Neun Monate: Gewinn plus zehn Prozent
Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat in den ersten neun Monaten ihr Konzernergebnis im Kerngeschäft ohne Russland um zehn Prozent auf 1,13 Milliarden Euro gesteigert. „Wir blicken auf drei starke Quartale zurück“, sagte Bankchef Michael Höllerer am Dienstag. Das Kerngeschäft entwickle sich „sehr erfolgreich“, und die Bank sei mit ihrer Position in attraktiven Märkten bestens aufgestellt, um weiter zu wachsen.
Der Zinsüberschuss stieg um sieben Prozent auf 3,35 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss um zehn Prozent auf 1,62 Milliarden Euro. Zur Jahresmitte lag der Gewinn ohne Russland bei 708 Millionen Euro. Daraus ergibt sich rechnerisch für das dritte Quartal ein Ergebnis von rund 420 Millionen Euro. Das ist meine Rechnung.

Prognose für 2026
Die RBI erwartet für das Gesamtjahr einen Zinsüberschuss von über 4,5 Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite von rund 13 Prozent. Die Kundenkredite sollen ohne Zukäufe um rund neun Prozent wachsen. Die harte Kernkapitalquote (CET1) soll zum Jahresende bei rund 14,5 Prozent liegen und berücksichtigt bereits die Effekte der geplanten Übernahmen. Zur Jahresmitte hatte die Bank noch 14,3 Prozent angepeilt.
Zukäufe: Garanti fertig, Addiko angenommen
Die Übernahme der rumänischen Garanti BBVA ist abgeschlossen. Die RBI hatte im März 591 Millionen Euro dafür vereinbart, das entspricht dem 1,28-Fachen des Buchwerts. Mit dem Kauf wird sie laut eigener Planung drittgrößte Bank Rumäniens. Der Gewinnbeitrag soll 2028 rund 60 Millionen Euro betragen und danach steigen, die Integration kostet rund 75 Millionen Euro in den Jahren 2027 und 2028. Die Kapitalquote sinkt dadurch um etwa 0,6 Prozentpunkte.
Beim Übernahmeangebot für die Addiko Bank erreichte die RBI eine Annahmequote von 94,84 Prozent. Die RBI hatte sich in einem monatelangen Bieterkampf gegen die slowenische NLB durchgesetzt und das Angebot auf 26,50 Euro je Aktie angehoben. Die Mindestannahme von 55 Prozent war schon im Sommer überschritten worden. Nun stehen noch Genehmigungen der Aufsicht und die Fusionsfreigabe an, der Abschluss wird für das vierte Quartal erwartet. Der Kauf bringt die RBI als viertgrößte Bank nach Kroatien und zurück nach Slowenien, mit einem Kapitaleffekt von rund 0,5 Prozentpunkten.
Russland: Kredite von 13,7 auf 2,2 Milliarden Euro
Die RBI treibt den Rückbau in Russland weiter voran. Die Kredite an Kunden dort sanken seit Mitte 2022 von 13,7 Milliarden auf 2,2 Milliarden Euro. Zur Jahresmitte waren es noch 2,5 Milliarden, bei Einlagen von 10,9 Milliarden Euro. Das Russland-Geschäft schrieb im ersten Halbjahr 550 Millionen Euro Gewinn, nach einem Verlust im Vorjahr.
Der neue Chef Höllerer hat den Ausstieg zur Priorität erklärt, ein Verkauf bleibt aber schwierig. Parallel hat die RBI am 30. Juli in Wien eine Schadenersatzklage über 3,15 Milliarden Euro gegen die Rasperia des russischen Strabag-Aktionärs eingereicht. Die Summe setzt sich aus 2,4 Milliarden Euro in Russland beschlagnahmter Gelder, Zinsen und entgangenen Gewinnen zusammen. Die RBI will auf in Österreich eingefrorene Vermögenswerte der Rasperia, Strabag-Aktien, zugreifen. Wann und in welcher Höhe das gelingt, ist offen. Die Prozesskosten belasten die Kosten im Jahr 2026.

Einordnung für Anleger
Das Bild der RBI ist besser geworden: Das Kerngeschäft in Zentral- und Osteuropa trägt, und die Ertragszahlen wachsen zweistellig bei den Provisionen. Die Aktie hat entsprechend zugelegt. Nach einem Bericht lag sie zuletzt bei rund 61 Euro nahe ihrem 52-Wochen-Hoch, ein Plus von mehr als 140 Prozent in einem Jahr. Das ist ein Hinweis, dass viel Positives eingepreist ist. Die Angabe stammt nicht von heute.
Die Risiken: Das Russland-Geschäft bleibt eine Altlast mit Rechts- und Sanktionsrisiken, und der Ausgang der Rasperia-Klage ist ungewiss. Zudem bringen die Zukäufe Integrationskosten und binden Kapital, der Ertrag kommt erst ab 2028. Wer investiert ist, sollte auf die Kapitalquote, den Abschluss der Addiko-Übernahme und Fortschritte beim Russland-Ausstieg achten. Dies ist keine Anlageberatung.

