31. Juli, 2026

Quartalszahlen

BAE Systems reitet die Aufrüstungswelle und hebt die Ziele erneut an

Der Rüstungskonzern verdoppelt praktisch seinen Auftragsbestand seit dem russischen Überfall auf die Ukraine. Konzernchef Woodburn spricht von einer neuen Ära der Verteidigungsausgaben.

BAE Systems reitet die Aufrüstungswelle und hebt die Ziele erneut an
BAE Systems hebt dank starker Nachfrage die Jahresprognose an, der Auftragsbestand erreicht ein Rekordhoch von 84 Milliarden Pfund.

BAE Systems übertrifft die eigenen Erwartungen bereits zum wiederholten Mal

Der britische Rüstungskonzern BAE Systems zeigt sich von der weltweit steigenden Nachfrage nach Waffensystemen unbeeindruckt in seinem Wachstumstempo, im Gegenteil, das Unternehmen legt sogar noch eine Schippe drauf. Nach einem unerwartet starken ersten Halbjahr hob das Management seine Jahresziele erneut an. Der bereinigte operative Gewinn soll 2026 nun um 10 bis 12 Prozent steigen, statt der zuvor in Aussicht gestellten 9 bis 11 Prozent. Auch beim Umsatz rechnet BAE Systems jetzt mit einem stärkeren Zuwachs von 8 bis 10 Prozent, verglichen mit der bisherigen Spanne von 7 bis 9 Prozent.

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Die tatsächlichen Halbjahreszahlen liefern die Grundlage für diesen Optimismus. Der währungsbereinigte Umsatz kletterte um 9 Prozent auf 15,8 Milliarden Pfund, der bereinigte operative Gewinn stieg um 11 Prozent auf 1,7 Milliarden Pfund und übertraf damit die Analystenerwartungen deutlich. Das bereinigte Ergebnis je Aktie legte sogar um 13 Prozent auf 38,9 Pence zu.

Der Auftragsbestand hat sich seit dem Ukraine-Krieg nahezu verdoppelt

Der eigentliche Grund für die Zuversicht des Managements liegt allerdings weniger in den vergangenen sechs Monaten als in der schieren Größe der Auftragspipeline. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 hat sich der Auftragsbestand von BAE Systems fast verdoppelt und erreicht inzwischen einen Rekordwert von 84 Milliarden Pfund, ein Polster von fast drei Jahresumsätzen. Allein im ersten Halbjahr 2026 sammelte der Konzern neue Aufträge im Volumen von 16,4 Milliarden Pfund ein, verteilt über sämtliche Geschäftsbereiche.

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Getrieben wird diese Entwicklung von den steigenden Verteidigungsausgaben der Kunden in der Nato sowie im Nahen Osten, angesichts der andauernden Kriege in der Ukraine und im Iran. Bereits im vergangenen Jahr hatte BAE Systems neue Aufträge im Volumen von 36,8 Milliarden Pfund verbucht, bei einem Jahresumsatz von 30,7 Milliarden Pfund und einem operativen Ergebnis von 3,3 Milliarden Pfund, ein Wachstum von jeweils zweistelligen Prozentsätzen.

Konzernchef Woodburn spricht von einer neuen Ära der Verteidigungsausgaben

CEO Charles Woodburn ordnete die Entwicklung zuletzt in einen größeren historischen Kontext ein. Der Krieg in der Ukraine habe mehr als ein Jahrzehnt an technologischer Entwicklung im Verteidigungsbereich binnen weniger Jahre vorangetrieben, so Woodburn, und verwies dabei auf Fortschritte bei Plattformen wie dem Kampffahrzeug CV90, dem Kampfjet Typhoon sowie bei neuen Fähigkeiten im Bereich Drohnen und Anti-Drohnen-Systeme.

Auch politisch erhält die Branche Rückenwind. Großbritannien hat die größte Erhöhung seiner Verteidigungsausgaben seit dem Zweiten Weltkrieg zugesagt, und Premierminister Keir Starmer signalisierte zuletzt, das eigentlich für das Ende der laufenden Legislaturperiode 2029 gesetzte Ziel von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung könnte sogar vorgezogen werden. Woodburn erklärte, die Branche sei bereit, eine höhere Nachfrage zu bedienen, sofern die Politik einen klaren und verlässlichen Ausblick liefere.

