28. Oktober, 2026

Quartalszahlen

BNP-Beben an der Wall Street: Frankreichs größte Bank schlägt die US-Konkurrenz im Aktienhandel

BNP Paribas verdient 3,46 Milliarden Euro, übertrifft die Prognosen und kauft Aktien für 1,3 Milliarden zurück. Der Aktienhandel wuchs um 50 Prozent, schneller als bei den US-Riesen. Doch ein Gewinn, der an der Marktlaune hängt, hat einen Haken.

BNP-Beben an der Wall Street: Frankreichs größte Bank schlägt die US-Konkurrenz im Aktienhandel
BNP Paribas verdient 3,46 Milliarden Euro und kauft für 1,3 Milliarden Aktien zurück. Der Aktienhandel wächst um 50 Prozent.

BNP verdient 14 Prozent mehr als vor einem Jahr

Die größte Bank der Euro-Zone nach Bilanzsumme hat im dritten Quartal 3,46 Milliarden Euro Nettogewinn erzielt, ein Plus von 14 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit 3,23 Milliarden Euro gerechnet. Die Erträge stiegen auf 13,76 Milliarden Euro.

Die Zahlen kamen am Mittwochmorgen, vor Börsenbeginn in Paris. Dazu gab es die Ankündigung, im November eigene Aktien für 1,3 Milliarden Euro zu kaufen. Gewinnüberraschung und Kapitalrückgabe im selben Atemzug sind für Anleger das beste Signal, das eine Bank senden kann.

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Der Aktienhandel schlägt die Wall Street

Der Treiber war der Aktienhandel. Die Erträge in diesem Bereich kletterten um 50 Prozent. Die fünf größten US-Konkurrenten kamen im Durchschnitt auf 37 Prozent. Eine europäische Bank überholt damit die Investmentbanken, die den Markt seit Jahrzehnten dominieren.

Der Erfolg kommt nicht aus dem Nichts. Schon im zweiten Quartal waren die Erlöse aus Aktien und Prime Services um 43 Prozent auf Rekordwerte gesprungen, und die Sparte für Firmen- und Investmentkunden wuchs um 13 Prozent. Prime Services, also Finanzierung und Abwicklung für Hedgefonds, hat sich zu einer verlässlichen Ertragsquelle entwickelt.

Die Kapitalquote macht den Rückkauf möglich

Der Rückkauf hat einen klaren Anlass. Die harte Kernkapitalquote lag Ende Juni bei 13,0 Prozent und erreichte damit das für Ende 2027 gesteckte Ziel anderthalb Jahre früher. Was über dieser Marke liegt, will BNP an die Aktionäre zurückgeben, so der Plan aus dem Vorjahr. Schon im Dezember 2025 hatte die Bank Aktien für 1,15 Milliarden Euro zurückgekauft.

Auch die Dividende zieht an. Für das erste Halbjahr 2026 zahlt BNP eine Zwischendividende von 3,23 Euro je Aktie, rund ein Viertel mehr als im Vorjahr.

„Wir sind zuversichtlich, unsere Planung für 2026 zu übertreffen“, so Konzernchef Jean-Laurent Bonnafé im Juli.

Der Vergleich mit dem zweiten Quartal zeigt den Pferdefuß

Wer genau hinsieht, bemerkt eine Lücke. Im zweiten Quartal verdiente BNP 4,35 Milliarden Euro, deutlich mehr als jetzt. Allerdings enthielt dieses Ergebnis einen Sonderertrag von 858 Millionen Euro aus der neu geordneten Partnerschaft mit dem Versicherer Ageas. Ohne ihn liegt das zweite Quartal bei rund 3,5 Milliarden Euro, fast auf dem Niveau des dritten.

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Das Muster ist trotzdem erkennbar. Ein Großteil des Wachstums stammt aus dem Handel, und der folgt den Märkten. Aktienumsätze steigen, wenn Anleger nervös sind und viel umschichten, und sie sinken, wenn es ruhig wird. Das macht den Gewinn der Bank schwerer planbar, als es das gute Quartal vermuten lässt.

Im Privatkundengeschäft bleibt die Arbeit liegen

Gegengewichte gibt es durchaus. Das französische und belgische Privatkundengeschäft kam im zweiten Quartal bei den Zinserträgen um etwa 17 Prozent voran, und die Unternehmenskredite wuchsen um 5,7 Prozent. Beim italienischen Ableger BNL steht der Zinsüberschuss dagegen unter Druck, und die Nettozuflüsse in der Vermögensverwaltung lagen im zweiten Quartal unter denen des ersten.

Hinzu kommen Kosten. Die Integration der Vermögensverwalter von AXA kostet Geld, und für 2026 plant BNP rund 800 Millionen Euro an Restrukturierungsaufwand. Die Bank hat sich das Ziel gesetzt, ihr Verhältnis von Kosten zu Erträgen bis 2028 unter 56 Prozent zu drücken.

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Die Aktie kostet immer noch weniger als das Eigenkapital

Die Börse hat die Geschichte nur teilweise eingepreist. Nach Daten von GuruFocus lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis zuletzt bei knapp 9 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 1. Die Aktie notierte zuletzt bei rund 113 Euro, im Jahresverlauf ein Plus von etwa 38 Prozent. Anleger bezahlen für die Bank demnach weniger als für ihr bilanzielles Eigenkapital.

Eine Bank, die laufend Kapital zurückgibt, mehr verdient als erwartet und trotzdem unter Buchwert gehandelt wird, hat ein Vertrauensproblem. Es heißt Zyklus. Der Markt traut dem Handelsboom nicht dauerhaft.

Wer vom Börsentrubel lebt, braucht den Börsentrubel

BNP hat bewiesen, dass sie mit den US-Banken mithalten kann. Offen bleibt, was passiert, wenn die Märkte ruhiger werden. Dann zeigt sich, ob Kredite, Vermögensverwaltung und Versicherung genug Gewicht haben, um den Handel zu ersetzen.