04. August, 2026

Quartalszahlen

Der Iran-Krieg reißt ein Milliardenloch in die Bilanz von British-Airways-Mutter IAG

Explodierende Kerosinpreise drücken den Gewinn im zweiten Quartal um 16 Prozent. Der Konzern rechnet für das Gesamtjahr mit einer Treibstoffrechnung von 8,6 Milliarden Euro.

Der Iran-Krieg reißt ein Milliardenloch in die Bilanz von British-Airways-Mutter IAG
Explodierende Kerosinpreise durch den Iran-Krieg lassen IAGs Gewinn im zweiten Quartal um ein Drittel einbrechen.

Der Iran-Krieg reißt ein Loch in die IAG-Bilanz

Der steile Anstieg der Kerosinpreise infolge des Krieges zwischen den USA und dem Iran macht der British-Airways-Mutter International Airlines Group erheblich zu schaffen. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern nun mit einer Treibstoffrechnung von 8,6 Milliarden Euro, ein Betrag, der die ursprüngliche Planung deutlich sprengt. Nach Angaben des Managements sollen rund 60 Prozent dieser Mehrkosten durch höhere Umsätze sowie zusätzliche Kosteneinsparungen kompensiert werden, die verbleibenden 40 Prozent belasten das Ergebnis direkt.

Die Muttergesellschaft von British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus und Level zeigt damit exemplarisch, wie ein geopolitischer Konflikt am anderen Ende der Welt direkt auf die Bilanzen europäischer Fluggesellschaften durchschlägt. Nach IATA-Daten kletterte der durchschnittliche Kerosinpreis zuletzt auf rund 160 Dollar, ein Plus von 23 Prozent im Monatsvergleich und von fast 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ein Preissprung, der selbst gut abgesicherte Fluggesellschaften wie IAG hart trifft.

Das zweite Quartal zeigt wie tief der Kerosinschock tatsächlich sitzt

Im zweiten Quartal schlug sich diese Entwicklung erstmals in voller Wucht in den Geschäftszahlen nieder. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn sank um 16 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, während der Umsatz mit 8,89 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahresniveau verharrte, ein deutliches Signal dafür, dass IAG kaum in der Lage war, die gestiegenen Treibstoffkosten über höhere Ticketpreise vollständig an die Kunden weiterzugeben. Unter dem Strich brach der Gewinn sogar um gut ein Drittel auf 732 Millionen Euro ein.

Damit bestätigt sich ein Muster, das sich bereits im ersten Quartal angedeutet hatte, als der Betriebsgewinn noch um beachtliche 77 Prozent zugelegt hatte, bevor der volle Kerosinschock im Frühjahr überhaupt einsetzte. Der Kontrast zwischen den beiden Quartalen zeigt eindrücklich, wie schnell sich die Lage für die Fluggesellschaft innerhalb weniger Monate gedreht hat.

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IAG hatte die Gewinnwarnung bereits im Mai angekündigt

Vollständig überraschend kamen die aktuellen Zahlen für Investoren allerdings nicht. Bereits im Mai hatte Konzernchef Luis Gallego die zusätzlichen Treibstoffkosten auf rund zwei Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr beziffert und in der Folge die Wachstumspläne für das laufende Jahr deutlich zusammengestrichen. Wir steuern aktiv gegen die durch den Preisanstieg entstandene Unsicherheit, hatte Gallego damals erklärt. Zu diesem Zeitpunkt hatte IAG bereits 70 Prozent seines für den Rest des Jahres erwarteten Treibstoffbedarfs preislich abgesichert, ein wichtiger Puffer, der die Auswirkungen des Kerosinschocks zumindest teilweise dämpfte.

Kapazitätswachstum und Cashflow-Ziele fallen dem Sparkurs zum Opfer

Als direkte Konsequenz aus der Kostenexplosion senkte IAG bereits im Frühjahr seine Wachstumsambitionen. Statt der ursprünglich angepeilten Kapazitätssteigerung von 3 Prozent plante der Konzern für das zweite Quartal nur noch ein Wachstum von 1 Prozent, für das dritte Quartal von 2 Prozent. Auch beim freien Cashflow rechnete das Management mit einem geringeren Ergebnis als die zuvor projizierten 3 Milliarden Euro für das Gesamtjahr.

Immerhin zeigt sich hier ein positiver Nebeneffekt, im ersten Halbjahr insgesamt stieg der freie Cashflow tatsächlich auf 2,9 Milliarden Euro, nach 2,09 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, getragen allerdings weniger von operativer Stärke als vom Timing der Flugzeugauslieferungen sowie von im Vorjahr geleisteten Steuerzahlungen, die in diesem Jahr entfielen.

Die gesamte Airline-Branche kämpft mit demselben Problem

IAG steht mit seinen Kerosinsorgen keineswegs allein da. Sowohl die Deutsche Lufthansa als auch Air France-KLM hatten zuvor bereits von einem milliardenschweren Anstieg der Treibstoffkosten berichtet. Air France-KLM rechnet für das Gesamtjahr sogar mit einer Kerosinrechnung von 9,3 Milliarden Dollar, 2,4 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahr. Die Lufthansa hielt trotz der Belastungen zumindest an ihrem Ziel fest, den operativen Gewinn im laufenden Jahr zu steigern, gestützt auf höhere Ticketpreise, eine bessere Auslastung der Flugzeuge sowie zusätzliche Einsparungen.

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An der Börse reagierten Anleger auf die IAG-Zahlen zurückhaltend, die Aktie zählte im Frühjahr zeitweise zu den größten Verlierern im britischen Leitindex FTSE 100, konnte sich seither aber von ihrem kriegsbedingten Tiefpunkt bei 335 Pence deutlich erholen. J.P.-Morgan-Analyst Harry Gowers zeigte sich mit Blick auf die weitere Entwicklung zuversichtlich und erwartet, dass der aktuelle Konflikt vor allem die Widerstandsfähigkeit der Gruppe sowie die anhaltend starke Cashflow-Generierung unter Beweis stellen werde.

Der freie Cashflow bleibt trotz allem ein Silberstreif am Horizont

Für Anleger bleibt am Ende eine zentrale Beobachtung entscheidend. Anders als weniger stark abgesicherte Wettbewerber wie Ryanair oder easyJet profitiert IAG von seiner Kombination aus umfangreichen Treibstoffabsicherungen und einer breit diversifizierten, stark transatlantisch ausgerichteten Streckenstruktur, die den Schaden aus dem Kerosinschock zumindest begrenzt. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten in den kommenden Monaten entspannen, könnte sich die aktuelle Gewinnbelastung ebenso schnell wieder auflösen, wie sie im Frühjahr entstanden ist. Bis dahin bleibt für IAG und seine europäischen Konkurrenten die schlichte Erkenntnis, wie eng das Schicksal einer ganzen Branche nach wie vor an die Entwicklung eines einzigen Rohstoffpreises geknüpft ist.