Ein Haus für alle Dienstleistungen rund um die Immobilie
Vonovia will mit einer neuen Marke Dienstleistungen für Investoren anbieten und damit das Geschäft außerhalb der klassischen Vermietung weiter ausbauen. Wie der Bochumer Wohnimmobilienkonzern mitteilte, stellt er auf der Expo Real 2026 die Marke Veveus vor. Sie richtet sich an institutionelle Eigentümer und Investoren und bietet ihnen Investment Management, Asset Management, Property Management und Facility Management aus einer Hand.

Neu ist dabei weniger das Angebot als der gemeinsame Auftritt. Einzelne Geschäftseinheiten sind nach Unternehmensangaben im Drittmarkt bereits erfolgreich aktiv. Schon heute bewirtschaftet Vonovia rund 75.000 Wohnungen im Auftrag Dritter. Dieses Know-how soll künftig unter Veveus gebündelt und weiteren institutionellen Eigentümern zugänglich gemacht werden. Die Marke Vonovia steht weiterhin für das Vermietungsgeschäft, Veveus soll gezielt die Anforderungen professioneller Marktteilnehmer adressieren.
Das Ziel: Ein Viertel des operativen Ergebnisses jenseits der Vermietung
Die neue Marke passt zu einem erklärten Konzernziel. Bis 2028 sollen die Non-Rental-Aktivitäten 20 bis 25 Prozent zum bereinigten operativen Ergebnis (Adjusted EBITDA Total) beisteuern. Für das Segment Value-add, in dem unter anderem Modernisierung und Serviceleistungen gebündelt sind, sind davon 9 bis 12 Prozent vorgesehen. Im ersten Halbjahr stiegen die externen Erlöse im Value-add-Segment um 13,8 Prozent auf 79,2 Millionen Euro.
Vonovia ist mit mehr als 528.000 Wohneinheiten in Deutschland, Schweden und Österreich Europas größter Wohnimmobilienkonzern, mit einer durchschnittlichen Miete von 8,51 Euro je Quadratmeter und Monat. Ein Dienstleistungsgeschäft für Dritte ist für den Konzern vor allem aus einem Grund attraktiv: Es braucht kaum Kapital und hängt nicht an Zinsen und Immobilienbewertungen, die das Kerngeschäft belasten.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall
Die Markteinführung fällt in eine Phase, in der die Politik das Kerngeschäft unter Druck setzt. Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin, die große Wohnungsbestände vergesellschaften will, war die Aktie auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gefallen. Das Zwölfmonatsminus liegt bei fast 37 Prozent. Gleichzeitig belasten steigende Zinsen das Geschäftsmodell. Ein größerer Anteil an Erlösen aus Dienstleistungen für Dritte würde Vonovia unabhängiger von der Berliner Mietenpolitik machen.
Die Aktie reagiert freundlich, aber verhalten
Die Vonovia-Aktie notierte am Montag im Xetra-Handel zeitweise 0,15 Prozent im Plus bei 16,84 Euro, später bis zu gut einem Prozent höher bei 16,91 Euro. Gemessen am Kursniveau ist das ein kleiner Schritt. Unter Aktionären kreist die Debatte ohnehin weniger um das neue Geschäft als um den Abstand zwischen Substanz und Börsenkurs: Die Schere zwischen fairem Wert und Kurs sei inzwischen extrem weit geöffnet, heißt es.
Für Anleger bleibt entscheidend, wie schnell Veveus tatsächlich neue Mandate gewinnt. Die 75.000 Wohnungen im Drittgeschäft sind im Vergleich zum eigenen Bestand überschaubar. Konkrete Wachstumsziele für die neue Marke hat Vonovia bislang nicht genannt, nur das Gesamtziel für 2028. Solange das so bleibt, ist Veveus ein sinnvoller strategischer Schritt, aber kein Kurstreiber.


