10. September, 2026

Quartalszahlen

Leica verliert nach vier Rekordjahren erstmals wieder Umsatz

Zölle, Wechselkurse und geopolitische Unsicherheit bremsen den Kamerahersteller aus Wetzlar. Trotzdem bleibt der Konzern profitabel, während im Hintergrund die eigentliche Zukunftsfrage ungeklärt bleibt, wem Leica bald gehört.

Leica verliert nach vier Rekordjahren erstmals wieder Umsatz
Nach vier Rekordjahren sinkt Leicas Umsatz leicht, Mobile Imaging und Onlinegeschäft wachsen aber weiter.

Vier Rekordjahre in Folge finden ein abruptes Ende

Der Kamerahersteller Leica hat in einem schwierigen Marktumfeld erstmals seit Jahren einen Umsatzrückgang verbucht. In dem Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr gaben die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent auf 573 Millionen Euro nach, wie das Unternehmen in Wetzlar mitteilte. Damit endet eine Serie von vier Rekordjahren in Folge, zuletzt hatte Leica im Geschäftsjahr 2024/25 mit 596 Millionen Euro den historisch höchsten Umsatz seiner Geschichte erzielt.

Zur Einordnung, der aktuelle Erlös liegt weiterhin über dem Niveau des Geschäftsjahres 2023/24, als Leica 554 Millionen Euro umsetzte, der Rückgang fällt also vergleichsweise moderat aus. Unter dem Strich schrieb die Leica Camera Gruppe trotz des Umsatzminus weiterhin schwarze Zahlen, eine konkrete Gewinnzahl nannte das Unternehmen zunächst nicht.

Zölle, Wechselkurse und geopolitische Unsicherheit belasten das klassische Fotogeschäft

Neben geopolitischen Unsicherheiten und nachteiligen Wechselkurseffekten machte Leica auch verschärfte Zollregelungen für die Entwicklung verantwortlich und sprach trotz des Umsatzminus von einem robusten Ergebnis. Den größten Einfluss auf die Umsatzentwicklung hatte weiterhin der Kernbereich Foto, in dem der Konzern im Jahresvergleich tatsächlich Erlöse verlor.

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Wichtigster Einzelmarkt bleibt für Leica weiterhin die USA, wo die Konsumstimmung zuletzt spürbar schwächelte. Nach Brancheneinschätzung sei der weltweite Markt für Fotoapparate im vergangenen Jahr zwar nach Stückzahlen leicht gewachsen, Kunden griffen aber häufiger zu günstigeren Modellen, sodass das weltweite Umsatzvolumen insgesamt rückläufig gewesen sei, erklärte ein Leica-Sprecher. Regional zeigte sich ein gemischtes Bild, im Heimatmarkt Deutschland konnte Leica zulegen, während in den Auslandsmärkten die wirtschaftlichen Unsicherheiten stärker durchschlugen.

Mobile Imaging und Nebengeschäfte fangen den Rückgang teilweise auf

Nicht alle Geschäftsbereiche entwickelten sich negativ. Der Bereich Mobile wuchs erneut kräftig, die Nachfrage in der Sportoptik blieb stabil, und auch das Geschäft mit Uhren, Heimkinoprojektoren und Brillengläsern entwickelte sich nach Unternehmensangaben positiv. Auch das Onlinegeschäft legte im Geschäftsjahr 2025/26 um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, ein Beleg dafür, dass die seit rund 20 Jahren verfolgte selektive Vertriebsstrategie aus eigenen Stores, Auktionen und E-Commerce weiterhin trägt. Weltweit betreibt Leica inzwischen rund 120 eigene Stores.

Ein Jubiläumsjahr sorgt für zusätzliche Aufmerksamkeit und Sonderauflagen

Das abgelaufene Geschäftsjahr stand zugleich im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums der ersten Leica-Kamera. Der Konzern nutzte den Anlass für insgesamt 24 internationale Ausstellungen sowie eine Reihe limitierter Sondereditionen, nach eigenen Angaben bei hoher Nachfrage. Auch das Geschäft mit gebrauchten Leica-Kameras sowie die Aktivitäten des hauseigenen Auktionshauses Leitz Photographica Auction trugen zur Markenpositionierung bei, unterstützt vom internationalen Leica-Galerienetzwerk. Einen besonderen Höhepunkt lieferte die Auktion einer 0-Serie-Kamera mit der Nummer 112, die im Juni 2025 für 7,2 Millionen Euro den zweithöchsten je für eine Kamera gezahlten Preis erzielte.

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Der neue Vorstandschef tritt sein Amt ohne konkreten Ausblick an

Einen konkreten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr gab der seit dem 1. April 2026 amtierende Vorstandsvorsitzende Andreas Voll nicht. Er erklärte lediglich, die aktuelle Geschäftsentwicklung bestätige die Ausrichtung, auf innovative Produkte im Premiumsegment und das globale Vertriebsnetz zu setzen sowie neue Zielgruppen anzusprechen, mit Blick unter anderem auf jüngere und kreativ geprägte Communities. Voll übernahm die Führung von Leica unmittelbar nach Ende des Geschäftsjahres als Nachfolger von Matthias Harsch, ein Führungswechsel, der zeitlich exakt mit dem Ende der bisherigen Rekordserie zusammenfällt.

Der Umsatzrückgang bei Leica fällt zudem in einen globalen Kameramarkt, der sich nach dem jahrelangen Einbruch durch Smartphones zuletzt eigentlich wieder stabilisiert hat. Daten des japanischen Branchenverbands CIPA zeigen für 2025 weltweit rund 9,44 Millionen ausgelieferte Digitalkameras, ein Plus von 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem in Yen gerechneten Wertzuwachs von 6,8 Prozent, ein Umfeld, in dem Leica trotz eines grundsätzlich wachsenden Marktes an Umsatz einbüßte.

Die Eigentümerfrage bleibt die eigentlich spannende Geschichte hinter den Zahlen

Neben den reinen Geschäftszahlen bleibt für Leica eine strategisch weitaus bedeutsamere Frage vorerst ungeklärt, wem das Unternehmen künftig gehören wird. Der Finanzinvestor Blackstone verhandelt derzeit über seinen 45-Prozent-Anteil an der Leica Camera AG, als Favorit für eine Übernahme gilt der chinesische Investor HongShan, der Berichten zufolge zusätzlich auch Interesse daran zeigt, die verbleibenden 55 Prozent von der Gründerfamilie Kaufmann zu übernehmen.

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Sollte diese Eigentümerstruktur tatsächlich neu geordnet werden, dürfte das für die traditionsreiche deutsche Premiummarke mindestens ebenso richtungsweisend sein wie die aktuellen Quartalszahlen selbst, insbesondere mit Blick auf die Frage, wie stark chinesisches Kapital künftig die strategische Ausrichtung eines der bekanntesten deutschen Kamerahersteller mitbestimmen könnte.