Gewinnschwelle im dritten Quartal
DocMorris hat nach einem starken dritten Quartal seine Jahresprognose zum zweiten Mal angehoben. Auf Stufe des bereinigten EBITDA, also vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, erreichte das Unternehmen mit 0,6 Millionen Franken bereits im dritten Quartal die Gewinnschwelle. Das Management hatte den Break-even für das zweite Halbjahr angepeilt, einige Analysten hatten erst im vierten Quartal damit gerechnet. Das teilte der Vorstand am Donnerstag mit.
Der Außenumsatz stieg im dritten Quartal um 21,5 Prozent auf 342,7 Millionen Franken. In Deutschland, dem wichtigsten Markt, wuchs er um 22 Prozent.
Rx-Geschäft als Motor
Den Ausschlag gab das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten (Rx) in Deutschland. Der Umsatz legte um 78,3 Prozent auf 108,1 Millionen Franken zu und lag damit 33,5 Prozent über dem zweiten Quartal. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum in Lokalwährung noch 46 Prozent betragen. Die Analysten hatten nur rund 88 Millionen Franken erwartet (AWP-Konsens), die Überraschung war also groß. Die ZKB nannte die Dynamik bei der Gewinnung neuer Rx-Kunden „sehr stark“ und das Erreichen der Gewinnschwelle einen Meilenstein.

Deutlich langsamer wächst das übrige Deutschland-Geschäft (Non-Rx), das hauptsächlich aus rezeptfreien Medikamenten und Pflegeprodukten besteht. Es stieg um 5,5 Prozent auf 218,2 Millionen Franken. Einen kleineren Anteil daran haben digitale Dienstleistungen, darunter der Telemedizin-Anbieter TeleClinic.
Neue Prognose
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet DocMorris nun ein Umsatzwachstum von 12,5 bis 15 Prozent in Lokalwährungen, nach bisher 9 bis 13 Prozent. Der bereinigte EBITDA-Verlust soll unter 10 Millionen Franken liegen, bisher waren es 10 bis 17,5 Millionen. Am Ziel eines positiven freien Cashflows im Verlauf von 2027 hält das Unternehmen fest. Die Investitionen sollen 2026 unter 30 Millionen Franken bleiben. Im September hatte DocMorris zudem eine Wandelanleihe über 49,6 Millionen Franken mit Fälligkeit 2028 zurückgekauft.
Die Jahresergebnisse und den Ausblick für 2027 will das Unternehmen im März 2027 vorlegen.
Reaktion im Sektor
Im Sog von DocMorris stiegen die Aktien des Konkurrenten Redcare um fast drei Prozent. Wie die DocMorris-Aktie selbst reagierte, geht aus den vorliegenden Meldungen nicht eindeutig hervor.

Einordnung für Anleger
Die Zahlen belegen, dass sich der Umstieg auf das E-Rezept in Deutschland auszahlt: Die Kunden wechseln zum Versender, und das Rx-Geschäft wächst deutlich schneller als der Rest. Das Break-even im dritten Quartal ist ein Meilenstein für ein Unternehmen, das jahrelang Verluste schrieb.
Zwei Einschränkungen bleiben. Ein profitables Quartal ist noch kein profitables Jahr: Für 2026 erwartet DocMorris weiterhin einen EBITDA-Verlust, und der freie Cashflow soll erst 2027 positiv werden. Zudem hängt das Wachstum an der Frage, ob die neuen Rx-Kunden bleiben und ob das Unternehmen die Kosten im Griff behält, während es für Marketing und Logistik weiter investiert. Beobachten sollten Sie das Rx-Wachstum im vierten Quartal, die Margenentwicklung und die Fortschritte beim Free Cashflow. Dies ist keine Anlageberatung.
