Neue Prognose
Friedrich Vorwerk hat nach einem Gewinnsprung im dritten Quartal seine Prognose für 2026 angehoben, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz soll nun 760 bis 790 Millionen Euro erreichen, bisher waren es 730 bis 780 Millionen. Beim bereinigten EBITDA peilt der Vorstand 220 bis 230 Millionen Euro an, nach 180 bis 200 Millionen. Es ist bereits die dritte Anhebung beim Ergebnis in diesem Jahr: Zu Jahresbeginn lag die Spanne bei 160 bis 180 Millionen Euro, im Juli hatte das Unternehmen sie auf 180 bis 200 Millionen erhöht.
Die Zahlen im dritten Quartal
Das EBITDA stieg im dritten Quartal um 58 Prozent auf 80,9 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 13 Prozent auf 228,3 Millionen Euro zu. Daraus ergibt sich rechnerisch eine EBITDA-Marge von rund 35 Prozent. Das ist meine Rechnung. Als Gründe für die höhere Profitabilität nannte der Vorstand unter anderem geringere Materialkosten.

Das Bild passt zum ersten Halbjahr. Damals war das EBITDA um 70 Prozent auf 92,6 Millionen Euro gestiegen, der Umsatz um 11 Prozent auf 337,3 Millionen Euro, die Marge lag bei 27,4 Prozent. Das Ergebnis wächst also deutlich schneller als der Umsatz. Hinzu kamen ein Auftragsbestand von rund einer Milliarde Euro (inklusive Arbeitsgemeinschaften 1,45 Milliarden) und ein Netto-Finanzmittelbestand von 212 Millionen Euro Mitte des Jahres.
Was die Prognose für das Schlussquartal heißt
Aus den Zahlen lässt sich das vierte Quartal herleiten, das ist meine Rechnung. Nach neun Monaten stehen rund 565,6 Millionen Euro Umsatz und etwa 173,5 Millionen Euro EBITDA in den Büchern. Die neue Prognose impliziert damit für das vierte Quartal ein EBITDA von etwa 47 bis 57 Millionen Euro und einen Umsatz von knapp 195 bis 225 Millionen Euro. Das liegt klar unter dem Niveau des dritten Quartals. Entweder rechnet das Management mit einem schwächeren Schlussquartal, etwa wegen Saisonalität und Projektmix, oder die Spanne ist vorsichtig angesetzt. Aus der Meldung geht das nicht hervor.
Die implizierte Jahresmarge liegt bei rund 29 Prozent. 2025 hatte das Unternehmen bei einem Umsatz von 704 Millionen Euro eine EBITDA-Marge von 23,2 Prozent erzielt.

Wer hinter dem Unternehmen steht
Mehrheitsaktionärin ist die Beteiligungsgesellschaft MBB SE. Nach Medienberichten hatte sie nach der Juli-Anhebung ihre eigene Prognose für das bereinigte EBITDA des Konzerns angehoben. Friedrich Vorwerk hat damit im Portfolio von MBB erhebliches Gewicht.
Aktie und Analysten
Die Aktie hat eine wechselhafte Zeit hinter sich. Nach der Anhebung im Juli erholte sie sich nach Berichten um 16 Prozent. Mitte August notierte sie bei rund 66 Euro, rund 19 Prozent unter dem Stand zum Jahresbeginn. Wie sie auf die aktuelle Meldung reagiert, steht nicht in der Mitteilung. Laut einem Bericht beobachten nur drei Analysehäuser die Aktie, keines mit einer klaren Kaufempfehlung, zwei stufen neutral ein.
Einordnung für Anleger
Die Anhebung unterstreicht, dass die Profitabilität schneller wächst als der Umsatz. Treiber sind sinkende Materialkosten und ein günstiger Projektmix, kein Mengenschub. Das macht die Zahlen anfälliger: Steigen Stahl- und Rohrpreise wieder, fällt ein Teil des Vorteils weg. Margen von fast 30 Prozent sind für einen Tiefbauer außergewöhnlich und schwer zu halten.
Positiv ist der hohe Auftragsbestand, der den Umsatz in den nächsten Jahren stützt, und die starke Kasse. Wer investiert ist, sollte beim vollständigen Bericht auf den Auftragseingang, den Cashflow und den Ausblick für 2027 achten. Dies ist keine Anlageberatung.


