31. Juli, 2026

Quartalszahlen

LSEG profitiert vom Kriegs-Chaos, doch die Börse straft den Rekord trotzdem ab

Der Londoner Börsenbetreiber verdient dank des Iran-Kriegs mehr als erwartet und hebt seine Jahresziele an. Die Aktie fällt trotzdem, während Aktivist Elliott im Nacken sitzt.

LSEG profitiert vom Kriegs-Chaos, doch die Börse straft den Rekord trotzdem ab
LSEG profitiert vom Iran-Krieg und hebt die Jahresprognose an, die Aktie fällt trotzdem wegen KI-Sorgen.

Ein Rekordhalbjahr macht LSEG selbstbewusster für das Gesamtjahr

Der britische Börsenbetreiber und Datenanbieter London Stock Exchange Group hat am Donnerstag Zahlen präsentiert, die selbst für die eigenen Verhältnisse außergewöhnlich ausfielen. Das bereinigte Ebitda kletterte im ersten Halbjahr um 13,7 Prozent auf 2,53 Milliarden britische Pfund, während sich die bereinigte Ebitda-Marge von 49,5 auf 52,7 Prozent verbesserte. Der bereinigte operative Gewinn legte um 16,3 Prozent auf 2,0 Milliarden Pfund zu, der Umsatz stieg um 8,4 Prozent.

„Wir haben ein Rekordhalbjahr abgeliefert und damit erneut bewiesen, dass wir in jedem Marktumfeld wachsen und Wert schaffen können“, resümierte Konzernchef David Schwimmer. Angesichts dieser starken Entwicklung hob LSEG seine Jahresprognose an, für 2026 rechnet der Konzern nun mit einem bereinigten Umsatzwachstum von 7,0 bis 7,5 Prozent, statt der bisherigen Spanne von 6,5 bis 7,5 Prozent. Die Ebitda-Marge soll um rund 100 Basispunkte steigen, mehr als die zuvor in Aussicht gestellten 80 bis 100 Basispunkte.

Der Iran-Krieg wird für den Börsenbetreiber zum unerwarteten Geschäftstreiber

Auslöser des starken Halbjahres war ausgerechnet ein geopolitischer Konflikt, der weite Teile der Weltwirtschaft belastet. Der seit fünf Monaten andauernde Krieg zwischen den USA und dem Iran sorgte für eine hohe Volatilität an den globalen Finanzmärkten, die wiederum die Handelsaktivität über sämtliche Anlageklassen hinweg spürbar ankurbelte, ein klassischer Effekt, von dem Börsenbetreiber und Datenanbieter in Krisenzeiten typischerweise profitieren, während andere Branchen leiden.

Schwimmer selbst hat sein Unternehmen wiederholt als „wetterfestes“ Geschäftsmodell beschrieben, das gerade in turbulenten Phasen von höheren Handelsvolumina und einer starken Nachfrage nach verlässlichen Marktdaten profitiere. Das aktuelle Halbjahr liefert dafür einen weiteren Beleg, ein Muster, das sich bereits in früheren Krisenperioden gezeigt hatte.

VID – Verbraucherschutz Institut Deutschland
Unabhängige Prüfung und Zertifizierung von Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen nach DVN-Normen.

Sämtliche Geschäftsbereiche liefern eine breit abgestützte Wachstumsstory

Besonders bemerkenswert an den Zahlen ist die Breite des Wachstums über nahezu alle Konzernsparten hinweg. Das Handelsgeschäft Markets, das rund 40 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht, legte um 12 Prozent zu. Auch die klassischen Abonnementgeschäfte entwickelten sich robust, mit einem beschleunigten Wachstum von 6,3 Prozent insgesamt. Der Datenbereich Data & Analytics wuchs um 5,1 Prozent, während die Indexsparte FTSE Russell sowie das Segment Risk Intelligence jeweils zwischen 9 und 10 Prozent zulegten.

