BASF hebt die Prognose an, doch die Mitte der Spanne entspricht dem Konsens
Der größte Chemiekonzern der Welt erwartet für 2026 ein bereinigtes Ebitda von 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro. Zuvor standen 6,9 bis 7,7 Milliarden im Plan, im Vorjahr waren es 6,6 Milliarden. Der Vorstand um Markus Kamieth hebt damit die Untergrenze kräftig an, die Obergrenze aber nur um 100 Millionen Euro.
Die Mitte der neuen Spanne liegt bei 7,6 Milliarden Euro, genau dort, wo Analysten im Schnitt landeten. Wer nur die Überschrift liest, sieht eine Überraschung. Wer rechnet, sieht eine Bestätigung. Auch beim freien Cashflow bleibt BASF bei 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro, wobei der Markt bereits mit dem oberen Ende rechnet.
Der Iran-Krieg verschafft Europas Chemie eine Sonderkonjunktur
Der Grund für das gute Quartal ist ein Krieg. Asiatische Chemiekonzerne hängen stark an Öl- und Gaslieferungen vom Golf und leiden darunter, dass die Straße von Hormus gestört ist. Die Nachfrage wanderte zu europäischen Anbietern, und BASF konnte Preise teilweise anheben. Auch die Importflut aus Asien ließ nach.
Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 14,2 Prozent auf 16,36 Milliarden Euro, getragen von höheren Preisen und Mengen. Die stärksten Beiträge kamen aus den Segmenten Chemicals sowie Nutrition & Care. Währungseffekte, die zuvor bremsten, wirkten leicht positiv.

Das Quartalsergebnis lag bei 1,64 Milliarden Euro, nach 1,43 Milliarden im Vorjahr, und damit deutlich über den Erwartungen. Es ist ein Gewinn, den BASF zu einem erheblichen Teil nicht selbst gemacht hat, sondern den die Lage ihm beschert.
Im Kerngeschäft läuft es, in Batterien und Landwirtschaft nicht
Der Zuwachs im Kerngeschäft glich Rückgänge in zwei Bereichen aus. Das Segment Surface Technologies, zu dem Batteriematerialien und Abgaskatalysatoren gehören, verdiente weniger, ebenso die Agrarsparte.
Unter dem Strich schrumpfte der Gewinn der Aktionäre um knapp 10 Prozent auf 155 Millionen Euro. Restrukturierungskosten wie Abfindungen für Mitarbeiter drücken das Ergebnis. Der Konzern baut um, spart und streicht Stellen, denn die Energiepreise bleiben in Europa hoch.
Das schwache Schlussquartal drückt die Aktie
Die Börse hat gerechnet. Die Aktie gab am Mittag zeitweise 1,21 Prozent auf 51,49 Euro nach und bewegt sich damit im Bereich der 21- und 50-Tage-Linie. Seit Mitte Oktober steht sie etwas unter Druck.

Der Grund liegt im Ausblick. Jefferies-Analyst Marcus Dunford-Castro und JPMorgan-Experte Chetan Udeshi lesen aus der aktualisierten Prognose ein operatives Ergebnis im vierten Quartal, das unter den Markterwartungen liegt. Bernstein belässt die Aktie bei „Outperform“ mit einem Kursziel von 61 Euro. Analyst James Hooper schreibt, BASF liefere sowohl Optimisten als auch Pessimisten Argumente.
Der Evonik-Poker kostet mehr als elf Milliarden Euro
Gleichzeitig verfolgt BASF einen Zukauf. Nach Berichten bietet der Konzern dem Essener Spezialchemiekonzern Evonik 24 Euro je Aktie, in Summe mehr als elf Milliarden Euro. Das erste Gebot Ende September lag bei 22,15 Euro und war abgelehnt worden. Die Evonik-Aktie notierte zuletzt bei rund 21,40 Euro, vor den ersten Berichten bei gut 18 Euro.
Entscheidend ist die RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Evonik-Aktien hält. Kamieth nannte einen Zukauf logisch, denn in Europa laufe eine Konsolidierung der Branche. Die Portfolios ergänzten sich, gemeinsam entstehe ein widerstandsfähigerer Konzern.
„Wir werden keinen überhöhten Preis zahlen“, so Kamieth. Zum Stand der Gespräche äußerte er sich nicht, wohl aber dazu, dass sie sich nicht über Jahre ziehen würden.
Kritik kommt aus der Politik. Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels, fürchtet den Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen und würde den Vorgang am liebsten beenden. Berichten zufolge hat Kamieth betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 ausgeschlossen.
Eine Kriegsdividende ist ein dünnes Fundament für einen Elf-Milliarden-Kauf
Der Rückenwind für die europäische Chemie ist geliehen. Der Branchenverband VCI hat schon im Frühjahr gewarnt, dass der Druck nach dem Krieg zurückkehre, und die Unternehmen selbst halten die Belebung für vorübergehend. Kamieth sprach noch im Sommer von der schwierigsten Phase seit 25 Jahren.
BASF kauft also in einem Moment, in dem die Zahlen ungewöhnlich gut aussehen. Ob sie es nach dem Krieg noch tun, bleibt offen. Das macht die Preisdisziplin, die Kamieth verspricht, zum eigentlichen Test.



