22. Oktober, 2026

Quartalszahlen

SAP liefert Rekordquartal: Cloud-Auftragsbestand schlägt die Erwartungen

Der Softwarekonzern übertrifft im dritten Quartal bei mehreren Kennzahlen die Schätzungen und hebt die Cloud-Prognose an. Die Sorge, KI-Anbieter fräßen das Geschäft der Softwarehersteller auf, ist damit zumindest vorerst entkräftet.

SAP liefert Rekordquartal: Cloud-Auftragsbestand schlägt die Erwartungen
Analysten vermissen eine eigene KI-Kennzahl, der Geschäftsbericht im Januar soll den Moment der Wahrheit bringen.

Die Zahlen im Überblick

SAP hat am Mittwoch nach US-Börsenschluss deutlich bessere Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, als Analysten erwartet hatten. Der Cloud-Auftragsbestand (Current Cloud Backlog) wuchs um 26 Prozent und lag damit drei Prozentpunkte über dem Konsens. Diese Kennzahl misst die kurzfristig verbuchbaren, aber noch nicht umsatzwirksamen Cloud-Verträge und gilt den meisten Beobachtern als wichtigster Frühindikator für das künftige Geschäft. Der Cloud-Umsatz stieg um 25 Prozent, das operative Ergebnis (EBIT) um 18 Prozent, mehr als vier Prozent über den Erwartungen.

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Erstmals in der Firmengeschichte überschritt SAP in einem Quartal mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz und mehr als drei Milliarden Euro Betriebsergebnis. Finanzchef Dominik Asam nannte das „einen Beleg für die Stärke und Skalierbarkeit“ des Geschäftsmodells. Konzernchef Christian Klein sprach von einem „ausgezeichneten dritten Quartal“, die Strategie vom autonomen Unternehmen finde großen Anklang und werde umgesetzt.

Prognose angehoben

Der Konzern hob seine Jahresprognose leicht an. Die Cloud-Erlöse sollen am oberen Ende der Spanne von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro liegen, das entspricht einem Wachstum von 23 bis 25 Prozent. Beim Gesamtumsatz erwartet SAP 2026 ein Wachstum auf ähnlichem Niveau wie 2025, als der Umsatz um 10,6 Prozent stieg, und 2027 eine Beschleunigung.

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Von der KI-Angst zur Erholung

Der Hintergrund ist die Befürchtung „AI eats Software“. Seit rund einem Dreivierteljahr treibt Anleger die Sorge um, dass KI-Anbieter wie OpenAI oder Anthropic das Geschäft von SAP, Salesforce, Adobe und anderen aufessen. Die SAP-Aktie hatte darunter gelitten: Ende Januar, nach den Zahlen für 2025, war der Cloud-Auftragsbestand nur um 25 statt um 26 Prozent gewachsen. Dieser eine Prozentpunkt reichte, damit die Aktie am Tag der Veröffentlichung um 16 Prozent einbrach, danach schwächelte sie bis Juli weiter.

Seither hat sie sich erholt. Im Juli lag sie bei unter 130 Euro, inzwischen deutlich über 200 Euro, mehr als 50 Prozent im Plus. Nachbörslich legte sie in den USA zeitweise um vier Prozent zu.

Kritik: Zu wenig Zahlen zur KI

Einen Haken sieht Maximilien Pascaud von Baader Europe / AlphaValue: „SAP bleibt vage beim tatsächlichen Beitrag von KI.“ Das sei wahrscheinlich der letzte Schritt, bevor der Konzern das volle Potenzial seiner Geschichte entfalte. Der Geschäftsbericht 2026 im Januar 2027 müsse „der Moment der Wahrheit“ sein. Ohne eine eigene KI-Kennzahl drohe der Bewertungsabschlag des Softwaresektors gegenüber der Infrastruktur bestehen zu bleiben.

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Einordnung für Anleger

Die Zahlen sprechen dafür, dass die Kunden weiter in SAPs Cloud investieren und nicht zu reinen KI-Anbietern abwandern. Der Auftragsbestand ist der wichtigste Beleg. Die Kursreaktion von Januar zeigt allerdings, wie empfindlich die Aktie auf kleine Abweichungen reagiert. Damals genügte ein Prozentpunkt, jetzt wirken drei Punkte über dem Konsens.

Zwei Fragen bleiben offen. Erstens, ob SAP den KI-Beitrag zum Geschäft endlich konkret beziffert. Zweitens, ob das Wachstum 2027 anzieht, wie angekündigt. Die Meldung nennt keine absoluten Angaben zum Cloud-Auftragsbestand oder zum Gewinn je Aktie. Wer investiert ist, sollte auf die Prognose für 2027 im Januar und auf die Frage achten, ob Wettbewerber wie Salesforce und Adobe ähnliche Zahlen liefern. Dies ist keine Anlageberatung.