Für die Jahre 2027 bis 2029 gab LSEG zudem erstmals eine mittelfristige Guidance bekannt, ein organisches Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich bei beschleunigtem Wachstum der Abonnementgeschäfte, eine kumulierte Verbesserung der Ebitda-Marge um rund 150 Basispunkte sowie ein zweistelliges jährliches Wachstum des freien Cashflows je Aktie.

Die Börse reagiert überraschend kühl trotz angehobener Prognose

Trotz der starken Zahlen und der angehobenen Prognose reagierten Anleger zurückhaltend bis negativ. Die LSEG-Aktie gab im vorbörslichen Handel um 3,35 Prozent nach, ein Umstand, der zeigt, wie sehr sich der Fokus der Investoren inzwischen von den kurzfristigen Fundamentaldaten auf die langfristige Frage der KI-Monetarisierung verschoben hat.

Schwimmer griff diese Sorge direkt auf und erklärte, das mit Abstand größte Thema sei derzeit die Wahrnehmung der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz im Vergleich zur tatsächlichen Realität. „KI hat den Wert von LSEG erhöht“, so Schwimmer knapp. Das Management betonte, die Priorität für 2026 liege auf der Nutzung und Verbreitung der eigenen KI-Werkzeuge, weniger auf der unmittelbaren Monetarisierung, entsprechend gering falle der erwartete Umsatzbeitrag im laufenden Jahr aus. Immerhin, das im Juli für Workspace-Kunden freigeschaltete KI-Suchwerkzeug erreichte bereits rund 17.000 aktive Nutzer.

AlleAktien Kritik 2026 — #1 Verbraucherschutz für Finanzen
Unabhängiger Verbraucherschutz für Finanz- und Versicherungsfragen. Analysen, Bewertungen & Warnungen.

Der aktivistische Investor Elliott sitzt im Nacken des Managements

Die Zahlen fallen zudem in eine Phase, in der sich LSEG mit dem Druck des aktivistischen Investors Elliott Management auseinandersetzen muss, der eine bedeutende Beteiligung am Konzern aufgebaut hat. Auslöser für den Einstieg des Hedgefonds war unter anderem, dass die LSEG-Aktie nach einer starken Rally 2024 auf ein Dreijahrestief gefallen war, nachdem Investoren im Zuge der Veröffentlichung eines auf die Finanzbranche zugeschnittenen KI-Sprachmodells verunsichert reagiert hatten.

Als Reaktion auf den Druck hatte Schwimmer bereits im Februar ein Aktienrückkaufprogramm über 3 Milliarden Pfund angekündigt, das Elliott zwar als positiven ersten Schritt begrüßte, gleichzeitig aber signalisierte, weiteres wertsteigerndes Potenzial zu sehen. Die aktuellen Rekordzahlen dürften dem Management zumindest kurzfristig zusätzliche Argumente gegenüber dem Investor liefern.

KapitalHorizont
Thoughts, stories and ideas.

Ein neuer Nachthandel und die KI-Strategie sollen die Story für die Zukunft absichern

Für die zweite Jahreshälfte erwartet LSEG allerdings einen leichten Rückschritt bei der Marge, Finanzchef Michel-Alain Proch rechnet mit einem Rückgang von rund 50 Basispunkten im Jahresvergleich, größtenteils bedingt durch eine zeitliche Verschiebung bei der Vereinbarung zum Zinsclearing-Geschäft SwapClear, ergänzt um rund 25 Millionen Pfund an einmaligen Kosten zur Beschleunigung der eigenen Transformationsagenda.

Strategisch setzt der Konzern zudem auf neue Wachstumsfelder, bereits diese Woche kündigte LSEG die Einführung von LSE 24 an, einer neuen Nachthandelsplattform, die in der ersten Jahreshälfte 2027 starten soll. Zwischen einem historisch starken operativen Halbjahr, ungeduldigen Investoren und der offenen Frage, wie stark Künstliche Intelligenz das eigene Geschäftsmodell langfristig verändert, steht LSEG damit an einem Scheideweg, an dem die reinen Zahlen offenbar längst nicht mehr die ganze Geschichte erzählen.