Deutsche Bank sieht ein solides Quartal, aber schwache Profitabilität
Deutsche Bank Research hat die Einstufung für Siemens Healthineers vor den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal auf „Hold“ mit einem Kursziel von 39 Euro belassen. Analyst Falko Friedrichs rechnet mit soliden Resultaten und prognostiziert ein Umsatzwachstum aus eigener Kraft von sechs Prozent. Die Profitabilität dürfte jedoch schwach ausfallen. Im Mittelpunkt der Zahlenvorlage steht nach seiner Einschätzung die neue Prognose für das Geschäftsjahr 2027, genauer die Frage, ob die angegebene Spanne für den bereinigten Gewinn je Aktie mit der Markterwartung übereinstimmt. Angesichts der anhaltend hohen Inflation könnte das eine schwierige Aufgabe werden.
Die Aktie gab am Montag nach. Um 14:47 Uhr lag sie im Xetra-Handel 1,4 Prozent tiefer bei 37,33 Euro, am Nachmittag bei 37,25 Euro. Bis zum Kursziel der Deutschen Bank bleiben damit rund 4,5 Prozent Luft, seit Jahresbeginn hat das Papier 14,9 Prozent verloren. Die Zahlen werden am 5. November vorgelegt.

Wie es zu der schwachen Stimmung kam
Der Kursrückgang hat eine Vorgeschichte. Im Mai senkte Siemens Healthineers die Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 deutlich. Statt 5 bis 6 Prozent erwartete das Unternehmen nur noch 4,5 bis 5,0 Prozent Wachstum auf vergleichbarer Basis. Als Grund nannte Konzernchef Bernd Montag vor allem das Laborreagenzien-Geschäft in China: Dort hat sich das Marktvolumen der Labordiagnostik seit der Umstellung auf volumenbasierte Beschaffung und niedrigere Erstattungssätze in etwa halbiert. In der Sparte sank der Umsatz zuletzt auf vergleichbarer Basis um 6,5 Prozent, die Marge fiel von 6,3 auf 0,9 Prozent. Hinzu kamen die Inflation, ein starker Euro und US-Zölle.
Im Sommer folgte eine zweite Anpassung mit zwei Richtungen. Die Umsatzprognose sank auf 3,5 bis 4,0 Prozent. Dank US-Zollrückerstattungen nach dem IEEPA-Gesetz hob das Unternehmen die Gewinnprognose an, auf 2,35 bis 2,45 Euro je Aktie, zuvor 2,20 bis 2,30 Euro. Für Anleger ist das ein wichtiger Unterschied: Ein Teil des Gewinns stammt aus einem Einmaleffekt und nicht aus besserem operativen Geschäft.
Die Diagnostik steht zur Disposition
Das Management hat die Sparte Labordiagnostik offen auf den Prüfstand gestellt, ein Carve-out, also eine Abspaltung oder ein Verkauf, wird vorbereitet. Der Kern des Konzerns sollen Bildgebung und die Sparte Precision Therapy mit dem US-Krebsspezialisten Varian sein, die bis 2030 jährlich um sechs bis neun Prozent wachsen sollen. Auch das seit 1. Juli geltende deutsche Vergabebeschleunigungsgesetz könnte mehr öffentliche Aufträge bringen.
Was Analysten für 2027 erwarten
Die Erwartungen für das neue Geschäftsjahr sind verhalten. Jefferies, das Kaufen empfiehlt, rechnet für 2027 mit einem bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 2,30 und 2,40 Euro, also leicht unter der aktuellen Spanne. Belastungen aus Zöllen sollen dabei weitgehend durch Einsparungen ausgeglichen werden. Die DZ Bank bestätigte „Kaufen“ mit einem fairen Wert von 53 Euro und nennt 2027 ein Übergangsjahr. Als Kurstreiber gelten die Technologieführerschaft bei Photon-Counting-CT und Theranostik, einer Kombination aus Diagnose und gezielter Therapie.

Die Bandbreite zeigt, wie unsicher der Markt ist: Die Deutsche Bank sieht 39 Euro, die DZ Bank 53 Euro, der Durchschnitt aller Analysten liegt bei rund 46 Euro.
Was am 5. November zählt
Für Anleger kommt es auf drei Punkte an:
- Prognose 2027: Deckt sich die Gewinnspanne mit den rund 2,30 bis 2,40 Euro, die der Markt erwartet, oder fällt sie darunter?
- China: Stabilisiert sich die Labordiagnostik oder geht der Rückgang weiter?
- Diagnostik-Carve-out: Nennt das Management konkrete Schritte und einen Zeitplan?
Enttäuscht der Ausblick, könnte die Aktie nach dem schwachen Jahr erneut unter Druck geraten. Liefert das Management Klarheit zur Diagnostik, wäre das nach Monaten der Unsicherheit ein Signal, das den Kurs stützen kann. Bis dahin bleibt die Aktie, wie die Deutsche Bank sagt, ein Halten.

