Barzahlung gegen Aktienmix
Die Lufthansa steht einem Medienbericht zufolge vor dem Einstieg bei der portugiesischen Fluggesellschaft TAP. Der Sender SIC berichtete am Dienstagabend unter Berufung auf Insider, der deutsche Konzern werde den Zuschlag für einen Anteil von 44,9 Prozent erhalten und sich damit gegen Air France-KLM durchsetzen.
Entscheidend sei laut SIC die Struktur der Gebote. Die Lufthansa biete den Kaufpreis vollständig in bar an. Air France-KLM habe dagegen eine Mischung aus Bargeld und Aktien vorgesehen. Zusätzlich habe die stärkere Finanzlage der Deutschen den Ausschlag gegeben. Das portugiesische Infrastrukturministerium lehnte eine Stellungnahme ab.
Kabinett entscheidet am Mittwoch
Die Regierung wollte am Mittwoch auf einer außerordentlichen Kabinettssitzung über den Gewinner entscheiden. Sie begann um 9:30 Uhr Ortszeit. Ob die Entscheidung inzwischen gefallen ist, konnte ich bis zur Veröffentlichung dieses Textes nicht bestätigen. Wichtig ist auch: Selbst ein Kabinettsbeschluss ist nur ein Schritt. Der Verkauf braucht die Freigabe der europäischen Wettbewerbsbehörden.

Wie das Rennen verlief
Portugal verkauft einen Teil seiner Staatsairline. Insgesamt sollen bis zu 49,9 Prozent des Kapitals an Private gehen, davon 44,9 Prozent an einen Referenzinvestor und bis zu fünf Prozent an Beschäftigte. Ursprünglich hatte auch IAG, der Mutterkonzern von Iberia und British Airways, Interesse. Er zog sich zurück, weil das portugiesische Modell nur eine Minderheit vorsieht, IAG aber Mehrheitsbeteiligungen bevorzugt.
Lufthansa und Air France-KLM reichten Ende Juli verbindliche Gebote ein. Im April hatte Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento die Angebote als „sehr gleichwertig“ beschrieben. Anfang September startete die Regierung eine letzte Verhandlungsrunde und bat beide, nachzubessern. Kabinettsminister António Leitão Amaro erklärte, der Preis sei wichtig, aber nicht der einzige Punkt. Im September gaben beide ihre endgültigen Gebote ab. Zahlen nannten weder die Bieter noch die Regierung. Analysten von Bernstein schätzen TAP auf rund 1,5 Milliarden Euro, was für den Anteil von 44,9 Prozent etwa 700 Millionen Euro bedeuten würde. Das ist eine Schätzung, kein Kaufpreis.
Was Portugal verlangt
Neben dem Preis stellt die Regierung Bedingungen. Die Marke TAP, der Hauptsitz in Portugal, das Drehkreuz Lissabon und strategisch wichtige Strecken müssen erhalten bleiben. Dazu zählen Verbindungen zu den autonomen Regionen und zu portugiesischsprachigen Ländern, ein Ausbau in Porto, Investitionen in die Flotte und ein Zehn-Jahres-Wachstumsplan. Die Regierung behält sich das Recht vor, das Verfahren jederzeit ohne Entschädigung abzubrechen, falls die Gebote die strategischen Interessen nicht wahren.

TAP im Plus beim Umsatz, im Minus beim Ergebnis
TAP schloss das erste Halbjahr mit einem Verlust von 99,2 Millionen Euro ab, den die Airline auf die gestiegenen Treibstoffpreise zurückführt. Die Regierung betonte zugleich historisch hohe Verkaufszahlen. Genau diese Lage, starke Nachfrage bei hohen Kosten, ist für einen Käufer interessant, der Synergien heben kann.
Einordnung für Anleger
Für die Lufthansa wäre TAP ein Schritt in Richtung Lateinamerika und Afrika. Das Drehkreuz Lissabon bündelt viele Verbindungen dorthin, ein Markt, den die Lufthansa-Gruppe bislang weniger stark abdeckt. Der Preis für eine Minderheit von rund 700 Millionen Euro, sollte die Schätzung stimmen, wäre für die Lufthansa verkraftbar. Das gilt umso mehr, als sie komplett in bar zahlen würde, wie berichtet.
Die Risiken liegen in den Auflagen. Wer nur eine Minderheit hält, hat begrenzten Einfluss, trägt aber die Verpflichtungen zu Marke, Standort und Strecken. Zudem muss die Wettbewerbsbehörde zustimmen. Wer die Aktie hält, sollte drei Dinge beobachten: den offiziellen Kabinettsbeschluss, den veröffentlichten Kaufpreis und die Haltung der EU-Kommission.

