14. Oktober, 2026

Unternehmen

Yandex-Rechenzentrum in Sassowo: Satellitenbilder zeigen schwere Schäden nach ukrainischen Luftschlägen

Erste hochauflösende Aufnahmen belegen, wie verwundbar die russische Cloud- und KI-Infrastruktur ist. Mindestens eine der drei getroffenen Anlagen ist schwer beschädigt, ein vollständiger Wiederaufbau könnte bis 2028 dauern.

Yandex-Rechenzentrum in Sassowo: Satellitenbilder zeigen schwere Schäden nach ukrainischen Luftschlägen
Chips sind knapp und teuer, Medien halten einen vollständigen Wiederaufbau erst 2028 für möglich.

Ein Drittel der Halle beschädigt

Ukrainische Luftangriffe haben den russischen Internetkonzern Yandex offenbar schwer getroffen. Das legt eine exklusive Analyse eines hochauflösenden Satellitenbildes nahe, das von einem der beschossenen Rechenzentren vorliegt. Das oft als „Google Russlands“ bezeichnete Unternehmen hat in den vergangenen Jahren fünf große Serverfarmen in Russland aufgebaut. Drei davon wurden in der vergangenen Woche vermutlich mit Drohnen angegriffen: am 7. Oktober in Sassowo, am 9. Oktober in Kaluga und am 12. Oktober in Wladimir. Mindestens eine Anlage ist laut den Bildern schwer beschädigt.

Die Auswertung stammt von der WirtschaftsWoche in Kooperation mit dem Erdbeobachtungs-Start-up LiveEO. Am deutlichsten sind die Schäden in Sassowo, rund 316 Kilometer südöstlich von Moskau. Yandex hatte seine Server dort in einer sowjetischen Industriehalle von 370 mal 200 Metern untergebracht. Nach dem Angriff vom 7. Oktober ist etwa ein Drittel der Halle beschädigt, wie ein Satellitenbild vom 12. Oktober zeigt. In diesem Gebäude soll das Unternehmen unter anderem KI-Modelle trainiert haben.

Was die Bilder zeigen

Auf der Aufnahme ist an einer Stelle das Dach eingestürzt, weite Teile sind verkohlt. Vier von acht länglichen Aufbauten, die Yandex nachträglich auf dem Gebäude installiert hat, sind teilweise oder ganz zerstört. Vermutlich handelt es sich dabei um Kühltechnik für die Server darunter. Ob die Rechner selbst durch Feuer oder Löschwasser zerstört wurden, lässt sich vom Bild nicht ablesen. Deutsche Feuerwehrleute halten es nach Ansicht der Bilder für erheblich wahrscheinlich, dass Löschwasser die Technik erreicht hat.

Rund um das Gebäude stehen zahlreiche Lastwagen und Busse, auch direkt am Gebäude. Offenbar wird mit Hochdruck gearbeitet, die Anlage zu sichern und wieder online zu bringen, oder Arbeiter bauen intakte Server aus, um sie anderswo zu betreiben. Das ist eine Interpretation der Bilder, bestätigt ist es nicht.

VermögenHeute
Thoughts, stories and ideas.

Kaluga und Wladimir bleiben unklar

Bei den beiden anderen Standorten ist eine Schadensanalyse schwieriger. In Kaluga baut Yandex seit 2022 direkt neben einem ehemaligen Volkswagen-Werk einen Komplex aus vier Servergebäuden, der besonders für Yandex Cloud wichtig ist. Das vierte Gebäude wurde erst vor wenigen Monaten äußerlich fertiggestellt. Eine niedrig aufgelöste Aufnahme vom 7. Oktober zeigt ein ungewöhnlich dunkles Dach, was laut Analyse aber vermutlich der Schatten einer Wolke ist, nicht Ruß. Der Angriff fand laut Medien erst am 9. Oktober statt. Wegen schlechten Wetters gibt es keine neuere Aufnahme.

In Wladimir ist das Unternehmen zuletzt am stärksten gewachsen. Erste Rechenzentren entstanden dort nach 2015, nach 2024 kam ein moderner Komplex hinzu, ähnlich dem in Kaluga. Auch hier verhindert der bewölkte Himmel eine Auswertung, zumal der Angriff erst am Sonntag erfolgte.

