Zahlen im Überblick
AstraZeneca hat im dritten Quartal mehr verdient als erwartet. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um sieben Prozent auf rund 16,2 Milliarden Dollar, wie der britische Konzern am Freitag mitteilte. Der Überschuss stieg um rund ein Viertel auf 3,1 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie (Core EPS) lag bei 2,79 Dollar, 17 Prozent mehr als im Vorjahr, und übertraf die durchschnittliche Erwartung der Analysten. Der berichtete Gewinn je Aktie stieg um 23 Prozent auf 2,02 Dollar.
Nach neun Monaten steht ein Umsatz von 46,9 Milliarden Dollar zu Buche, sieben Prozent mehr bei konstanten Wechselkursen. Der bereinigte Gewinn je Aktie liegt bei 8,00 Dollar, ein Plus von 14 Prozent.
Krebsmedikamente als Motor
Treiber ist die Onkologie. Der Umsatz mit Krebsmitteln wuchs um 17 Prozent auf 7,77 Milliarden Dollar und steuerte damit fast die Hälfte des Konzernumsatzes bei, 48 Prozent. Die stärksten Wachstumsraten lieferten Imfinzi mit plus 26 Prozent und Enhertu mit plus 35 Prozent.
Auf der anderen Seite brach das Geschäft mit Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselmitteln um rund 18 Prozent auf 2,64 Milliarden Dollar ein. Hier schlägt der Patentablauf durch: Farxiga verlor 25 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar, und auch bei Brilinta drücken Nachahmerprodukte. Die Spanne zwischen Gewinnern und Verlierern ist damit groß.

Prognose bestätigt
AstraZeneca bekräftigt die Prognose für 2026: Der Umsatz soll im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich wachsen, der bereinigte Gewinn je Aktie im niedrigen zweistelligen Bereich, jeweils bei konstanten Wechselkursen. Konzernchef Pascal Soriot sieht das Unternehmen auf Kurs zu den Zielen für 2026 und 2030. Bis 2030 will AstraZeneca 80 Milliarden Dollar Umsatz erreichen. Nach einem Bericht plant der Konzern zudem, die Jahresdividende auf 3,30 Dollar je Aktie anzuheben.
Pipeline: Erfolge und Rückschläge
Das Unternehmen meldet seit Jahresbeginn 12 positive Phase-III-Ergebnisse mit einem gemeinsamen Spitzenumsatzpotenzial von deutlich mehr als zehn Milliarden Dollar sowie vier neu zugelassene Medikamente. Für 2027 stehen laut Konzern Studienergebnisse mit einem Potenzial von mehr als 20 Milliarden Dollar an. Zuletzt zeigte Enhertu bei Lungenkrebs im Vergleich zur Standardtherapie eine um 37 Prozent geringere Gefahr für Fortschreiten oder Tod, und die Kombination von Imfinzi mit Tarlatamab senkte das Sterberisiko bei Kleinzellen-Lungenkrebs um 58 Prozent. Dagegen verfehlte die Studie SERENA-4 mit dem Brustkrebsmittel Etcamah ihr Hauptziel. Schon im Sommer hatte AstraZeneca nach dem Scheitern der Herzstudie CARDIO-TTRansform von einer Enttäuschung gesprochen.

Einordnung für Anleger
Die Zahlen zeigen, dass AstraZeneca sein Wachstum aus der Onkologie bezieht und Patentabläufe in anderen Bereichen ausgleichen kann. Das ist das Muster, das Anleger sehen wollen. Die Abhängigkeit von wenigen Krebsmitteln ist zugleich ein Risiko, falls Studien scheitern oder Konkurrenz auftaucht. Das Herz-Kreislauf-Geschäft schrumpft, und der Ersatz dort steht noch aus.
Eine Kursreaktion enthält die Meldung nicht. Wer investiert ist, sollte auf die Studienergebnisse 2027, die Umsetzung des 80-Milliarden-Ziels und die Preisverhandlungen in den USA achten. Dies ist keine Anlageberatung.

