Hintergrund: Mehr Abgänge als geplant
Auch bei SAP gab es zuletzt immer wieder Freiwilligen- und Vorruhestandsprogramme, so wie jetzt bei BMW. Anfang 2024 wollte Konzernchef Christian Klein im Zuge des Umbaus in Richtung Cloud und Künstliche Intelligenz zunächst 8.000 Stellen weltweit streichen. Am Ende gingen rund 10.000 Beschäftigte, vor allem in Deutschland, weil der Andrang so groß war. Wie sich das aus Sicht eines Betroffenen anfühlt und was er finanziell bedacht hat, erzählt ein früherer Manager.

„Es musste finanziell passen“
„Ich war damals Anfang 60 und hatte über 20 Jahre bei SAP gearbeitet“, berichtet er. „In dem Alter fragt man sich ohnehin, was noch vor einem liegt. Entscheidend war aber die Rechnung: Das Geld sollte bis zum regulären Renteneintritt mit 67 reichen.“ Er setzte sich mit seiner Frau zusammen und rechnete. Das Ergebnis fiel schnell eindeutig aus: Das Paket passte für beide, und er meldete sich.
Was das Paket bot
Finanziell sei es „äußerst lukrativ“ gewesen. Es gab grob 1,5 Monatsgehälter je Beschäftigungsjahr, dazu Boni und Guthaben aus dem Arbeitszeitkonto, die mit verrechnet wurden. Bei mehr als 20 Jahren im Unternehmen ergibt das rechnerisch über 30 Monatsgehälter, das ist meine Überschlagsrechnung. Dadurch blieb das monatlich verfügbare Einkommen für viele Freiwillige nach dem Ausscheiden fast so hoch wie vorher.
Zur Wahl standen zwei Wege: weiter bei SAP angestellt bleiben und ein monatliches Gehalt beziehen, ohne zu arbeiten, oder sofort mit einer Einmalzahlung ausscheiden. SAP arbeitete dabei mit einem auf Abfindungen und Vorruhestand spezialisierten Beratungsunternehmen zusammen. In mehreren Videogesprächen wurde seine persönliche Lage durchgerechnet. „Ich hatte nie das Gefühl, mich später über eine Unterschrift oder eine Klausel ärgern zu müssen“, sagt er. Alle Zwischenschritte seien schriftlich festgehalten worden, alles sei transparent und fair gewesen.

Zwischen Freude und Selbstzweifeln
Von der Interessensbekundung bis zum Abschied vergingen drei bis vier Monate. Die Gefühle kamen in Wellen. Nach der ersten Freude über die neue Freiheit stellten sich Selbstzweifel ein. „Ich habe mich immer wieder gefragt, was ich künftig machen will, noch einmal einen anderen Job oder ein neues Studium“, erzählt er. Das sei vermutlich normal, jeder frage sich, ob der Abschied richtig war.
Ins Loch gefallen sei er nie. Auf das Abstellgleis habe er sich nicht gestellt gefühlt. Im Gegenteil: Die Schlagzahl bei SAP sei immer hoch gewesen, nach dem Abschied sei Druck von ihm abgefallen. „Ich muss nicht mehr ständig ein Wochenende opfern, weil im Büro etwas Dringendes ansteht.“ Die Entschleunigung sei für ihn der größte Gewinn.
Heute: Zeit für die Familie
Heute kümmert er sich vor allem um private Dinge und hat deutlich mehr Zeit für die Familie. Hin und wieder arbeitet er noch, wobei er selbst bestimmt, in welchem Umfang und für was.
„Ich bin jetzt vor allem selbstbestimmt“, fasst er zusammen. Sein Fazit: „Ich habe den Schritt nie bereut.“
Was Leser daraus mitnehmen können
Der Bericht ist die Erfahrung eines Einzelnen, kein Muster für alle. Er zeigt aber, worauf es bei einem Angebot ankommt. Erstens: Rechnen Sie bis zum Renteneintritt, nicht nur bis zum nächsten Jahr. Zweitens: Prüfen Sie, ob Einmalzahlung oder bezahlte Freistellung besser passt. Drittens: Suchen Sie sich unabhängige Beratung, auch wenn der Arbeitgeber Berater stellt. Viertens: Planen Sie Zeit für die Frage, was Sie nach dem Abschied tun wollen, denn Selbstzweifel sind laut diesem Bericht normal.

Für Anleger lohnt der Blick auf die Unternehmen. Freiwilligenprogramme kosten kurzfristig Geld, senken aber dauerhaft die Personalkosten. Bei SAP lag die Zahl der Abgänge deutlich über dem Plan, was die Einsparung vergrößerte, aber auch Wissen kostet. Wer ein solches Angebot erhält, sollte es nicht allein am Betrag messen. Dies ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.

