20. Juli, 2026

Quartalszahlen

Johnson & Johnson zündet die Krebs-Gewinnmaschine

Der US-Pharmariese Johnson & Johnson zeigt, wie man aus Leid Profit schlägt. Während der einstige Psoriasis-Blockbuster Stelara seinen Todesstoß erlebt, feuert der Konzern die Gewinnmaschine mit neuen Krebsmedikamenten an. CEO Duato hebt die Prognosen – das Geschäft mit der Not funktioniert.

Johnson & Johnson zündet die Krebs-Gewinnmaschine
Der Verlust des Patents für Stelara bringt J&J nicht aus der Ruhe. Neue Krebs-Präparate sorgen für brachiale Wachstumsraten im 2. Quartal.

Das Geschäft mit der menschlichen Not kennt keine Pausen. Wer im globalen Pharmakartell überleben will, muss nicht heilen, er muss profitabel behandeln. Johnson & Johnson liefert dafür aktuell das Lehrstück schlechthin. Der Konzern hat im zweiten Quartal eiskalt bewiesen, dass der Verlust eines einstigen Goldesels keine einzige Träne wert ist, solange die nächsten Profiteure bereits auf dem OP-Tisch liegen.

Es ist ein erbarmungsloser Strukturwandel im Portfolio, der da in New Brunswick vollzogen wird. Die einen Medikamente fallen vom Baum der Erkenntnis, andere werden dafür umso gieriger abgeerntet. Solange die Margen stimmen, ist für den Konzern jede Diagnose nur ein weiterer Eintrag in der Gewinn- und Verlustrechnung. Das zweite Quartal hat diesen Zynismus auf äußerst profitable Weise bestätigt.

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Der Verfall des Psoriasis-Medikaments Stelara hinterlässt spürbare Bisse in der Bilanz

Stelara war ein Jahrhundertwurf. Ein Medikament gegen Schuppenflechte, das über Jahre hinweg die Kassen des Konzerns füllte, als gäbe es kein Morgen. Doch in der Pharmaindustrie ticken Patente wie Sprengsätze. Wenn der Schutz ausläuft, kommen die Generika-Hersteller wie Geier über der Wüste angeflogen. Genau das passiert jetzt Stelara. Die Verkäufe schrumpfen, der einst so pralle Geldsegen versiegt zusehends.

Für normale Unternehmen ein Grund zur Panik. Der Verlust des Blockbusters hätte das Fundament des Geschäfts erschüttern müssen. Doch bei J&J ist Stelara nicht mehr als ein operativer Kratzer. Ein ums andere Mal wird hier deutlich: Ein Medikament ist für den Hersteller nur so gut wie sein Patentschutz. Ist der weg, stirbt das Produkt den Würgetod des Wettbewerbs. Die Patienten mögen weiterhin leiden, aber für die Aktionäre zählt nur die exklusive Preismacht. Und die ist bei Stelara Geschichte.

Neue Krebspräparate und Entzündungshemmer kompensieren den Ausfall mit brachialer Gewalt

Das Sterben von Stelara ist glücklicherweise nur ein Ablenkungsmanöver. Im Hintergrund hat J&J längst die nächsten Goldgräber in Stellung gebracht. Der Konzern hat bitter nötig erkannt, dass die wahre Preismacht nicht bei unangenehmen, aber selten tödlichen Hautkrankheiten liegt. Die wahre Macht liegt dort, wo es um Leben und Tod geht.

Krebsmedikamente sind der unangefochtene Gipfel der Profitabilität. Wer an einem Tumor erkrankt, fragt nicht nach dem Preis. Er zahlt. Oder die Krankenkasse zahlt. Die neuen Onkologie-Präparate von J&J schießen die Umsatzziele derzeit mit brachialer Gewalt aus den Angeln. Zusammen mit ebenso hochpreisigen Arzneien gegen schwere Entzündungskrankheiten formen sie den eisernen Schild, der den Stelara-Einbruch mühelos abfängt.

Es ist ein zynischer, aber höchst effektiver Tanz auf der Nadel der Medizin. Die chronische Krankheit weicht der tödlichen Diagnose, und mit der tödlichen Diagnose explodieren die Margen. Das Geschäft mit der Verzweiflung hat einen extrem verlässlichen Cashflow. Solange die Alternativen fehlen, diktiert J&J die Preise für die neuen Wunderwaffen völlig nach Belieben.

Konzernchef Joaquin Duato nutzt die ausweglose Situation der Patienten für eine arrogante Prognoseanhebung

Wenn das Geschäftsmodell derart reibungslos greift, darf die Arroganz an der Spitze nicht fehlen. Konzernchef Joaquin Duato sprach angesichts der Zahlen von einem starken Jahresviertel. Eine bemerkenswerte Untertreibung für die Tatsache, dass sein Konzern die existenzielle Not von Patienten in fette Renditen ummünzt. Und weil es so wunderbar läuft, darf die Gier nicht zu kurz kommen. Duato hob die Prognosen für das Gesamtjahr an.

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Allerdings ist die Anhebung der Umsatzerwartung ein groteskes Schauspiel der Hybris. Von bis zu 101,3 Milliarden Dollar geht der Blick nun gen bis zu 101,4 Milliarden Dollar. Eine angepeilte Erlössteigerung von mickrigen 100 Millionen Dollar auf einer Basis von über 100 Milliarden ist keine strategische Neuausrichtung. Es ist der hochgezogene Mittelfinger an die Konkurrenz. Ein Zeichen absoluter Kontrolle. Wir machen, was wir wollen, und sei es nur, um die Analysten zu reizen.

Etwas substantieller fällt die Anpassung beim Gewinn aus. Statt 11,45 bis 11,65 Dollar je Aktie sollen es nun 11,60 bis 11,75 Dollar sein. Die Margen expansiv auszubauen, während eine alte Säule wegbricht, erfordert eiskaltes Kalkül. J&J hat die Preise für die neuen Präparate offenbar derart in die Stratosphäre getrieben, dass jede verkaufte Dosis den Gewinn pro Aktie spürbar nach oben schießen lässt.

Der Pharmamarkt ist ein Schlachtfeld, und Johnson & Johnson hat die blutigsten Waffen. Wer heilt, macht sich austauschbar. Wer das Überleben verkauft, sitzt am Hebel der Macht. Solange der Mensch krankt und verzweifelt, wird J&J seine Dividende sichern. Der Tod ist das beste Geschäftsmodell – solange man ihn nur teuer genug hinauszögert.