Der Cashflow dreht dank hoher Kundenvorauszahlungen ins Plus

Neben den operativen Kennzahlen überzeugte vor allem die Entwicklung des freien Cashflows. Nach einem Abfluss von 368 Millionen Pfund im Vorjahreszeitraum verzeichnete BAE Systems im ersten Halbjahr 2026 einen Zufluss von 1,79 Milliarden Pfund, ein Umschwung, der vor allem auf hohe Vorauszahlungen von Kunden zurückzuführen ist, ein Indiz dafür, wie dringend Regierungen weltweit auf schnelle Auslieferung von Rüstungsgütern drängen.

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Vor diesem Hintergrund erhöhte der Konzern auch seine mehrjährige Cashflow-Prognose. Für den Zeitraum 2024 bis 2026 stellt BAE Systems nun einen freien Cashflow von über 6,0 Milliarden Pfund in Aussicht, mehr als die zuvor kommunizierte Untergrenze von 5,5 Milliarden Pfund. Auch für die Jahre bis 2028 bekräftigte das Management seine Erwartung von mindestens 6,0 Milliarden Pfund an freien Mitteln.

Ein tödlicher Unfall wirft zuletzt einen Schatten auf die operative Stärke

Nicht alle Nachrichten rund um BAE Systems fielen in den vergangenen Monaten positiv aus. Im Mai kam ein Mitarbeiter auf der Werft in Jacksonville bei Wartungsarbeiten an einem Schwerlasttransporter für Marineschiffe ums Leben, eine Anlage, die als zentraler Knotenpunkt für Reparaturen der US-Marine gilt. Die Untersuchung zur Unfallursache läuft weiterhin. Der Vorfall belastete die Aktie zeitweise spürbar, binnen 30 Tagen verlor das Papier rund 15,5 Prozent, ein deutliches Beispiel dafür, wie operative und sicherheitsbezogene Rückschläge selbst bei ansonsten blendenden Geschäftszahlen kurzfristig auf die Stimmung drücken können.

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Operativ ließ sich der Konzern davon jedoch kaum bremsen. Parallel zu den laufenden Programmen sicherte sich BAE Systems zuletzt weitere Großaufträge, darunter einen milliardenschweren Vertrag für die Eurofighter-Flotte der Türkei, der sowohl die Stationierung aktueller Jets als auch geplante Lieferungen der nächsten Generation ab Anfang des kommenden Jahrzehnts umfasst. Zusätzlich baut der Konzern seine Präsenz im US-Bundesstaat New York aus, im Ort Endicott entsteht ein neues Werk für Hochspannungs-Energiespeichersysteme, ein Zeichen dafür, dass BAE Systems sein Portfolio gezielt auch in Richtung Elektrifizierung militärischer Systeme diversifiziert.

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Die Aktie hat sich seit 2022 bereits mehr als verdreifacht

Wer die Entwicklung der BAE-Aktie seit dem russischen Überfall auf die Ukraine verfolgt hat, blickt auf eine der eindrucksvollsten Kursrallys der europäischen Industrie überhaupt. Seit 2022 hat sich der Kurs mehr als verdreifacht, allein seit Jahresbeginn 2026 stand zuletzt ein Plus von rund 18 Prozent zu Buche, was den Konzern auf eine Marktkapitalisierung von rund 60 Milliarden Pfund hievt.

Für Anleger rückt angesichts dieser Entwicklung zunehmend weniger das Schlagwort Geopolitik in den Mittelpunkt, sondern die schlichte Frage der Kapitalallokation, ob BAE Systems seinen gewaltigen und weiter wachsenden Auftragsbestand tatsächlich dauerhaft in ebenso stabile wie profitable Umsätze verwandeln kann, ein Test, den der Konzern mit den aktuellen Zahlen zumindest für das laufende Jahr erneut bestanden hat.