07. Oktober, 2026

Unternehmen

Air Liquide kündigt erstes Aktienrückkaufprogramm der Firmengeschichte an: 4 Milliarden Euro und 600 Basispunkte mehr Marge bis 2030

Mit dem Strategieplan „BEYOND“ setzt der Industriegasekonzern auf Elektronik und KI als Wachstumstreiber. Aktivist Elliott sitzt im Aktionärskreis, die Aktie steigt um bis zu 2,4 Prozent.

Air Liquide kündigt erstes Aktienrückkaufprogramm der Firmengeschichte an: 4 Milliarden Euro und 600 Basispunkte mehr Marge bis 2030
Elektronik und KI sollen bei Air Liquide mit über 10 Prozent jährlich wachsen, Jefferies bestätigt Buy und ein Kursziel von 204 Euro.

Ein Plan mit klaren Zahlen

Der französische Industriegasekonzern Air Liquide hat am Montag auf seinem Kapitalmarkttag den Strategieplan „BEYOND“ für den Zeitraum bis 2030 vorgestellt. Die zentralen Ziele im Überblick:

  • Gewinn je Aktie: durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 10 Prozent (Spanne plus/minus 2 Prozentpunkte) zwischen Ende 2025 und Ende 2030. Ausgangsbasis sind die für 2025 berichteten 6,1 Euro.
  • Umsatz: durchschnittlich rund 5 Prozent pro Jahr (plus/minus 1 Prozentpunkt).
  • Marge: Verbesserung der operativen Marge um 400 bis 600 Basispunkte bis 2030.
  • Kapitalrendite: wiederkehrende Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von mehr als 11 Prozent im Jahr 2030.
  • Klima: Senkung der CO2-Emissionen um 33 Prozent bis 2035 gegenüber 2020.

Konzernchef François Jackow sprach von einem „neuen, ehrgeizigen strategischen Kapitel“ auf dem profitablen Wachstumskurs des Konzerns.

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Das erste große Aktienrückkaufprogramm

Die wohl wichtigste Neuigkeit für Aktionäre: Air Liquide legt erstmals ein Rückkaufprogramm dieser Größenordnung auf, 4 Milliarden Euro in den Jahren 2027 und 2028, zusätzlich zu weiter steigenden Dividenden. „Unsere Profitabilität erlaubt es uns, die Kapitalallokation über Investitionen und Akquisitionen im Kerngeschäft hinaus weiterzuentwickeln“, sagte Jackow.

Insgesamt will der Konzern zwischen 2026 und 2030 mehr als 40 Milliarden Euro einsetzen, mehr als die Hälfte davon für industrielle Investitionen und strategische Zukäufe. Allein die industriellen Investitionsentscheidungen sollen rund 24 Milliarden Euro ausmachen. Die 40 Milliarden umfassen Investitionen, Akquisitionen, Dividenden und Aktienrückkäufe, strategische Großübernahmen sind darin nicht enthalten, nur kleinere Zukäufe.

Elektronik und KI als wichtigste Wachstumsfelder

Als oberste Wachstumspriorität nennt Air Liquide Elektronik und künstliche Intelligenz. Im Elektroniksegment soll der Umsatz bis 2030 im gewichteten Schnitt um mehr als 10 Prozent jährlich wachsen, getragen von größeren Chipfabrikprojekten und staatlichen Programmen, die den Aufbau lokaler Fabriken fördern. Weitere Wachstumsfelder sind Energiewende, Gesundheit und Raumfahrt. In Europa will der Konzern die Energiewende beschleunigen und von Reshoring und industrieller Souveränität profitieren.

Der Vergleich mit dem Konkurrenten Linde zeigt allerdings, dass es dabei nicht nur um Zuversicht geht: Elektronik macht bei beiden Unternehmen rund 10 Prozent des Umsatzes aus, Linde ist im zweiten Quartal aber vergleichbar schneller gewachsen.

Analysten: Ziele leicht über Konsens, Management meist konservativ

Jefferies bestätigte die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 204 Euro. Analyst Marcus Dunford-Castro schreibt, das EPS-Wachstumsziel von 10 Prozent entspreche dem Konsens, die Margenziele lägen darüber. Der Mittelpunkt der Spanne von 500 Basispunkten liegt leicht über den 490 Basispunkten, die Analysten laut einer unternehmenseigenen Umfrage erwartet hatten. Zudem sei das Management zu Beginn seiner Planungen in der Vergangenheit stets konservativ gewesen und habe die Prognosen im Zyklus angehoben, so Dunford-Castro.

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Auch vor dem Kapitalmarkttag hatte sich die Stimmung verbessert: Die Deutsche Bank hatte ihr Kursziel Ende September auf 192 Euro angehoben, Mizuho nahm die Aktie mit „Outperform“ und 200 Euro auf. Die Margenverbesserung enthält dabei Fortschritte, die bereits 2026 anfallen: Der Vorgängerplan sah plus 100 Basispunkte für 2026 und weitere 100 für 2027 vor.

Aktivist Elliott im Hintergrund

Der Plan kommt wenige Wochen, nachdem der aktivistische Investor Elliott Management seinen Anteil an Air Liquide aufgestockt hatte. Das erklärt zumindest teilweise, warum der Konzern erstmals ein großes Rückkaufprogramm ankündigt und sich konkrete Margenziele setzt. Mit der Vorlage eines quantifizierten Plans nimmt Air Liquide den Aktivisten ein Stück Angriffsfläche.

Die Aktie legte in Paris zeitweise um bis zu 2,4 Prozent auf 174,20 Euro zu. Als nächster Termin steht am 29. Oktober der Umsatzbericht zum dritten Quartal an. Dort lässt sich prüfen, ob das Wachstumstempo zum 5-Prozent-Ziel passt.

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