Der Chipausrüster übertrifft die eigenen Erwartungen bereits im zweiten Quartal in Folge
ASML hat am Mittwoch geliefert, und zwar deutlich mehr als selbst die eigenen, ohnehin schon ambitionierten Ziele vorsahen. Der niederländische Ausrüster der Halbleiterindustrie steigerte seinen Umsatz in den drei Monaten bis Ende Juni auf gut 9,3 Milliarden Euro, nach knapp 8,8 Milliarden im ersten Quartal. Analysten hatten lediglich eine geringfügige Steigerung eingeplant, ASML lieferte stattdessen einen handfesten Sprung.

Auch bei der Profitabilität übertraf der Konzern die Erwartungen. Die Bruttomarge kletterte von 53 auf 54 Prozent, der Nettogewinn stieg von knapp 2,8 auf gut 2,9 Milliarden Euro. Für ein Unternehmen dieser Größenordnung sind das keine Rundungsfehler, sondern ein klares Signal, dass die Nachfrage nach den hochkomplexen Lithografiemaschinen des Konzerns weiterhin ungebremst durch die Decke geht.
Konzernchef Christophe Fouquet ließ an der Ursache keinen Zweifel. Der Auftragseingang sei in der ersten Jahreshälfte „äußerst stark“ geblieben, so Fouquet. Getrieben wird diese Dynamik von den gewaltigen Investitionssummen, die Technologiekonzerne wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet derzeit in ihre Rechenzentren pumpen, während gleichzeitig Chiphersteller wie Marktführer Nvidia ihre eigenen Produktionskapazitäten massiv ausbauen. ASML sitzt dabei an einer einzigartigen Schlüsselstelle der Lieferkette, denn ohne die Maschinen aus Veldhoven lässt sich kein einziger fortschrittlicher KI-Chip der Welt herstellen.
Fouquet hebt seine Jahresprognose binnen weniger Monate bereits zum zweiten Mal an
Was diese Zahlen besonders bemerkenswert macht, ist das Tempo der Prognoserevisionen. Erst im April hatte Fouquet sein Umsatzziel für 2026 auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben. Am Mittwoch folgte bereits die nächste Korrektur nach oben, diesmal auf 43 bis 45 Milliarden Euro. Auch die erwartete Bruttomarge wurde nachgeschärft, von den zuvor kommunizierten Werten auf nun 54 bis 56 Prozent.
Für das laufende dritte Quartal stellte der Konzernchef zusätzlich einen Umsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 55 bis 57 Prozent in Aussicht. Damit übertrifft ASML nicht nur die eigenen früheren Zielkorridore, sondern auch die durchschnittlichen Markterwartungen der Analysten, sowohl beim Ausblick als auch bei den bereits vorliegenden Zahlen des zweiten Quartals.
Zwei Mal binnen eines einzigen Geschäftsjahres die eigene Prognose anzuheben, ist selbst für einen Konzern wie ASML ungewöhnlich. Es zeigt, wie sehr sich die Wachstumsdynamik rund um Künstliche Intelligenz in den vergangenen Monaten weiter beschleunigt hat und wie schwer selbst das eigene Management die tatsächliche Nachfrage im Vorfeld einschätzen konnte.
Die Aktie nähert sich ihrem Rekordhoch und macht ASML noch wertvoller
Der Aktienmarkt reagierte prompt und deutlich. Die ASML-Aktie legte am Mittwoch in Amsterdam zeitweise um 3,88 Prozent auf 1.616,20 Euro zu und sprang dabei dynamisch über die 21-Tage-Durchschnittslinie, einen wichtigen kurzfristigen technischen Taktgeber. Der Weg zum bisherigen Rekordhoch von 1.741 Euro aus Ende Juni ist damit wieder frei, keine sieben Prozent trennen die Aktie noch von einer neuen Bestmarke.
Mit einem Börsenwert von aktuell knapp 639 Milliarden Euro bleibt ASML damit das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas, ein Titel, den der Konzern seiner einzigartigen Monopolstellung bei der Herstellung fortschrittlicher EUV-Lithografiesysteme verdankt. Kein anderer Hersteller der Welt kann vergleichbare Maschinen zur Fertigung modernster Chips liefern, ein struktureller Vorteil, der sich nun in blendenden Quartalszahlen niederschlägt.

