Der Hype um künstliche Intelligenz ist für die meisten ein technologischer Traum, für den Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB jedoch ein dröhnender Gelddruck. Der Boom beim Bau von Rechenzentren hat das Unternehmen in eine Sphäre katapultiert, die selbst den optimistischsten Managern den Atem raubt.
Ein Auftragseingang von 12,04 Milliarden Dollar im zweiten Quartal 2026 ist kein organisches Wachstum mehr. Das ist ein Beben von epischen Ausmaßen. Die Welt rüstet auf, und ABB liefert die Munition. Der globale Bauwahn von Serverfarmen ist ein sich selbst erfüllendes Prophezeiungsspiel: Je mehr KI-Modelle trainiert werden, desto mehr Strom wird gebraucht. Je mehr Strom fließen soll, desto mehr ABB-Technik wird benötigt. Ein Teufelskreis der Profitabilität.

Die Nachfrage ist derart gewaltig, dass selbst die Geschäftsführung in Zürich vermutlich leise lachen muss, wenn sie die Quartalszahlen überfliegt. Während andere Industriezweige um jedes Prozentchen kämpfen, wird ABB von der digitalen Revolution förmlich durch die Hintertür in die Gewinnzone getragen. Die KI mag vielleicht die Menschheit verändern, aber zuerst einmal macht sie die Aktionäre von ABB schamlos reich.
Die unstillbare Gier nach künstlicher Intelligenz treibt den Auftragseingang in absurde Höhen
Wenn es um das pure Stromgeschäft geht, hinterlässt ABB derzeit einen Trümmerhaufen bei der Konkurrenz. Die Sparte Elektrifizierung, das unangefochtene Herzstück des Konzerns, schießt die Vögel vom Himmel. Ein Auftragseingangssprung von 60 Prozent in diesem wichtigsten Geschäftsbereich ist eine Zahl, die selbst in boomenden Branchen als halluzinatorisch gelten dürfte.
Das ist kein Wachstum mehr, das ist ein Putsch. Der gigantische Bedarf an Strominfrastruktur für die Monster-Rechenzentren – von der Starkstromleitung bis zum smarten Schaltschrank – lässt die Kassen von ABB überlaufen. Der Erzrivale Siemens darf von der Seitenlinie aus zuschauen, wie der Schweizer Mitbewerber sich die fettesten Stücke vom Kuchen schnappt.
Die Nachfrage nach Elektrifizierung ist aktuell so prall, dass ABB die Preise diktieren kann. Wer ein Rechenzentrum bauen will und nicht auf ABB-Komponenten setzt, steht im Regen. Diese Preismacht, kombiniert mit schieren Absatzmengen, ist der Traum jedes Managers und der Alptraum jedes Einkäufers. Die Sparte Elektrifizierung operiert auf einem Level der Unantastbarkeit.

Enttäuschte Analysten und der Krieg im Nahen Osten verdunkeln den Silberstreif am Horizont
Doch wo viel Licht ist, werfen die Serverfarmen auch gewaltige Schatten. Ein Nettogewinn von 1,23 Milliarden Dollar bedeutet immerhin ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Summe, für die andere Konzerne ihre Seele verkaufen würden. Doch der Finanzmarkt ist ein undankbarer Herrscher.
Analysten hatten sich in ihrer selbstgebauten Euphorie einen Gewinn von 1,32 Milliarden Dollar ausgerechnet. Dass ABB diese künstlich aufgeblähten Erwartungen verfehlt, sorgt für morbide Stimmungsschwankungen im Handelssaal. Wie tragisch muss ein Konzernleben sein, wenn 1,23 Milliarden Dollar Reingewinn als Enttäuschung gelten. Die operative Marge kletterte immerhin von 19,3 auf 20,2 Prozent und lag damit sogar über den Prognosen der Experten. Ein glasklarer Beweis dafür, dass ABB die Kosten im Griff hat und die Skaleneffekte erbarmungslos greifen.
Trotz der glänzenden Zahlen weigert sich ABB, die rosarote Brille aufzubehalten. Der Krieg im Nahen Osten wirft seine dunklen Schatten auf die weltweite Konjunktur. Die Unsicherheit ist das ständige Gift in diesem sonst so goldenen Business. Dennoch hält der Konzern stur an der Prognose für das Gesamtjahr fest. 2026 soll das vergleichbare Umsatzwachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich landen. Die operative Marge soll weiter wachsen, und das sogar ohne die Krücke der angekündigten Immobilienerlöse. ABB hat beschlossen, den Kopf oben zu lassen, selbst wenn die geopolitischen Wölfe heulen.
Die Welt mag in Flammen stehen, die Algorithmen fordern ihren Tribut. Solange Serverfarmen aus dem Boden gestampft werden, als gäbe es kein Morgen, wird ABB den Schalter für den Geldstrom umlegen. Wer den Strom kontrolliert, kontrolliert das KI-Zeitalter – und kassiert dafür fürstlich ab.

