26. Juli, 2026

Quartalszahlen

Salzgitter überrascht mit Ergebniswende und schraubt Jahresziele deutlich nach oben

Der Stahlkonzern verwandelt einen Vorjahresverlust von 84 Millionen Euro in einen Vorsteuergewinn von 258 Millionen Euro. Die Aktie springt um bis zu 5 Prozent nach oben.

Salzgitter überrascht mit Ergebniswende und schraubt Jahresziele deutlich nach oben
Salzgitter verwandelt einen Vorjahresverlust in 258 Millionen Euro Gewinn und hebt seine Jahresziele deutlich an.

Aus einem Verlust wird binnen Jahresfrist ein deutlicher Gewinn

Der Stahlhersteller Salzgitter hat am Freitag vorläufige Zahlen präsentiert, die selbst optimistische Beobachter überrascht haben dürften. Beim Vorsteuerergebnis gelang dem MDax-Konzern eine regelrechte Kehrtwende, aus einem Verlust von 84 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum wurde im ersten Halbjahr 2026 ein Gewinn von 258 Millionen Euro. Noch deutlicher fiel der Sprung beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus, das Ebitda kletterte von 117 auf 459 Millionen Euro, mehr als eine Vervierfachung.

Bemerkenswert an dieser Entwicklung ist, dass sie nicht etwa durch einen Umsatzschub getragen wurde. Der Außenumsatz blieb mit 4,6 Milliarden Euro sogar leicht unter dem Vorjahreswert von 4,7 Milliarden Euro. Salzgitter hat also nicht mehr verkauft, sondern deutlich profitabler gewirtschaftet, ein Signal, dass die operative Wende tiefer sitzt als ein reiner Konjunktureffekt.

Die Beteiligung an Aurubis liefert den größten Einzelbeitrag zur Ergebniswende

Ein wesentlicher Treiber dieser Verbesserung liegt außerhalb des eigentlichen Stahlgeschäfts. Die nach der Equity-Methode bilanzierte Beteiligung an dem Kupferkonzern Aurubis steuerte im ersten Halbjahr 193 Millionen Euro zum Ergebnis bei, nach lediglich 72 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Damit stammt ein erheblicher Teil des gesamten Vorsteuergewinns von 258 Millionen Euro allein aus dieser strategischen Beteiligung.

Doch auch abseits von Aurubis lief das operative Geschäft rund. Nach Angaben des Konzerns verbesserten sich vor allem die Geschäftsbereiche Stahlerzeugung und Handel erheblich gegenüber dem Vorjahr, auch die Sparte Technologie leistete einen spürbaren Beitrag zur insgesamt deutlich verbesserten Ergebnislage.

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Der Vorstand hebt gleich mehrere Jahresziele in einem Rutsch an

Angesichts dieser starken Halbjahresentwicklung sah sich der Vorstand veranlasst, die Prognose für das Gesamtjahr 2026 an mehreren Stellen gleichzeitig anzuheben. Beim Umsatz rechnet Salzgitter nun mit rund 10,0 Milliarden Euro, eine halbe Milliarde Euro mehr als die zuvor kommunizierten 9,5 Milliarden Euro. Beim bereinigten Ebitda wanderte die Zielspanne von zuvor 625 bis 725 Millionen Euro auf nun 725 bis 825 Millionen Euro, in beiden Fällen ein Plus von jeweils 100 Millionen Euro.

Noch deutlicher fällt die Anhebung beim Vorsteuergewinn aus. Statt der bisher erwarteten 200 bis 300 Millionen Euro visiert Salzgitter nun eine Spanne von 325 bis 425 Millionen Euro an. Auch die Kapitalrendite ROCE soll nach den neuen Zielen leicht über dem Vorjahresniveau liegen. Eine derart breite und gleichzeitige Anhebung mehrerer zentraler Ergebniskennzahlen ist selbst für zyklische Industriekonzerne ungewöhnlich und unterstreicht, wie deutlich sich das Geschäft im ersten Halbjahr tatsächlich verbessert hat.

Die Komplettübernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann liefert zusätzlichen Rückenwind

Ein weiterer wichtiger Baustein der angehobenen Prognose ist die vollständige Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann, kurz HKM. Mit dem Abschluss dieser Transaktion ändert sich der Konsolidierungskreis des Konzerns, HKM wird künftig vollständig in die Salzgitter-Zahlen einbezogen, statt wie zuvor nur anteilig berücksichtigt zu werden.

Nach Einschätzung des Managements dürfte diese Vollkonsolidierung einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag zusätzlich zum Ebitda und zum Vorsteuergewinn beisteuern, während der Umsatz durch den Zukauf im mittleren dreistelligen Millionenbereich zulegen dürfte. Ein Teil der optimistischeren Jahresprognose ist also weniger operativer Natur, sondern schlicht eine Folge der veränderten Konzernstruktur, ein Aspekt, den Anleger bei der Einordnung der neuen Zielwerte im Hinterkopf behalten sollten.

Der Vorstand bleibt trotz aller Zuversicht bei den Rahmenbedingungen vorsichtig

So erfreulich die Zahlen ausfielen, komplett sorgenfrei blickt das Management nicht in die zweite Jahreshälfte. Der Konzern verweist ausdrücklich auf vielfältige geopolitische Unsicherheiten, die sowohl die Prognostizierbarkeit der weiteren konjunkturellen Entwicklung als auch die Bewertung börsennotierter Beteiligungen wie Aurubis einschränken. Insgesamt rechne man weiterhin nur mit einer moderaten Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, heißt es in der Mitteilung.

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Positive Impulse erwartet Salzgitter im weiteren Jahresverlauf dagegen von den EU-Handelsschutzmaßnahmen, also den Zöllen und Schutzmechanismen, mit denen die europäische Stahlindustrie vor billigeren Importen aus Drittstaaten abgeschirmt werden soll. Diese Maßnahmen dürften der heimischen Stahlproduktion in den kommenden Monaten zusätzlichen Rückenwind verschaffen, selbst wenn das grundsätzliche konjunkturelle Umfeld angespannt bleibt.

Die Börse reagiert mit einem der stärksten Kurssprünge des Jahres

Anleger reagierten auf die überraschend starken Zahlen und die angehobene Prognose prompt und deutlich. Die Salzgitter-Aktie zog im Xetra-Handel zeitweise um bis zu 5 Prozent an und notierte zuletzt rund 4,6 Prozent höher bei 55,75 Euro. Analysten hatten dem Konzern beim operativen Gewinn offenbar deutlich weniger zugetraut, als die vorläufigen Zahlen nun zeigten.

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Die vollständigen und detaillierten Halbjahreszahlen will Salzgitter am 11. August 2026 veröffentlichen. Bis dahin bleibt vor allem eine Frage im Raum stehen, ob sich die kräftige Ergebnisverbesserung des ersten Halbjahres auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt, oder ob ein Teil davon tatsächlich einmaligen Effekten wie dem gestiegenen Aurubis-Beitrag und der HKM-Konsolidierung geschuldet war.