26. Juli, 2026

Quartalszahlen

Schindler trickst die China-Krise aus: Margen-Rekord trotz schrumpfendem Umsatz

Der Aufzugbauer verdient operativ mehr, obwohl der Umsatz währungsbedingt schrumpft. Doch das Neuanlagengeschäft in China bleibt eine offene Wunde, und die Aktie hinkt dem Gesamtmarkt deutlich hinterher.

Schindler trickst die China-Krise aus: Margen-Rekord trotz schrumpfendem Umsatz
Modernisierung und Service treiben Schindlers Gewinn, während der Umsatz währungsbedingt schrumpft und die Aktie hinterherhinkt.

Schindler steigert seine Profitabilität trotz schrumpfendem Umsatz im zweiten Quartal

Der Schweizer Aufzug- und Fahrtreppenhersteller Schindler hat am Dienstag Zahlen präsentiert, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken, bei genauerem Hinsehen aber ein klares Muster offenbaren. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte der Konzern sein operatives Ergebnis um 4,6 Prozent auf 706 Millionen Franken, während die operative Umsatzrendite von 12,3 auf 13,2 Prozent kletterte, ein Anstieg um 90 Basispunkte. Gleichzeitig ging der ausgewiesene Umsatz zurück, belastet von Wechselkurseffekten in Höhe von 2,9 Prozent, auf 5,33 Milliarden Franken.

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Bereinigt um diese Währungseffekte wuchs der Umsatz immerhin um 1,4 Prozent, und auch der Auftragseingang legte in Lokalwährungen um 2,9 Prozent auf 5,79 Milliarden Franken zu. Der operative Cashflow lag bei soliden 617 Millionen Franken. Schindler zeigt damit einmal mehr, wie sich Profitabilität und Umsatzwachstum in einem schwierigen globalen Baukonjunkturumfeld durchaus entkoppeln können, solange die Kostendisziplin stimmt.

Die Modernisierung wird zum verlässlichen Wachstumsmotor in fast allen Regionen

Der eigentliche Treiber hinter der verbesserten Profitabilität liegt im Geschäft mit Modernisierung und Wartung bestehender Anlagen, einem Bereich, der traditionell deutlich margenstärker ist als der Verkauf komplett neuer Aufzüge. Die Modernisierungsaufträge legten praktisch überall zweistellig zu, mit einem Plus von über zehn Prozent in Amerika, in der Region EMEA und selbst in China, während der asiatisch-pazifische Raum ohne China immerhin ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent verzeichnete.

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Auch das Servicegeschäft, die klassische Cashcow der Branche, entwickelte sich in sämtlichen Regionen positiv, mit besonders starkem Wachstum im asiatisch-pazifischen Raum außerhalb Chinas. Der Konzern selbst bestätigte diese regionale Breite des Wachstums ausdrücklich und erklärte, in Lokalwährungen sei der Umsatz in allen Regionen mit Ausnahme Chinas gestiegen. Genau dieser eine Satz verrät bereits, wo der wunde Punkt im ansonsten soliden Zahlenwerk liegt.

China bleibt die offene Wunde im Neuanlagengeschäft

Während Modernisierung und Service also branchenweit florieren, bleibt das Geschäft mit komplett neuen Aufzugsanlagen in China ein anhaltendes Problem. Hier verzeichnete Schindler laut eigenen Angaben weiterhin einen starken zweistelligen Rückgang, eine direkte Folge der langanhaltenden Immobilienkrise im Land. Konzernchef Paolo Compagna hatte bereits Ende vergangenen Jahres deutlich gemacht, dass er für 2026 noch keine große Erholung erwarte.

„Für 2026 erwarten wir noch keine große Erholung“, so Compagna gegenüber Reuters.

Immerhin gebe es in den vier größten Städten Chinas erste, wenn auch sehr geringe Anzeichen einer Stabilisierung, während der Markt in allen anderen chinesischen Städten weiterhin rückläufig sei, hatte der Schindler-Chef seinerzeit ergänzt. Angesichts eines Rückgangs der Baubeginne im Land von zuletzt 23 Prozent überrascht diese vorsichtige Einschätzung kaum. Für Schindler bedeutet das im Kern, der einstige Wachstumsmotor China wird auf absehbare Zeit durch das margenstärkere Modernisierungs- und Servicegeschäft kompensiert, ersetzt aber die früheren Wachstumsraten aus dem Neuanlagengeschäft nicht vollständig.

