Partners Group zieht die Notbremse – mit ungewissem Ausgang
Die Schweizer Private-Equity-Powerhouse Partners Group Holding AG hat eine unkonventionelle Strategie gewählt, um ihre angeschlagenen Portfolio-Unternehmen zu stabilisieren: Sie blockiert systematisch Hedge Funds von Investitionen in den Schuldtiteln ihrer Problemfirmen. Dies geschieht vor dem Hintergrund von Refinanzierungsbemühungen für etwa 6 Milliarden Euro an ausstehenden Schulden – eine Summe, die für die europäische Private-Equity-Branche erhebliche Bedeutung hat. Der Schritt offenbart das Dilemma, in dem sich Partners Group befindet: Einerseits muss die Firma ihre Schuldenberge abbauen, andererseits will sie nicht zulassen, dass aktivistische Hedge Funds ihre Refinanzierungspläne durchkreuzen.

Partners Group galt lange als Inbegriff der Stabilität in der Private-Equity-Welt. Mit verwalteten Vermögenswerten von über 70 Milliarden Euro gehört sie zu den größten Playern im Segment. Doch die wirtschaftliche Normalisierung nach der Pandemie und steigende Zinssätze haben auch diese Branchenlegende getroffen. Mehrere ihrer Portfolio-Unternehmen kämpfen mit sinkenden Margen und schwächerer Nachfrage.
Das Kalkül: Weniger Käufer, aber kontrollierte Refinanzierung
Die Entscheidung, Hedge Funds auszuschließen, basiert auf einer bewussten Risikoabwägung. Hedge Funds sind für ihre aggressiven Positionen und aktivistischen Strategien bekannt – sie können als Gläubiger erheblichen Druck auf Unternehmen ausüben und etwa strenge Covenants durchsetzen oder öffentliche Kritik üben. Für Partners Group bedeutet das: Die Firma bevorzugt eine kleinere, aber vorhersehbare Investorenbasis, die ihre Refinanzierungspläne nicht torpediert, statt einer größeren Gruppe potentieller Käufer mit unklaren Agenden.

Dieser Ansatz hat jedoch einen großen Nachteil. Mit dem Ausschluss von Hedge Funds reduziert Partners Group die Nachfrage nach den Schuldtiteln ihrer Firmen. In einem Marktumfeld, in dem Kreditspannen bereits unter Druck stehen, könnte das zu niedrigeren Preisen für die Anleihen führen. Das kostet Partners Group direkt Geld – sowohl bei neuen Refinanzierungen als auch bei der bilanziellen Bewertung bestehender Positionen. Die Ironie ist simpel: Durch die Kontrolle des Käuferpools verliert Partners Group Verhandlungskraft.
Refinanzierung unter Druck: Ein Wettlauf gegen die Zeit
Die 6 Milliarden Euro, die refinanziert werden müssen, stammen aus verschiedenen Portfolio-Unternehmen von Partners Group. Viele dieser Firmen haben ihre Ebitda-Multiples in den letzten zwei Jahren deutlich reduziert – ein klares Zeichen von Profitabilitätsdruck. Einige der betroffenen Unternehmen operieren in zyklischen Branchen wie Logistik, Einzelhandel und Industriedienstleistungen, die derzeit mit Herausforderungen kämpfen.
Die Refinanzierungsfrist ist entscheidend. Fallen Anleihen oder Kreditfazilitäten während eines Marktabschwungs aus, können die Kosten explodieren. Partners Group muss daher schnell handeln – aber ohne dabei zu viele Zugeständnisse machen zu müssen. Die Blockade von Hedge Funds ist insofern ein Versuch, die Verhandlungsdynamik zu kontrollieren und zu verhindern, dass opportunistische Investoren die Lage ausnutzen.

Was folgt daraus für Investoren und den Markt?
Die Strategie von Partners Group signalisiert zwei wichtige Dinge. Erstens zeigt sie, dass auch Giganten der Private-Equity-Branche mit Liquiditätsdruck und restriktiven Kreditbedingungen kämpfen. Zweitens offenbart sie, wie fragile das Vertrauen zwischen Schuldneranteilen und verschiedenen Gläubigergruppen ist. Wenn führende PE-Firmen Investoren ausschließen müssen, um ihre Refinanzierungsziele zu erreichen, deutet das auf strukturelle Spannungen hin.
Für andere Private-Equity-Firmen, die ähnliche Probleme haben, könnte Partners Groups Ansatz als Blaupause dienen – oder als warnendes Beispiel. Hedge Funds, die systematisch aus Refinanzierungsprozessen ausgeschlossen werden, könnten ihre Aufmerksamkeit stärker auf Sekundärmärkte legen oder auf Distressed-Deals warten. Das könnte zu noch mehr Volatilität führen.


