Die Zahlen
Bayer hat im dritten Quartal besser abgeschnitten als erwartet. Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) stieg von Juli bis September um 6,9 Prozent auf 1,615 Milliarden Euro, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Ein starkes Pharmageschäft glich Schwächen in der Agrarsparte aus.
Der Vorstand hob die Jahresziele an. Bayer rechnet nun mit einem bereinigten operativen Gewinn von 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro, nachdem zuvor 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Die Spanne steigt am unteren wie am oberen Ende um 200 Millionen Euro.

Was das Schlussquartal hergeben muss
Aus den Zahlen lässt sich das vierte Quartal herleiten. Das ist meine Rechnung mit Zahlen aus früheren Berichten. Im ersten Quartal erzielte Bayer ein EBITDA von 4,45 Milliarden Euro, im zweiten von 2,144 Milliarden. Zusammen mit dem dritten Quartal ergeben sich rund 8,2 Milliarden Euro nach neun Monaten. Für die neue Spanne bräuchte Bayer im vierten Quartal rund 1,6 bis 2,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Quartal auf dem Niveau des dritten bis zweiten, also keine große Herausforderung. Das spricht dafür, dass die Prognose erreichbar ist.
Die Sparten
Das dritte Quartal ist für die Agrarsparte saisonal schwach. In den ersten Jahreshälften lieferte Crop Science die Überraschungen: Im zweiten Quartal stieg das bereinigte EBITDA dort um 30 Prozent auf 902 Millionen Euro, getrieben von höheren Erlösen und gesunkenen Herstellkosten. Die Pharmasparte hatte dagegen zuletzt zu kämpfen. Im zweiten Quartal sank ihr Ergebnis um 3,6 Prozent. Belastend wirken der Patentablauf beim Blutverdünner Xarelto, dessen Umsatz um 42 Prozent einbrach, und wachsender Wettbewerb bei Eylea. Nun ist es umgekehrt: Pharma überrascht, Agrar bleibt hinter den Erwartungen. Details zu den Sparten im dritten Quartal enthält die Meldung nicht.

Wachstumstreiber im Pharmageschäft sind neuere Medikamente wie Nubeqa und Kerendia. Letzteres hat in Großbritannien im April die Zulassung bei Herzinsuffizienz erhalten.
Glyphosat und Schulden
Zwei Themen bestimmen weiter die Aktie. Das erste ist der Rechtsstreit um Glyphosat. Ende Juni entschied der US Supreme Court im Fall Durnell mit 7 zu 2, dass Bundesrecht einzelstaatliche Klagen wegen fehlender Warnhinweise ausschließt, wenn die Umweltbehörde EPA die Sicherheit bestätigt hat. Bayer wertet das als wesentliche Stärkung für den angestrebten Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar, der über 21 Jahre laufen soll. Die Anhörung dazu wurde nach Berichten wegen juristischer Detailfragen zu Widerrufen von Klägern auf den September verschoben. Wie es dort weiterging, steht nicht in der Meldung.
Das zweite Thema ist die Verschuldung. Im August senkte Bayer die Erwartung für die Nettofinanzschulden zum Jahresende auf 29 bis 30 Milliarden Euro, nach einem Beteiligungsverkauf, der in Berichten mit Apollo verbunden wird. Aktuelle Schuldenzahlen für das dritte Quartal habe ich nicht.

Einordnung für Anleger
Die Prognoseanhebung ist ein gutes Zeichen. Sie zeigt, dass Bayer auch ohne die Agrarsparte tragen kann, und das stärkt das Vertrauen in die Gewinnziele von Konzernchef Bill Anderson. Bayer hatte die Prognose schon im Sommer bestätigt, die Aktie hatte nach dem Supreme-Court-Urteil kräftig zugelegt.
Entscheidend bleiben die Rechtsrisiken. Solange der Glyphosat-Vergleich nicht endgültig genehmigt und die Zahlungen nicht beziffert sind, bleibt eine Unsicherheit, die Gewinn und Schulden belastet. Wer investiert ist, sollte auf die Genehmigung des Vergleichs, die Nettoverschuldung, den Cashflow und die Prognose für 2027 achten. Zur Kursreaktion enthält die Meldung keine Angaben. Dies ist keine Anlageberatung.