Der Auftragseingang übertrifft die Erwartungen während der Umsatz leicht enttäuscht

Im direkten Vergleich mit den Erwartungen der von der Nachrichtenagentur AWP befragten Analysten lieferte Schindler ein gemischtes, in der Tendenz aber positives Bild. Beim Auftragseingang und beim operativen Ergebnis übertraf der Konzern die Konsensschätzungen leicht, beim Umsatz blieb er dagegen knapp darunter. Konkret war im Vorfeld für das zweite Quartal ein Auftragseingang von rund 2,95 Milliarden Franken erwartet worden, tatsächlich erreichte Schindler 2,97 Milliarden Franken, ein Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise 2,9 Prozent währungsbereinigt.

Beim Umsatz des zweiten Quartals verfehlte der Konzern die Erwartungen knapp, dieser sank um 0,7 Prozent auf 2,74 Milliarden Franken. Das Management bestätigte trotz dieser leichten Umsatzverfehlung die für das Gesamtjahr 2026 gesetzten Ziele ausdrücklich, allerdings mit dem üblichen Vorbehalt, sofern keine unerwarteten Ereignisse einträten. Für das Gesamtjahr rechnet Schindler demnach weiterhin mit einem Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich in Lokalwährungen sowie einer Ebit-Marge von rund 13 Prozent.

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Die Aktie hinkt dem Gesamtmarkt seit Jahresbeginn deutlich hinterher

An der Börse konnte Schindler von den soliden operativen Zahlen zuletzt nicht in vollem Umfang profitieren. Seit Jahresbeginn haben die Schindler-Papiere gut 10 Prozent verloren, während der breite Schweizer Marktindex SPI im selben Zeitraum um etwa 10 Prozent zulegte, eine Underperformance von rund 20 Prozentpunkten. Als einen der Gründe für diese schwache Kursentwicklung nannten Marktbeobachter unter anderem die Verschiebung des ursprünglich geplanten Kapitalmarkttags, ein Termin, den Investoren offenbar als wichtigen Katalysator für neue strategische Impulse erwartet hatten.

Immerhin habe sich die Schindler-Aktie im Branchenvergleich noch besser geschlagen als einzelne Wettbewerber, merkte die Zürcher Kantonalbank an. Zusätzlich für Gesprächsstoff dürfte auch das laufende Aktienrückkaufprogramm sorgen, das Schindler zuletzt um 200 Millionen auf insgesamt 700 Millionen Franken aufgestockt hatte, ein Signal dafür, dass der Konzern die eigene Aktie trotz der operativen Herausforderungen in China für unterbewertet hält.

Der Ausblick bleibt vorsichtig optimistisch trotz aller Unsicherheiten

Für das Gesamtjahr 2025 hatte Schindler zuvor eine Ebit-Marge von 12,6 Prozent sowie einen Nettogewinn von 1,073 Milliarden Franken bei einem Umsatzrückgang von 2,2 Prozent auf 10,947 Milliarden Franken ausgewiesen und den Aktionären eine Dividende von 6,00 Franken zuzüglich einer Sonderdividende von 0,80 Franken in Aussicht gestellt. Vor diesem Hintergrund liest sich die für 2026 anvisierte Ebit-Marge von rund 13 Prozent als klarer Fortschritt, selbst wenn das absolute Umsatzwachstum bescheiden bleibt.

Die Halbjahreszahlen bestätigen damit im Kern die Strategie, die Schindler bereits seit mehreren Quartalen verfolgt, die schwache chinesische Neuanlagenkonjunktur durch ein margenstärkeres Modernisierungs- und Servicegeschäft in allen anderen Regionen der Welt zu kompensieren. Ob diese Strategie auch langfristig ausreicht, um verlorenes Terrain in China wettzumachen, dürfte sich erst zeigen, wenn sich die dortige Immobilienkrise tatsächlich nachhaltig entspannt, wofür es laut Unternehmensangaben bislang nur vereinzelte, zaghafte Anzeichen gibt.

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