Schneider Electric hebt seine Jahresprognose bereits zum wiederholten Mal an
Der französische Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric hat am Donnerstag erneut demonstriert, wie sehr der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren die eigene Geschäftsentwicklung antreibt. Der direkte Rivale des deutschen Technologieriesen Siemens hob seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 zum wiederholten Mal an, diesmal deutlich. Beim Umsatz peilt der Konzern nun ein organisches Wachstum von 10 bis 13 Prozent an, statt der bislang in Aussicht gestellten bis zu 10 Prozent. Beim bereinigten operativen Ergebnis Ebita fällt die Anhebung noch kräftiger aus, von zuvor 10 bis 15 Prozent auf jetzt 14 bis 19 Prozent, an beiden Enden der Spanne ein Plus von jeweils vier Prozentpunkten.
Es ist bereits die jüngste in einer ganzen Reihe von Prognosekorrekturen, mit denen Schneider Electric im laufenden Jahr auf den anhaltenden Rechenzentren-Boom reagiert hat. Kaum ein anderer europäischer Industriekonzern hat seine Jahresziele 2026 so häufig nach oben angepasst wie die Franzosen aus Rueil-Malmaison.
Der KI-Rechenzentren-Boom entpuppt sich als wichtigster Wachstumstreiber
Finanzvorstand Nathan Fast machte deutlich, worauf der Erfolg zurückzuführen ist. Man habe ein Rekord-Halbjahr abgeliefert, getragen vom Wachstum bei Rechenzentren, so Fast, betonte zugleich aber, dass sich das Wachstum keineswegs auf ein einzelnes Segment beschränke. Sämtliche Regionen sowie alle vier Endmärkte des Konzerns hätten zur positiven Entwicklung beigetragen.

Der Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz füllt damit nicht nur die Kassen der Chiphersteller, sondern strahlt längst auf die gesamte Zulieferkette aus. Schneider Electric ist als weltweit führender Anbieter im Bereich Energiemanagement und Automatisierung genau an jener Schnittstelle positioniert, an der Rechenzentren ihre gewaltigen Strommengen zuverlässig verwalten und kühlen müssen, ein Geschäft, das im Zuge des KI-Wettrüstens der vergangenen Jahre praktisch explodiert ist.
Die Zahlen im Detail übertreffen selbst die optimistischsten Analystenschätzungen
Ein Blick auf die konkreten Halbjahreszahlen zeigt, wie deutlich Schneider Electric die Erwartungen der Wall Street und der europäischen Analystenhäuser tatsächlich übertraf. Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr auf rund 21,2 Milliarden Euro, ein Plus von 9,8 Prozent auf ausgewiesener Basis, bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte sogar um 14 Prozent. Besonders das zweite Quartal stach hervor, hier legten die Erlöse organisch um 16,5 Prozent zu und übertrafen den Analystenkonsens deutlich.
Noch eindrucksvoller fiel die Entwicklung beim bereinigten operativen Ergebnis aus. Das Ebita stieg im ersten Halbjahr um bereinigt 22 Prozent auf 4,09 Milliarden Euro und übertraf damit die durchschnittliche Analystenschätzung von 3,8 Milliarden Euro deutlich. Eine derartige Diskrepanz zwischen Erwartung und tatsächlichem Ergebnis ist selbst bei einem in den vergangenen Quartalen ohnehin stark performenden Konzern bemerkenswert.
Nordamerika bleibt das Zentrum doch Südostasien holt auf
Geografisch konzentriert sich das Geschäft mit dem Bau und der Ausrüstung von Rechenzentren bei Schneider Electric nach wie vor stark auf Nordamerika, wo die größten Hyperscaler und KI-Infrastrukturprojekte der Welt angesiedelt sind. Doch auch andere Weltregionen holen spürbar auf. Insbesondere aus Südostasien ziehe die Nachfrage inzwischen deutlich an, berichtete Finanzchef Fast, ein Signal dafür, dass sich der globale Rechenzentren-Boom nicht länger allein auf die USA beschränkt, sondern zunehmend breiter über den gesamten asiatisch-pazifischen Raum ausrollt.
Diese geografische Diversifizierung dürfte für den Konzern mittelfristig ein wichtiger Stabilitätsfaktor sein, sollte sich das Wachstumstempo in Nordamerika irgendwann normalisieren.

Die Börse reagiert mit einem der stärksten Kurssprünge des Jahres
Anleger reagierten auf die überraschend starke Prognoseanhebung mit einem deutlichen Kaufrausch. Die Schneider-Electric-Aktie zog zuletzt um 6,9 Prozent auf 274,50 Euro an, einer der stärksten Tagesgewinne des Konzerns im laufenden Jahr. Seit Jahresbeginn steht die Aktie damit bereits mit einem Plus von mehr als 15 Prozent da, in einem Marktumfeld, das insgesamt von geopolitischen Krisen und steigenden Zinsen geprägt ist, ein Kontext, der die relative Stärke des Konzerns umso deutlicher unterstreicht.
Analysten sehen trotz der Anhebung noch Luft nach oben
Aus den Analystenhäusern kamen überwiegend anerkennende Reaktionen. Phil Buller von JPMorgan verwies auf die außergewöhnlich starke Margenentwicklung im zweiten Quartal, die über den Erwartungen gelegen habe, sowie auf ein breit abgestütztes Wachstum über sämtliche Geschäftsbereiche hinweg, mit einer sogar dreistelligen Wachstumsdynamik im Rechenzentren-Segment selbst. Die Anhebung der Jahresprognose liege deutlich über den bisherigen Markterwartungen, so Buller.
Auch Mark Fielding von der kanadischen Bank RBC zeigte sich beeindruckt vom organischen Wachstum, das über den eigenen Prognosen gelegen habe. Nach seiner Einschätzung impliziert die neue Jahresprognose am oberen Ende der Spanne sogar eine mögliche weitere Anhebung des Analystenkonsenses um bis zu fünf Prozent. Da die Guidance bereits eine erwartete Wachstumsverlangsamung im zweiten Halbjahr einpreise, wirkten die neuen Ziele insgesamt nicht übermäßig aggressiv, ergänzte Fielding, eine Einschätzung, die durchaus noch weiteres Aufwärtspotenzial für die Aktie andeutet, sollte sich der Rechenzentren-Boom in den kommenden Monaten als ebenso hartnäckig erweisen wie bisher.