04. November, 2026

Unternehmen

Strategy finanziert den Rückkauf der eigenen Vorzugsaktie mit neuen Stammaktien, nicht mit Bitcoin-Käufen

In der vergangenen Woche floss der größere Teil der frischen Mittel nicht in Bitcoin, sondern in den Rückkauf der Vorzugsaktie STRC. Für Stammaktionäre heißt das mehr Verwässerung bei kaum wachsendem Bitcoin-Bestand je Aktie.

Strategy finanziert den Rückkauf der eigenen Vorzugsaktie mit neuen Stammaktien, nicht mit Bitcoin-Käufen
Der Bitcoin-Bestand je Aktie ist seit Jahresbeginn um 3,7 Prozent gesunken, der Bestand liegt bei 849.327 Bitcoin.

Die Zahlen der Woche

Strategy hat vom 26. Oktober bis 1. November gut 1,18 Millionen neue Stammaktien über sein ATM-Programm platziert und netto 164 Millionen Dollar eingesammelt. Das geht aus einer Pflichtmitteilung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervor. Nur der kleinere Teil landete in Bitcoin: 65,5 Millionen Dollar flossen in 811 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von gut 80.800 Dollar. Die übrigen 98,5 Millionen Dollar gingen in die Barreserve „USD Cash“.

Aus diesem Topf zahlte Strategy 208,2 Millionen Dollar für knapp 2,1 Millionen Stück der Vorzugsaktie STRC zurück, rechnerisch rund 99,50 Dollar je Papier und damit knapp unter dem Nennwert von 100 Dollar. Die Barreserve sank von 242,4 auf 132,7 Millionen Dollar. Der Bitcoin-Bestand stieg auf 849.327 Einheiten. Er lag Anfang Oktober bei 848.000.

Warum der Rückkauf

Hinter dem Kapitalkarussell steht ein Kurswechsel. Nach Bloomberg brachte Chairman Michael Saylor im Mai 2026 erstmals ins Spiel, sein Mantra „Never sell“ zu lockern, nachdem der Bitcoin-Verfall das Modell ausgebremst hatte, Aktien mit Aufschlag zu platzieren. Ende Juni folgte die Wende zum aktiven Kapitalmanagement. STRC spielt dabei die Hauptrolle. Im zweiten Quartal finanzierte Strategy Bitcoin-Käufe über 5,46 Milliarden Dollar mit dem Papier, im dritten Quartal kam daraus nichts mehr.

OPEC+ stellt Ölproduktion ein – Dezember-Entscheidung
Sieben OPEC+-Mitglieder halten ihre Förderquoten im Dezember unverändert. Nach dem Abbau aller freiwilligen Kürzungen im September folgt jetzt die Ruhe vor dem Sturm – oder echte Marktstabilität?

Laut Investorenpräsentation vom 13. August gibt der Konzern neue STRC-Stücke nicht unter 100 Dollar aus. Schon am 30. Juli nannte das Management einen Zielkorridor von 99 bis 100 Dollar und kündigte Rückkäufe an, solange das Papier darunter notiert. Seit Jahresbeginn kaufte Strategy bis zum 25. Oktober rund 21 Millionen STRC-Papiere für etwa 2,04 Milliarden Dollar zurück, im Schnitt zu 97,39 Dollar. Vom Rückkaufrahmen über drei Milliarden Dollar sind noch 748,6 Millionen Dollar übrig, gut das Dreieinhalbfache der Wochensumme.

Die Reserve für Zinsen und Dividenden

Neben der Barreserve führt Strategy eine separate Dollarreserve für Dividenden und Zinsen. Sie sank nach Ausschüttungen von 43,4 Millionen Dollar auf 4,79 Milliarden Dollar. Zusammen mit der Barreserve ergeben sich rund 4,92 Milliarden Dollar, nach 5,07 Milliarden am 25. Oktober. Laut Quartalsbericht deckten sie damals Dividenden und Zinsen für etwa 3,4 Jahre. STRC zahlt zwölf Prozent Dividende, die seit dem 1. November täglich anfällt.

Der Haken für Stammaktionäre

Für Inhaber der MSTR-Aktie ist die Rechnung zweischneidig. Strategy argumentiert, dass jeder Rückkauf unter Nennwert vorrangiges Kapital mit Abschlag tilgt und die künftige Dividendenlast senkt. Gleichzeitig zahlen die Stammaktionäre den Umbau mit Verwässerung: Der Bitcoin-Bestand je verwässerter Aktie ist laut der konzerneigenen Kennzahl BTC Yield seit Jahresbeginn bis zum 25. Oktober um 3,7 Prozent gesunken. Das passt nicht zum Anspruch von CEO Phong Le, der laut CNBC im Mai den Zuwachs an Bitcoin je Aktie als wichtigsten langfristigen Hebel bezeichnet hatte. Das Rückkaufprogramm für Stammaktien über eine Milliarde Dollar bleibt unberührt, zugreifen will Strategy dort laut Quartalsbericht erst unterhalb des inneren Werts.

KapitalHorizont
Thoughts, stories and ideas.

Der neue Bitcoin-Kauf liegt zudem im Minus: Der Bitcoin notierte am Montag bei rund 76.900 Dollar, knapp fünf Prozent unter dem Durchschnittspreis der Wochenkäufe. Das ist meine Rechnung. Die Aktie lag zuletzt bei 118,82 Euro, ein Plus von gut einem Prozent.

Was als Nächstes zählt

Der nächste belastbare Datenpunkt ist das Wochenupdate bei der SEC. Taucht in der STRC-Zeile des ATM-Programms wieder ein Verkaufsvolumen auf, wäre das ein Signal, dass das Papier stabil am Nennwert handelt und Strategy Bitcoin-Käufe wieder über Vorzugsaktien finanzieren kann statt über neue Stammaktien. Saylor sieht STRC bereits auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Die Wochenzahlen zeichnen ein vorsichtigeres Bild: Der Konzern kauft weiter selbst und hat erneut kein neues STRC-Papier verkauft.

Finfluencer-Empfehlung in 5 Minuten selbst | AlleAktien
AlleAktien zeigt fünf einfache Prüfschritte, mit denen sich riskante Finfluencer-Empfehlungen in wenigen Minuten selbst einordnen lassen.

Einordnung für Anleger

Strategy ist längst mehr als ein reiner Bitcoin-Hebel. Das Unternehmen betreibt aktives Kapitalmanagement, und die Stammaktionäre tragen die Kosten. Das Modell funktionierte, solange Aktien mit Aufschlag zum Bitcoin-Wert verkauft werden konnten. Heute stützt der Konzern seine Vorzugsaktie, um deren Preis nahe dem Nennwert zu halten, und finanziert das aus der Ausgabe neuer Stammaktien. Das bremst das Wachstum des Bitcoin-Bestands je Aktie.

Wer investiert ist, sollte neben dem Bitcoin-Kurs die BTC-Yield-Kennzahl, den Kurs von STRC und die Größe der Reserve beobachten. Der Bitcoin steht nur knapp über dem durchschnittlichen Einstandspreis von rund 75.400 Dollar, den ich in meinem Text vom Freitag genannt hatte. Dies ist keine Anlageberatung.