Folgen für Kunden und Dienste

Die Auswirkungen lassen sich auch am Datenverkehr ablesen. Cloudflare-Messungen zeigen, dass der Yandex zugeschriebene Verkehr in der vergangenen Woche mehrfach eingebrochen ist. Die WiWo mahnt zur Vorsicht, weil sich die Einbrüche nicht eindeutig einer Dienstleistung zuordnen lassen. Dahinter können Suchmaschinen-Crawler, Scraper, Überwachungstools oder Skripte stecken.

Yandex räumt selbst Ausfälle bei seinem Cloud-Angebot ein. Nach eigenen Angaben hat Yandex Cloud 64.000 Kunden. Gemeldet werden Störungen beim Taxi- und Lieferdienst Yandex Go sowie bei Cloud-Kunden wie dem Einzelhändler Magnit, der Fast-Food-Kette Vkusno i Tochka und dem Händler M.Video. Auch Kunden in Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan berichten von Problemen. Betroffen sind außerdem die drei Supercomputer von Yandex in Sassowo und Wladimir. Sie dienen dem Training neuronaler Netze, diese Entwicklung dürfte laut WiWo derzeit stillstehen.

AlleAktien 2026 | Werde Top 1% Investor
Fundierte Aktienanalysen, Fair-Value-Bewertungen & Kaufempfehlungen. 26,8 % Rendite p.a. seit 2010.

Warum der Wiederaufbau so lange dauern kann

Anders als Raffinerien lassen sich Rechenzentren schwer reparieren. Das liegt weniger an der Technik als an den Ersatzteilen. Wegen der westlichen Sanktionen und der weltweiten KI-Nachfrage sind Chips teuer und knapp. Betreiber müssten viel Geld ausgeben und lange warten. In Medien kursieren Einschätzungen, dass es bis 2028 dauern könnte, bis die Yandex-Rechenzentren wieder voll einsatzfähig sind. Das ist eine Schätzung, keine bestätigte Zahl.

Zudem droht Datenverlust, wenn Anlagen zerstört werden. Digitale Zahlungssysteme, Onlinehandel und sogar Verkehrssteuerung hängen in Russland, vor allem im europäischen Teil, an solchen Anlagen. Das Land ist nach Einschätzung der Autoren ähnlich digitalisiert wie der Westen.

Wie es weitergeht

Entscheidend ist, ob und wie weit die Ukraine ihre Schläge fortsetzt. Die Angriffe auf Raffinerien und auf Logistikzentren von Wildberries haben gezeigt, welche Reichweite Kiew hat. Den bislang weitesten bekannten Schlag erlitt die Raffinerie in Omsk. Theoretisch stehen damit alle Rechenzentren bis in diese Tiefe auf der Zielliste. Die WiWo hält es zudem für möglich, dass der Druck von US-Präsident Donald Trump, Raffinerien zu verschonen, Kiew dazu bewegt, stärker Rechenzentren ins Visier zu nehmen. Das ist eine Einschätzung der Autoren.

Airlines waive fees: Nor’easter bringt Flugchaos
Während ein Nor’easter die US-Ostküste bedroht, reagieren Fluggesellschaften mit kostenlosen Umbuchungen. Erste Verspätungen zeichnen sich ab – doch am Freitagmorgen bleibt es noch ruhig.

Einordnung für Anleger

Für Anleger ist die Nebius Group wichtig, die niederländische Muttergesellschaft. Gründer Arkadi Wolosch hatte sich 2024 im Zuge einer vom Kreml kontrollierten Transaktion aus dem Russlandgeschäft zurückgezogen. Damit konnte sich Nebius vollständig aus Russland lösen. Nebius übernahm auch ein Yandex-Rechenzentrum in Finnland, das einzige außerhalb Russlands. Die Angriffe betreffen also das russische Yandex, nicht Nebius.

Der Fall zeigt dennoch ein Risiko, das in KI-Bewertungen selten auftaucht: Rechenzentren sind kaum zu schützen, ihre Standorte sind bekannt, und im Kriegsgebiet können sie zum Ziel werden. Wer in KI-Infrastruktur investiert, sollte neben Chips und Strom auch den Standort und die physische Sicherheit prüfen.