Die Wall Street leidet an einem akuten Realitätsverlust, und JPMorgan ist der крупнейший Erreger. Der amerikanische Geldriese hat im zweiten Quartal eine Gewinnmaschine auf Hochtouren laufen lassen, die jeglichen gesunden Menschenverstand sprengt. Ein Plus von über sechs Milliarden Dollar innerhalb eines Jahres ist keine organische Entwicklung, es ist ein finanztechnischer Amoklauf.
Die Bank hat bewiesen, dass sie nicht nur vom Elend der Welt profitiert, sondern auch von der schieren Hybris der Tech-Milliardäre. Während sich der Rest der Wirtschaft Sorgen um Zinsen und Rezession macht, feiert das Geldhaus eine Orgie der Profitgier. Die Zahlen sind ein mittelbarer Fingerzeig auf eine Branche, die sich selbst für unbesiegbar hält.
Wenn JPMorgan derart abkassiert, bedeutet das meistens eins: Irgendwo anders im System wird gerade kräftig gespart, entlassen oder abgezockt. Der Konzerngewinn ist nicht einfach nur eine Zahl, er ist ein brutales Abbild der extremen Ungleichheit im globalen Finanzsystem. Das Geld fließt längst nicht mehr in die Realwirtschaft, es zirkuliert in den eigenen, goldenen Kreisläufen der Hochfinanz.
Die Investmentbank füttert das Imperium mit einem beispiellosen Übernahmewahn
Die Investmentbanker ließen es richtig krachen. Ein Ertragssprung von 30 Prozent in dieser Sparte übertraf nicht nur die eigenen, ohnehin maßlosen Prognosen, er demütigte die gesamte Konkurrenz. Der globale Markt für Fusionen und Übernahmen erwachte aus seinem Dornröschenschlaf und JPMorgan stand bereit, um den aus der Tiefe aufsteigenden Hass-und-Gier-Blutdurst zu stillen.
Konzerne fressen sich aktuell gegenseitig mit einer Vehemenz, die selbst alte Hasen an der Wall Street staunen lässt. Wer in diesem rücksichtslosen Beutezug nicht mithält, wird selbst zum Aas. JPMorgan kassiert für jeden abgewickelten Deal prächtig ab. Sie beraten, sie strukturieren, sie ziehen die Fäden – und am Ende wandern die fetten Gebühren in die eigenen Taschen.
Die Architekten dieser Megadeals kennen kein Pardon mehr. Es geht um Marktbeherrschung, um das Ausschalten von Konkurrenz und um das Ausplündern von Synergien, was meistens Massenentlassungen bedeutet. JPMorgan ist der eiskalte Türsteher dieses exklusiven Klubs der Raubtiere. Wer hier nicht die massiven Gebühren auf den Tisch legt, kommt gar nicht erst ins Spiel. Die Bank hat die absolute Preismacht. Die Kunden zahlen jeden Preis, weil die Alternative das Bedeutungslosigkeit oder der feindliche Übernahmeversuch ist.
Das gigantische SpaceX-Debüt beschert dem Geldhaus einen historischen Geldsegen
Der wahre Spectacle-Auftritt des Quartals war jedoch der Kapitalmarkt. Nach Jahren der Dürre bei Erstnotierungen platzten mit einem Schlag die Dämme. Und mitten in diesem Sturm der Gier thront ein einziger Gigant: SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen von Netz-Magnat Elon Musk ging an die Börse und sprengte alle Vorstellungen von Bewertungen.

Mehr als zwei Billionen Dollar war der Zirkus wert. Die größte Erstnotiz der Geschichte. Eine Zahl, die so abstrakt ist, dass sie jeden Sinn für Realität verliert. Hier wird nicht mehr in Erdöl, Stahl oder Immobilien investiert. Hier wird auf die Eroberung des Marsches spekuliert. Die Hybris hat einen neuen Olymp bezogen.
Und JPMorgan war mitten drin, statt nur dabei. Die Bank begleitete dieses historische Spektakel und sicherte sich damit die wohl lukrativsten Mandatsgebühren, die der Finanzsektor jemals gesehen hat. Wenn ein Konzern mit einer Bewertung von zwei Billionen Dollar an die Börse kommt, fließen Milliarden an Provisionen in die Kassetten der begleitenden Banken. Es ist der ultimative Geheim-Plan der Hochfinanz: Man stützt die Illusion unbegrenzter Zukunftsgewinne und kassiert die Gebühren schon heute, bevor die Rakete überhaupt im Weltall explodiert. Das Risiko tragen die Aktionäre, der garantierte Profit gehört JPMorgan.
Die absurde Gewinnsteigerung offenbart die kalte Berechenbarkeit der Wall Street
Die nackten Zahlen zeichnen ein Bild von gnadenloser Effizienz. Ein Gewinn von 21,2 Milliarden Dollar in nur drei Monaten bedeutet, dass die Bank im Schnitt über 230 Millionen Dollar pro Tag verdient. Jede Stunde, jede Minute rinnt ein Strom aus Geld in die Kassen von CEO Jamie Dimon.
Der Gewinn je Aktie katapultierte sich von 5,24 auf 7,70 Dollar. Eine Steigerung, die Anleger in ekstatische Begeisterung versetzt, während sie gleichzeitig die absolute Enthemmung des Finanzkapitals dokumentiert. Es sind genau diese Momente, in denen die Wall Street ihre abgehobene Parallelgesellschaft feiert. Main Street kämpft mit Inflation und Kreditzinsen, die Wall Street schwelgt im Überfluss.

JPMorgan hat die Zinswende und die Konjunktursorgen eiskalt weggesteckt. Wer derartige Gewinne generiert, ist nicht mehr vom Wohl und Wehe der normalen Wirtschaft abhängig. Das Geldhaus profitiert von der Panik, es profitiert von der Euphorie und es profitiert von der Hybris. Solange sich etwas bewegt auf den Bildschirmen der Händler, fließt die Provision.
Die Wall Street hat die fatalste Lektion der Finanzgeschichte verinnerlicht: Egal ob die Rakete im Orbit verschwindet oder auf dem Startplatz zerbirst, wer den Start verkauft, hat schon gewonnen. Die Milliarden von JPMorgan sind der Beleg dafür, dass das Geschäft mit der Illusion das einzig wahre Krisen-resistente Geschäftsmodell ist.

