14. Oktober, 2026

Unternehmen

ASML wächst rasant und warnt vor Lieferengpässen

Europas wertvollster Konzern bekommt schon Bestellungen für 2029 und 2030. Die Kapazität reicht aber nicht, um alle Aufträge der nächsten zwei Jahre zu bedienen.

ASML wächst rasant und warnt vor Lieferengpässen
Die Kapazität reicht nicht für alle Aufträge 2027 und 2028, ASML prüft einen stärkeren Ausbau der EUV-Fertigung.

Aufträge bis zum Ende des Jahrzehnts

Der niederländische Chipausrüster ASML stellt sich auf anhaltendes Wachstum ein.

„Einige Kunden zeigen Interesse daran, bei uns Aufträge für 2029 und sogar 2030 zu platzieren“, sagte Vorstandschef Christophe Fouquet am Mittwoch.

Die Abnehmer würden ihre Prognosen für den kurz- und mittelfristigen Bedarf nach oben korrigieren. Treiber seien die Investitionen in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Nach Fouquets Worten verbessert sich die Auftragslage Quartal für Quartal.

Kapazität reicht nicht

Zugleich warnt der Konzern vor Lieferengpässen. Mit den heutigen Kapazitäten könne ASML nicht alle Bestellungen für 2027 und 2028 abarbeiten. Der Konzern prüft deshalb, die Fertigung der sogenannten Low-NA-EUV-Anlagen, des wichtigsten Umsatzbringers, 2028 stärker auszuweiten als geplant. Bisher waren in den kommenden zwei Jahren jeweils 30 Prozent mehr Produktion vorgesehen. Mit der Prüfung ist noch keine Entscheidung gefallen.

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Für Kunden heißt das: Wer Maschinen will, muss früh bestellen. Für ASML heißt es, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt, was die Preissetzung stützt. Ein Engpass bremst aber auch den Umsatz, wenn Aufträge nicht rechtzeitig ausgeliefert werden können.

Starkes drittes Quartal

Der Umsatz stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro. Der Gewinn verdoppelte sich auf rund fünf Milliarden Euro. Die Zahlen entsprachen in etwa den Erwartungen der Analysten. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Fouquet mit einem Umsatz von 44 bis 46 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch das deckt sich mit den Schätzungen.

Die Aktie legte in Amsterdam bis zum Mittag um rund ein Prozent auf 1.526 Euro zu. Die Analysten von Jefferies urteilten, die Auftragslage verbessere sich weiter. In den Tagen zuvor war der Kurs des wertvollsten europäischen Unternehmens stark gefallen, seit Jahresbeginn liegt er aber noch deutlich im Plus.

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Warum die Zahlen gerade jetzt beruhigen

Zu Wochenbeginn waren Chipaktien weltweit eingebrochen. Auslöser waren Aussagen von Broadcom-Chef Hock Tan, der vor zu hohen Erwartungen an KI und vor Finanzierungsproblemen beim Ausbau gewarnt hatte. ASML zeigt davon bisher nichts. Die Zahlen und der Ausblick dürften Investoren beruhigen, zumindest vorerst.

Die Kunden investieren massiv

ASML wächst vor allem, weil seine Schlüsselkunden wachsen. TSMC steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 51 Prozent auf umgerechnet knapp 42 Milliarden Euro. Der Auftragsfertiger beliefert unter anderem Apple und Nvidia und will dieses Jahr zwischen 60 und 64 Milliarden Dollar in neue Werke und Anlagen stecken, nach 40,9 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Auch Samsung wächst dynamisch: Der Speicherchip-Hersteller hat die Erlöse im dritten Quartal verdoppelt und investiert Milliarden in neue Anlagen in Südkorea und in Texas.

Der Branchenverband Semi erwartet, dass die Hersteller weltweit dieses Jahr 149 Milliarden Dollar für Maschinen zur Bearbeitung von 300-Millimeter-Wafern ausgeben, 31 Prozent mehr als 2025. Für das kommende Jahr rechnet er mit einem weiteren Plus von 16 Prozent. Das Wachstum schwächt sich also ab, bleibt aber deutlich positiv.

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Einordnung für Anleger

ASML hat im Markt für Lithografie-Maschinen eine Sonderstellung. Wenn die Kunden ihre Investitionen hochfahren, profitiert der Konzern als Erster. Das zeigt sich im Auftragsbuch, das bereits weit in die Zukunft reicht.

Das Risiko liegt darin, dass die Nachfrage vom KI-Boom abhängt. Hock Tans Warnung zu Wochenbeginn zeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann, wenn es um die Finanzierung des Ausbaus geht. Wer investiert ist, sollte beobachten, ob TSMC und Samsung ihre Investitionspläne halten und ob ASML den Kapazitätsausbau tatsächlich beschließt. Das Wachstum von 2027 und 2028 hängt davon ab.