliarden Dollar, ein weiterer Rekordwert, getragen von mehr als 30 Milliarden Dollar an neuen KI-Verträgen. Ein Großteil dieses Wachstums resultiert aus Vorauszahlungen oder Vereinbarungen, bei denen Kunden eigene Hardware einbringen, ein Finanzierungsmodell, das Oracles eigenen Kapitalbedarf für den Rechenzentrumsausbau reduziert.
Ein einziger Großkunde wirft einen langen Schatten auf die Wachstumsstory
So beeindruckend die absoluten Zahlen wirken, Analysten weisen zunehmend auf ein Konzentrationsrisiko hin. Berichten zufolge entfällt nahezu die Hälfte des zuletzt gemeldeten Auftragsbestands allein auf einen einzigen Kunden, den KI-Entwickler OpenAI, dessen rund 300 Milliarden Dollar schwerer Fünfjahresvertrag im Rahmen des Stargate-Rechenzentrumsprojekts ab 2027 eine Kapazität von 4,5 Gigawatt umfassen soll. Sollte dieser Großkunde seine Pläne ändern oder seinen Rechenbedarf auf andere Anbieter verteilen, würde das die beeindruckende Auftragsbestandszahl empfindlich treffen, ein Risiko, das viele Beobachter als das eigentliche Fragezeichen hinter Oracles Wachstumsstory bezeichnen.
Das Management hebt die Prognose für das laufende Jahr weiter an
Für das zweite Quartal kündigte der Konzern ein Umsatzplus von 30 bis 34 Prozent an, das gesamte Cloud-Geschäft soll um 65 bis 71 Prozent zulegen, das bereinigte Ergebnis je Aktie soll um 21 bis 25 Prozent steigen. Im gesamten Geschäftsjahr soll der Umsatz nun mindestens 90 Milliarden Dollar betragen, eine leichte sprachliche Verschärfung gegenüber der bisherigen Zielgröße von exakt 90 Milliarden Dollar. Das Management bekräftigte zudem seine langfristigen Ziele eines jährlichen Umsatzwachstums von 31 Prozent sowie eines Gewinnwachstums je Aktie von 28 Prozent bis zum Geschäftsjahr 2030.
An der Börse kamen die Zahlen trotz der Gewinnverfehlung gut an, die Oracle-Aktie notierte im vorbörslichen NYSE-Handel zeitweise 5,09 Prozent höher bei 160,73 Dollar. Die Aktie hatte im bisherigen Jahresverlauf 2026 zuvor bereits rund 17 Prozent verloren und lag mehr als 50 Prozent unter ihrem im September des Vorjahres erreichten Rekordhoch von rund 331 Dollar, ein Kontext, der die positive Reaktion auf die aktuellen Zahlen zusätzlich erklärt.
Zusätzliche Aufträge und ein politisches Störfeuer runden das Bild ab
Im Quartal sicherte sich Oracle zudem einen Pentagon-Auftrag im Volumen von bis zu 7 Milliarden Dollar über eine Laufzeit von zehn Jahren und kündigte neue KI-Agenten für Personalabteilungen an. Der Verwaltungsrat beschloss außerdem eine vierteljährliche Bardividende von 0,50 Dollar je Aktie, zahlbar am 23. Oktober an die zum 9. Oktober im Aktienregister eingetragenen Aktionäre. Im Oktober findet zudem die Konferenz Oracle AI World in Las Vegas statt, verbunden mit einem Investorentag, bei dem weitere Details zur langfristigen Strategie erwartet werden.
Nicht ganz frei von Gegenwind bleibt Konzernchef Larry Ellison unterdessen auf politischer Ebene, der Ausschuss für Veteranenangelegenheiten im US-Repräsentantenhaus prüft derzeit das von Oracle verantwortete elektronische Patientenaktensystem für Veteranen, dessen Budget von ursprünglich 10 Milliarden Dollar im Jahr 2018 auf inzwischen mehr als 27 Milliarden Dollar angewachsen ist, bei geschätzten Lebenszykluskosten von bis zu 50 Milliarden Dollar, ein politisches Störfeuer, das die ansonsten von KI-Euphorie geprägte Berichterstattung über Oracle zumindest am Rande begleitet.



