Stellantis fällt nach zwei Gewinnquartalen zurück ins Minus
Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Fehlbetrag von 453 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor war der Verlust wegen hoher Sonderbelastungen rund zehnmal so groß. In den ersten beiden Quartalen hatte der Konzern noch Gewinne gemeldet, 377 Millionen Euro im ersten und 293 Millionen im zweiten. Die Erholung ist damit unterbrochen.
Der Umsatz stieg um 1 Prozent auf 37,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig sanken die Verkäufe um 1 Prozent auf knapp 1,3 Millionen Fahrzeuge. Wer weniger Autos verkauft und trotzdem mehr umsetzt, lebt von höheren Preisen und besserem Mix, nicht von wachsender Nachfrage.
Der operative Gewinn steigt, bleibt aber winzig
Das bereinigte operative Ergebnis lag bei 256 Millionen Euro, fast dreimal so viel wie im schwachen Vorjahresquartal. Bezogen auf den Umsatz ergibt das eine Marge von knapp 0,7 Prozent. Das ist weit entfernt von dem, was ein Konzern dieser Größe braucht, um Investitionen, Zinsen und Dividenden zu stemmen.
Im zweiten Quartal hatte die Marge noch bei 1,8 Prozent gelegen. Die Richtung ist also nicht gesichert, und das Jahresziel einer bereinigten Marge im niedrigen einstelligen Prozentbereich wird eng.

Vier Milliarden Euro Mittelabfluss sind das eigentliche Problem
Aus dem Industriegeschäft, also ohne Finanzdienstleistungen, flossen im Quartal rund 4 Milliarden Euro an freien Mitteln ab. Zum Vergleich: In den ersten sechs Monaten zusammen waren es 921 Millionen Euro Abfluss gewesen. Im zweiten Quartal hatte Stellantis noch 1,0 Milliarde Euro eingenommen.
Analysten hatten vor den Zahlen mit einem Abfluss gerechnet, Barclays und Equita mit etwa 4,5 Milliarden Euro, der Marktdurchschnitt mit gut 2,5 Milliarden. Das Ergebnis liegt dazwischen. Beruhigend ist das nicht, denn gerade der Cashflow entscheidet bei Autoherstellern über Spielräume.
Ein Teil des Abflusses ist Altlast
Zur Einordnung gehört, dass Stellantis für das Gesamtjahr rund 2 Milliarden Euro an Barzahlungen für Belastungen aus dem zweiten Halbjahr 2025 eingeplant hat. Hinter diesen Belastungen steckt die Neuausrichtung der Elektroauto-Strategie, die 2025 einen Verlust von 22,3 Milliarden Euro verursachte. Die Rechnung dafür wird jetzt beglichen.
Das heißt aber auch: Das Sparen allein genügt nicht. Selbst wenn man diese Altlasten ausklammert, bleibt der Konzern bei Cash und Marge hinter dem zurück, was er braucht.

Europa und Zölle fressen den Schwung aus Nordamerika
Die Erholung hängt vor allem an Nordamerika. Dort lief das Geschäft zuletzt wieder besser. In Europa dagegen arbeitet Stellantis operativ weiter mit Verlust, unter anderem wegen Preisdruck durch chinesische Wettbewerber und gestiegener Rohstoffkosten. Hinzu kommen US-Zölle, die den Konzern in diesem Jahr 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro kosten dürften.
Für Opel hat das Folgen. Berichten zufolge soll in den europäischen Werken weniger Opel gebaut werden und stattdessen mehr im Auftrag fremder Hersteller. Das stabilisiert die Auslastung, schwächt aber die eigenen Marken.
Filosa setzt auf 60 Milliarden Euro und viel Vertrauen
Konzernchef Antonio Filosa bestätigte die Jahresprognose: Der Umsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen, die bereinigte Marge im niedrigen einstelligen Bereich liegen. Im Mai hatte er einen Strategieplan vorgelegt, der bis 2030 Investitionen von 60 Milliarden Euro und 60 neue Modelle vorsieht, 60 Prozent davon in Nordamerika.
„Unsere Priorität ist klar: Wir wollen unsere Kunden wieder in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen“, so Filosa im April.
Wann sich das auszahlt, lässt der Konzern offen. Positiver freier Cashflow soll erst 2027 gelingen. Bis dahin müssen Aktionäre, Gläubiger und Beschäftigte auf Zusagen vertrauen.

Quartalsverluste verkraftet ein Autokonzern, Cash-Verbrennung nicht auf Dauer
Stellantis kann einen Verlust von 453 Millionen Euro wegstecken. Vier Milliarden Euro Abfluss in drei Monaten kann sich auch ein Konzern mit Marken von Fiat bis Jeep nicht beliebig oft leisten. Der Plan hat ein Datum, 2027, und bis dahin ist jedes Quartal ein Test.


