PayPal schlägt die eigene Gewinnprognose deutlich
Der Zahlungsdienstleister hat am Dienstag seine Jahresprognose angehoben. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 2026 bei rund 5,60 Dollar liegen, zuvor waren es etwa 5,38 Dollar. Im dritten Quartal erzielte PayPal bereinigt 1,45 Dollar je Aktie, ein Plus von 8 Prozent. Die Analysten hatten weniger erwartet.
Bemerkenswert ist der Vergleich mit der eigenen Vorgabe. Noch im Juli hatte das Management für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Geliefert wurde das Gegenteil.

Der Umsatz erzählt eine andere Geschichte
Die Erlöse stiegen um 2 Prozent auf 8,60 Milliarden Dollar, währungsbereinigt nur um 1 Prozent. Damit verfehlte PayPal die Prognosen der Analysten. Die Transaktionsmarge, also der Gewinn pro Zahlung vor Betriebskosten, wuchs ebenfalls nur um 2 Prozent auf 4,0 Milliarden Dollar.
Der operative Gewinn nach bereinigter Rechnung legte um 3 Prozent zu. Der Gewinn je Aktie stieg mit 8 Prozent also fast dreimal so stark. Die Differenz erklärt sich vor allem durch weniger Aktien im Umlauf: Allein im dritten Quartal kaufte PayPal eigene Papiere für 1,5 Milliarden Dollar zurück.
Der Kern des Geschäfts kommt kaum vom Fleck
Das Problem sitzt dort, wo PayPal historisch am meisten verdiente, im Online-Checkout mit dem PayPal-Button. Dieses margenstarke Geschäft wuchs im vierten Quartal 2025 nur noch um 1 Prozent, nach 6 Prozent im Jahr zuvor. Im zweiten Quartal 2026 lag das Plus bei 2 Prozent, während das gesamte Zahlungsvolumen währungsbereinigt um 9 Prozent zulegte.
Das Wachstum kommt also von anderswo, etwa von Venmo und dem Geschäft mit Händlerzahlungen. Das ist weniger profitabel und passt schlecht zum Anspruch, den Marktwert über den Checkout zu verteidigen. Als Gründe nannte das Management zuletzt schwache US-Einzelhandelsumsätze, Gegenwind im Ausland sowie europäische Zoll- und De-minimis-Regeln im grenzüberschreitenden Handel mit chinesischen Verkäufern.

Die Zahlen nach US-Standard sind weniger erfreulich
Wer die bereinigten Kennzahlen weglässt, sieht ein anderes Bild. Der Gewinn je Aktie nach US-Rechnungslegung sank um 4 Prozent auf 1,25 Dollar. Der operative Gewinn nach diesem Standard fiel um 8 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar, die Marge schrumpfte um 173 Basispunkte auf 16,3 Prozent.
Der Grund sind Umbaukosten, die PayPal herausrechnet. Ein Konzern, der sich im Dauerumbau befindet, kann sie nur begrenzt als Einmaleffekt verkaufen. Das Sparprogramm im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar soll sie im vierten Quartal stärker ausgleichen, so die Planung.

Lores muss beweisen, dass Sparen kein Ersatz für Wachstum ist
Konzernchef Enrique Lores führt PayPal seit dem 1. März. Der Verwaltungsrat hatte seinen Vorgänger Alex Chriss abgelöst, weil Tempo und Umsetzung nicht überzeugten.
„Wir sehen allmählich, wie sich unsere Strategie in den Finanzzahlen niederschlägt, und es gibt noch mehr zu tun“, so Lores zum Quartal.
Ruhe hat der Konzern damit nicht. Nach Berichten bot ein Investorenkreis im Sommer 60,50 Dollar je Aktie, was PayPal mit mehr als 53 Milliarden Dollar bewertet hätte. Als der Deal platzte, fiel die Aktie um fast 13 Prozent auf rund 54 Dollar. Die Bewertung bleibt niedrig, weil Anleger auf Wachstum warten, nicht auf Effizienz.
Wer sich selbst verkleinert, wird nicht automatisch größer
PayPal liefert Gewinn, Cashflow und eine stabile Nutzerbasis. Was fehlt, ist die Antwort auf die Frage, wer 2027 noch auf den gelben Button klickt. Ein Unternehmen, das seinen Gewinn je Aktie über Rückkäufe steigert, während der Umsatz stagniert, verwaltet sein Geschäft, statt es auszubauen. Die Börse hat das bisher verstanden.

