UPS verdient mehr Geld mit weniger Paketen
Der weltgrößte Paketzusteller hat am Dienstag seine Jahresziele angehoben. Der Umsatz soll 2026 bei rund 92,6 Milliarden Dollar liegen, zuvor waren 91,2 Milliarden Dollar angepeilt. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll auf etwa 7,28 Dollar steigen, bisher standen 7,22 Dollar im Plan.

Im dritten Quartal wuchs der Umsatz um 6,7 Prozent auf 22,9 Milliarden Dollar, in allen Segmenten. Die bereinigte operative Marge lag bei 9,0 Prozent. Die Aktie legte vorbörslich um 1,8 Prozent zu, freundlich, aber kein Jubel.
Amazon brachte Masse, aber kaum Marge
Amazon war lange der größte Kunde von UPS, trug aber kaum zum Gewinn bei und baut zudem eigene Zustellnetze aus. UPS vereinbarte deshalb, das Amazon-Volumen bis zur zweiten Jahreshälfte 2026 mehr als zu halbieren. Im Frühjahr stand der Kunde nur noch für 8,8 Prozent des Geschäfts, auf dem Höhepunkt waren es mehr als 13 Prozent.
An die Stelle der Amazon-Pakete treten margenstärkere Sendungen, vor allem internationale Luftfracht, kleinere Geschäftskunden und Gesundheitslogistik. Die Rechnung ist einfach: lieber ein Paket weniger zum Dumpingpreis als eines mehr ohne Gewinn.
Der Kahlschlag trägt die Marge und kostet Zehntausende Jobs
2025 strich UPS rund 48.000 Stellen, für 2026 sind bis zu 30.000 weitere operative Positionen vorgesehen. Standorte werden geschlossen, Hubs automatisiert. Die Kosten sollen dadurch in diesem Jahr um drei Milliarden Dollar sinken. In automatisierten Gebäuden liegen die Kosten je Sendung laut Konzernchefin Carol Tomé etwa 28 Prozent niedriger.
Der Umbau hat seinen Preis. Nach US-Rechnungslegung verdiente UPS im dritten Quartal nur 1,37 Dollar je Aktie, bereinigt waren es 1,69 Dollar. Der Unterschied stammt aus Umbaukosten und einer Wertberichtigung von 182 Millionen Dollar im Bereich Supply Chain Solutions.

Die Börse glaubt dem Frieden noch nicht
Schon im Juli hatte UPS die Erwartungen geschlagen und die Prognose angehoben. Die Aktie fiel an diesem Tag trotzdem um rund 7 Prozent auf 106 Dollar. Anleger fragen, wie viel Wachstum bleibt, wenn der Spareffekt ausgereizt ist. Gestrichene Kosten lassen sich kein zweites Mal streichen.
DHL und FedEx gehen denselben Weg
DHL hob seine Gewinnprognose zuletzt ebenfalls an, getragen vom Expressgeschäft. In Bonn fielen im vergangenen Jahr rund 16.000 Stellen weg, bis 2027 sollen die Kosten um mehr als eine Milliarde Euro sinken. FedEx legt am Mittwoch Zahlen vor und fährt laut Bericht eine ähnliche Strategie. Die Branche wandelt sich vom Mengen- zum Margengeschäft, und das funktioniert nur, solange die Kunden höhere Preise zahlen.

Wer sich gesund schrumpft, muss irgendwann wieder wachsen
UPS hat sich vom größten Kunden getrennt, Zehntausende Stellen gestrichen und die Prognose trotzdem erneut angehoben. Das ist handwerklich stark. Den Beweis, dass auch das Wachstum zurückkommt, bleibt der Konzern noch schuldig. Der Kunde, den er losgeworden ist, baut derweil sein eigenes Netz weiter aus.


