DWS knackt den Zuflussrekord und verfehlt trotzdem die Erwartungen
Von Juli bis September flossen den Fonds der Deutsche-Bank-Tochter netto 30,9 Milliarden Euro zu. Das ist der höchste Quartalswert der Unternehmensgeschichte, und er kam für den Markt überraschend. Die Aktie notierte an der Börse in Frankfurt dennoch zeitweise 1,58 Prozent im Minus bei 65,50 Euro.
Der Grund liegt in der Gewinnrechnung. Die Erträge stiegen um 4 Prozent auf 784 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn nur um 2 Prozent auf 325 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 230 Millionen Euro, ein Plus von 5 Prozent. Analysten hatten deutlich mehr erwartet.
Die Kosten wachsen schneller als die Erträge
Das Kosten-Ertrags-Verhältnis verschlechterte sich von 57,7 auf 58,6 Prozent. Rechnerisch liegen die Kosten bei gut 459 Millionen Euro, gegenüber 435 Millionen im Vorjahresquartal. Sie wuchsen damit um mehr als 5 Prozent und damit schneller als die Erträge.

Für die Jahresziele ist das ein Warnsignal. DWS will die Kostenquote 2026 auf 55 bis 57 Prozent drücken, in den ersten neun Monaten lag sie bei 57,7 Prozent. Bis 2027 soll sie sogar unter 55 Prozent sinken. Wer so viel Geld einsammelt und trotzdem effizienter werden will, muss die Kosten stärker bremsen als zuletzt.
Der Zufluss kommt aus dem Segment mit den dünnsten Margen
Die Quelle schlüsselt das Rekordvolumen nicht nach Produkten auf. Ein Blick auf das zweite Quartal zeigt aber das Muster: Dort stammten 12,9 von 24,8 Milliarden Euro Nettozuflüssen aus Cash-Produkten, also gut die Hälfte, und weitere 11,7 Milliarden aus passiven Fonds samt Xtrackers. Beide Bereiche bringen pro verwaltetem Euro nur kleine Gebühren.
Genau das beschäftigt die Analysten. Berenberg startete die Beobachtung der Aktie mit „Hold“ und verwies darauf, dass die Xtrackers-Zuflüsse die Profitabilität belasten. Jefferies stufte die Aktie im Sommer auf „Hold“ ab, mit einem Kursziel von nur 51 Euro. RBC bleibt bei „Outperform“ und 68 Euro und gewichtet die Rekordzuflüsse höher als den Margendruck.
Das Dilemma ist alt: Passive Produkte füllen die Bücher, aber sie füllen die Kasse langsamer, als sie das verwaltete Vermögen wachsen lassen. DWS lebt davon, dass die Menge den Preisverfall ausgleicht. Im dritten Quartal ist das nicht gelungen.
Die Erfolgsgebühren verschieben das Bild ins vierte Quartal
Die DWS-Spitze hatte ihre Aktionäre vorgewarnt. Erfolgsabhängige Erträge dürften vor allem im ersten und im vierten Quartal anfallen. Im ersten Quartal hatte tatsächlich eine große Erfolgsgebühr aus dem Infrastrukturgeschäft den Gewinn gestützt. Das dritte Quartal ist deshalb schwächer, weil ein Teil der Erträge schlicht noch aussteht.
Vorstandschef Stefan Hoops fühlt sich dadurch in seinem Ausblick bestärkt. Der Gewinn je Aktie soll 2026 um 10 bis 15 Prozent steigen, in den ersten neun Monaten waren es bereits 16 Prozent. Wer das Ziel erreichen will, hat noch ein Quartal, das die Zahlen liefern muss.
Die Altersvorsorge ist die große Wette für 2027
Hoops setzt auf Rückenwind aus der Politik. Das neue Altersvorsorgedepot soll am 1. Januar 2027 starten, und DWS sieht sich dafür besser aufgestellt als jeder andere Vermögensverwalter, mit eigener ETF-Plattform, breiter Produktpalette und dem Vertrieb der Deutschen Bank im Rücken. Bei einem um zwei Prozentpunkte höheren Rentenbeitrag könnten nach Hoops’ Rechnung jährlich rund 34 Milliarden Euro in den Kapitalmarkt fließen.

Das wäre ein Volumen, das den Zuflussrekord dieses Quartals jedes Jahr wiederholt. Ob DWS davon profitiert, hängt davon ab, was die Sparer wählen. Setzen sie auf billige Indexprodukte, wiederholt sich das Dilemma im größeren Maßstab.
Rekorde im Volumen helfen nur, wenn am Ende Geld hängen bleibt
DWS hat bewiesen, dass die Kunden dem Haus vertrauen. Jetzt muss der Konzern zeigen, dass Vertrauen auch Ertrag bringt. Ein Rekord bei den Zuflüssen ist wertvoll, aber er schützt nicht vor der Frage, warum aus 30,9 Milliarden Euro frischem Geld nur zwei Prozent mehr Gewinn werden.