Die Analystenhäuser überbieten sich gegenseitig mit ihren Kurszielen
Die Reaktionen aus den Analystenstuben fielen überwiegend euphorisch aus. JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande beließ seine Einstufung bei „Overweight“ und bestätigte sein Kursziel von 1.900 Euro. Nach seiner Einschätzung dürfte der Umsatzkonsens für 2026 nun deutlich steigen, entscheidender sei aber der von ASML angekündigte Kapazitätsausbau für 2027 und 2028. Für das Jahr 2028 liege der Konzern damit sogar über seiner eigenen Schätzung, die bereits die höchste am gesamten Markt gewesen sei. Die aktuellen Gewinnerwartungen für 2028 seien vor diesem Hintergrund „deutlich über der durchschnittlichen Analystenschätzung“ zu korrigieren, so Deshpande.
Auch Barclays-Analyst Simon Coles bestätigte seine „Overweight“-Einstufung und hob sein Kursziel auf 2.000 Euro an, das höchste unter den großen Häusern. Er verwies darauf, dass der Auftragseingang für EUV-Lithografiesysteme im ersten Halbjahr vermutlich ein Rekordniveau erreicht habe. Goldman-Sachs-Analyst Alexander Duval lobte die starke Auftragslage als Bestätigung des Kapazitätsausblicks für sowohl EUV- als auch DUV-Systeme.
Ein einziger Kritikpunkt trübt die sonst blendende Stimmung
Nicht jede Stimme fiel jedoch uneingeschränkt positiv aus. Jefferies-Analyst Janardan Menon würdigte zwar die deutlich angehobenen Jahresziele, die klar über seiner eigenen Prognose und der mittleren Markterwartung lägen, ebenso wie die höher als erwartete Bruttomarge. Gleichzeitig bemängelte er, dass der für 2027 in Aussicht gestellte Kapazitätsausbau bei den Standard-EUV-Lithografiesystemen geringer ausfalle als vom Markt zuletzt erwartet, gerade weil die Erwartungen in diesem Bereich zuletzt stark gestiegen waren. In der Summe sprach Menon deshalb von einem „gemischten Ausblick“.
Dieser eine Wermutstropfen zeigt, wie anspruchsvoll die Erwartungshaltung an ASML inzwischen geworden ist. Selbst eine zweite Prognoseanhebung binnen eines Jahres reicht offenbar nicht mehr aus, um sämtliche Analysten restlos zu überzeugen, sobald es um die langfristige Kapazitätsplanung geht.
Der Kapazitätsausbau zeigt wie lange der Boom noch anhalten soll
Um der Nachfrage gerecht zu werden, kündigte ASML einen spürbaren Ausbau seiner Produktionskapazitäten an. Bei den Standard-Ultraviolett-Lithografieanlagen, den sogenannten Low-NA-EUV-Systemen, soll die Kapazität von derzeit 65 Einheiten im kommenden Jahr um 30 Prozent steigen. Für 2028 prüft der Konzern eine weitere Ausweitung um erneut 30 Prozent. Ähnliche Pläne verfolgt ASML bei den DUV-Immersionsanlagen, einer weiteren zentralen Maschinenkategorie für die Chipfertigung.
Diese mehrjährige Kapazitätsplanung ist zugleich das deutlichste Signal des Managements, dass der aktuelle KI-getriebene Boom aus eigener Sicht kein kurzfristiges Strohfeuer ist. Wer seine Fertigungskapazitäten bereits für 2028 plant, rechnet offensichtlich mit einer Nachfrage, die weit über den aktuellen Rekordauftragsbestand hinausreicht.
Ein Konzern, der binnen weniger Monate zweimal seine eigene Prognose nach oben korrigiert und trotzdem noch nicht alle Analysten restlos zufriedenstellt, hat der Konkurrenz eindrucksvoll demonstriert, wie einsam die Marktstellung an der Spitze der Chipindustrie inzwischen geworden ist.

