16. Oktober, 2026

Unternehmen

Varta: Warum der Batteriehersteller in die Insolvenz ging, obwohl die Verkaufsunterlagen blendende Aussichten zeigen

Die Commerzbank sucht Investoren für den insolventen Konzern. Ihre Unterlagen zeichnen ein deutlich besseres Bild als die Rechnungen der Sanierungsberater vor der Pleite.

Varta: Warum der Batteriehersteller in die Insolvenz ging, obwohl die Verkaufsunterlagen blendende Aussichten zeigen
Die Commerzbank wirbt für Varta mit 300 Millionen Euro Umsatz in fünf Jahren und einem EBITDA von 61 Millionen Euro.

Verkauf als Ganzes oder in zwei Teilen

Die Commerzbank, die mit der Investorensuche für die insolventen Varta-Gesellschaften beauftragt ist, wirbt mit blendenden Aussichten. Das zeigen aktuelle Verkaufsunterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Der Batteriehersteller soll als Ganzes oder in zwei Teilen verkauft werden.

Das große Paket besteht aus den Mikrobatterien, die etwa in Hörgeräten stecken, und den Powerpacks für Maschinen und mobile Geräte wie Bohrmaschinen. Zusammen sollen sie im kommenden Jahr fast 180 Millionen Euro umsetzen und fünf Jahre später knapp 300 Millionen Euro. Das EBITDA soll in dieser Zeit von 23 auf 61 Millionen Euro steigen. Auch für Investitionen soll genug Geld da sein.

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Wachstumstreiber laut Unterlagen

Bei den Mikrobatterien setzen die Verkaufsunterlagen auf Geräte zur Messung von Gesundheitsdaten, etwa Fitnesstracker oder Zuckermessgeräte für Diabetiker. Deren Verbreitung soll in den nächsten Jahren deutlich wachsen. Die Powerpack-Sparte könnte von der boomenden Verteidigungsindustrie profitieren, etwa mit maßgeschneiderten Batterien für Drohnen. Auch Roboter gelten als vielversprechender Markt.

Beide Sparten könnten künftig zusammen 1.335 Vollzeitkräfte beschäftigen, rund 600 weniger als im Juni 2026. Der Rückgang geht im Kern auf die Schließung des Werks in Nördlingen zurück, die schon vor der Insolvenz beschlossen wurde. Dort werden noch bis Ende Oktober Batterien für Apples Ohrhörer AirPods gefertigt, danach lässt sich Apple von anderen Herstellern beliefern.

Die Energiespeicher-Sparte

Die Sparte Energiespeicher, die einzeln angeboten wird und nie richtig rund lief, soll im kommenden Jahr 36 Millionen Euro Umsatz bei 14 Millionen Euro Rohertrag erzielen. Bis 2031 soll sich der Umsatz ungefähr verdreifachen und der Rohertrag auf rund 38 Millionen Euro steigen. Vor allem der Markt für Industriespeicher soll laut Commerzbank kräftig wachsen.

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Warum es trotzdem zur Insolvenz kam

Die Zahlen werfen eine Frage auf: Wenn es so gut aussieht, warum musste Varta im Sommer Insolvenz anmelden? Akute Geldnot war es nicht. Kurz vor dem Antrag hatte der Konzern rund 70 Millionen Euro in der Kasse. Die Sanierungsberater von FTI-Andersch hatten aber ausgerechnet, dass perspektivisch eine Finanzierungslücke von 50 bis 100 Millionen Euro entsteht.

Weil die Eigentümer, der Investor Michael Tojner und der Autobauer Porsche, die Lücke nicht schließen wollten, stellten die Finanzierer ihre Kredite fällig. Das führte zur Insolvenz wesentlicher Sparten. Die Zahlen aus den Verkaufsunterlagen deuten dagegen nicht auf eine Lücke dieser Größe hin. Sie stammen aus einem Business-Plan, den das Varta-Management mit Unterstützung derselben Berater von FTI-Andersch erstellt hat. Ein FTI-Sprecher wollte sich nicht äußern.

Zwei Rechnungen, ein Unternehmen

Ein Insider erklärt den Unterschied so: Business-Pläne beruhen auf den Angaben von Vorständen und Bereichsleitern, also auf Verhandlungen mit Kunden und Chancen in neuen Märkten. Das sind Schätzungen. Vor der Insolvenz hätten die Berater von diesen Schätzungen einiges abgezogen, vielleicht auch zu viel, und äußerst vorsichtig gerechnet. Für den Verkaufsprozess dagegen habe man sicher alles an Potenzial aufgezählt, vielleicht auch zu viel. Am Ende werde man irgendwo dazwischen landen.

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Wer bietet

Wer zum Kreis der Bieter gehört, hält Insolvenzverwalter Tobias Wahl geheim. Nach Informationen der WirtschaftsWoche gibt es zwei Interessenten für die gesamte Gruppe. Einer davon ist nach eigenen Angaben die Schweizer Allswiss. Gründer Pino Sergio hatte schon vor der Insolvenz Interesse bekundet und angeboten, die Bankverbindlichkeiten zu übernehmen. Es blieb jedoch über Wochen unklar, ob Allswiss die nötigen Mittel oder verbindliche Finanzierungszusagen hatte. Dann stellten die Banken die Kredite fällig. Für Einzelteile sollen sich mehrere Interessenten aus der Batteriebranche melden. An den Mikrobatterien ist auch Miteigentümer Tojner interessiert, wie sein Sprecher bestätigt.

Einordnung

Die Geschichte zeigt, wie stark Prognosen vom Zweck abhängen. Dieselben Zahlen liefern für eine Rettung ein anderes Ergebnis als für einen Verkauf. Für die Gläubiger und Bieter ist das entscheidend, denn der Preis hängt davon ab, welcher der beiden Rechnungen sie trauen.

VermögenHeute
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Für Anleger ist der Fall eine Lehre. Verkaufsunterlagen sind Werbung. Die Prognose von fast 300 Millionen Euro Umsatz in fünf Jahren ist ein Ziel, kein Ergebnis. Zudem fällt mit Apple ein prominenter Kunde weg, wenn Nördlingen Ende Oktober schließt. Ob die Wachstumsfelder Wearables, Drohnen und Roboter die Lücke füllen, ist offen. Beobachten sollten Sie, wer am Ende bietet, zu welchem Preis und was mit den Banken geschieht, die ihre Kredite fällig gestellt haben.