01. Juli, 2026

Quartalszahlen

Erste Umsatz-Rally seit vier Jahren: Macy's bricht den Fluch

Die starke Nachfrage wohlhabender Kunden nach Luxusgütern beschert der US-Kaufhauskette Macy's das erste Umsatzwachstum seit fast vier Jahren. Konzernchef Tony Spring treibt einen radikalen Umbau voran, der das Überleben des Traditionsunternehmens sichern und die Konkurrenz das Fürchten lehren soll.

Erste Umsatz-Rally seit vier Jahren: Macy's bricht den Fluch

Der unbarmherzige Fluch der 15 Quartale ist endlich gebrochen

Das US-amerikanische Einzelhandels-Imperium Macy's feiert eine historische Auferstehung an den internationalen Finanzmärkten. Nach fast vier Jahren des permanenten Niedergangs und schrumpfender Erlöse hat der traditionsreiche Kaufhauskonzern die brutale Abwärtsspirale im Frühjahr überraschend gestoppt. Das Management präsentierte am Mittwoch ein Zahlenwerk für das erste Quartal, das an der Wall Street für ungläubiges Staunen und eine massive Erleichterung unter den Investoren sorgte.

Im abgelaufenen Geschäftsviertel kletterten die Erlöse des Giganten um 1,8 Prozent auf insgesamt 4,68 Milliarden Dollar. Diese Trendwende gleicht einer Sensation, da die Umsätze zuvor 15 Quartale in Folge unaufhaltsam gefallen waren. Das Unternehmen pulverisierte damit die düsteren Prognosen der Analysten, die im Vorfeld mit einem weiteren Einbruch des operativen Geschäfts gerechnet hatten. Auch beim Ertrag lieferte das Kaufhaus-Schwergewicht eine handfeste Überraschung ab. Der bereinigte Gewinn je Aktie schoss auf 13 Cent nach oben, während der Konsens der Finanzwelt lediglich magere drei Cent erwartet hatte.

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Diese Zahlen signalisieren den Erfolg eines harten Sanierungskurses, der das verstaubte Image der Kaufhäuser radikal abschütteln soll. Die Investoren, die den Konzern angesichts des Siegeszugs des Online-Handels bereits auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit sahen, kehren nun an den Handelsplatz zurück. Die Trendwende kommt zur rechten Zeit, um das Vertrauen in die Überlebensfähigkeit des stationären Einzelhandels in den US-Metropolen fundamental zu stärken.

Wohlhabende Kunden erweisen sich in der Krise als absolut krisenfest

Der unerwartete Wachstumsschub ist jedoch kein Produkt eines breiten Konsumbooms in der amerikanischen Gesellschaft. Die Detailanalyse der Bilanzen offenbart vielmehr eine tiefgreifende Spaltung des US-Konsums, die sich im Sortiment von Macy's widerspiegelt. Während die breite Masse der Bevölkerung unter den Spätfolgen der Inflation leidet, konsumiert die Oberschicht ungebremst weiter. Das Kaufhaus profitiert direkt davon, dass es seine Zielgruppe in den vergangenen Monaten gezielt in Richtung einkommensstarker Haushalte verschoben hat.

„Die Kunden von Macy's, die überwiegend über mittlere bis hohe Einkommen verfügen, haben sich im ersten Quartal als widerstandsfähig erwiesen“, so der Konzernchef Tony Spring im Rahmen der Bilanzpressekonferenz.

Diese Widerstandsfähigkeit der betuchten Klientel rettet die Marge des Gesamtkonzerns. Während ärmere Haushalte jeden Dollar zweimal umdrehen müssen und Ausgaben für Bekleidung oder Dekoration drastisch streichen, bleibt die Kauflust im Premium-Segment ungebrochen. Diese Zweiklassengesellschaft im Konsumverhalten erweist sich für Macy's als der entscheidende Hebel, um sich von der allgemeinen konjunkturellen Abkühlung in den USA abzukoppeln.

Die Tochter Bloomingdales mutiert zum hochprofitablen Wachstumsmotor des Konzerns

Die wahre Goldgrube im Konzerngefüge befindet sich derzeit abseits der klassischen Macy's-Filialen. Das absolute Prunkstück der aktuellen Bilanz ist die Luxuskaufhauskette Bloomingdale's, die ebenfalls zum Imperium gehört. Hier schossen die flächenbereinigten Umsätze um spektakuläre 10,2 Prozent nach oben. Wohlhabende Amerikaner stürmen die Nobel-Filialen, um Geld für Designerkleidung, teure Handtaschen und exklusive Kosmetika auszugeben.

Dieser Boom im obersten Preissegment untermauert die strategische Neuausrichtung des Managements. Konzernchef Tony Spring treibt einen bereits im Jahr 2024 eingeleiteten, radikalen Umbau des Filialnetzes mit aller Härte voran. Die Strategie konzentriert sich kompromisslos auf teurere Marken und den konsequenten Verzicht auf Rabattschlachten. Das Ziel ist es, mehr Verkäufe zum vollen Preis zu realisieren, anstatt die Ware über billige Sonderangebote zu verramschen.

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Gleichzeitig investiert das Unternehmen massiv in die Modernisierung der gut laufenden Standorte, während unrentable Filialen in den Vorstädten rigoros und schmerzhaft geschlossen werden. Diese gesundschrumpfende Salamitaktik nimmt zwar kurzfristig Fläche aus dem Markt, reinigt aber die Kostenstruktur des Konzerns nachhaltig und stärkt die Profitabilität pro Quadratmeter.

Das Management verfällt nach dem Erfolg in einen optimistischen Prognose-Rausch

Die unerwartet starke Dynamik des ersten Quartals veranlasste die Konzernführung umgehend dazu, die Jahresprognose für das Gesamtjahr 2026 spürbar anzuheben. Das Management sendet damit ein klares Signal der Stärke an die Konkurrenz, die weiterhin mit stagnierenden Absätzen zu kämpfen hat. Macy's rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Nettoumsatz zwischen 21,50 und 21,75 Milliarden Dollar.

Auch die Erwartungen an den Gewinn wurden deutlich nach oben geschraubt. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll am Jahresende zwischen 2,00 und 2,20 Dollar liegen. In dieser neuen Prognose sind laut Unternehmensangaben nicht nur die starken Zahlen des ersten Quartals enthalten, sondern auch die Erwartung eines moderaten Umsatzplusses für den gesamten Rest des Jahres.

Das Vertrauen des Managements in die zweite Jahreshälfte zeigt, dass Spring den Turnaround für nachhaltig hält. Dennoch bleibt das Risiko einer abrupten Abkühlung des Luxusbooms das Damoklesschwert, das über der Aktie schwebt. Sollte die US-Notenbank die Zinsen länger hoch halten und den Arbeitsmarkt belasten, könnte auch die Kauflust der wohlhabenden Kundschaft Risse bekommen.

Am Ende triumphiert der pure Luxus über die Angst vor der Rezession

Der Befreiungsschlag von Macy's zeigt schmerzhaft, dass im modernen Einzelhandel der Erfolg nur noch über die Premium-Schiene führt. Wer versucht, die breite, kaufkraftschwache Masse zu bedienen, wird im Preiskampf mit Online-Discountern aufgerieben. Macy's hat den Sprung aus dieser Falle geschafft, indem es sich radikal den Reichen andient. Das Überleben des Imperiums ist vorerst gesichert, doch der Preis dafür ist ein Abschied vom klassischen Volkskaufhaus.