Die Fassade des pfälzischen Traditionskonzerns schimmert in trügerischem Glanz, doch dahinter tobt ein erbitterter Kampf gegen den finanziellen Kontrollverlust. Bei der Vorlage der endgültigen Bilanzzahlen in Bornheim untermauerte die Führung der HORNBACH Holding zwar einen Rekordumsatz von 6,4 Milliarden Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr, die fundamentale Ertragskraft schwindet jedoch im Rekordtempo. Ein toxischer Mix aus unkontrollierbaren Ausgabensteigerungen im Personal- und Infrastrukturbereich frisst die operativen Gewinne auf und lässt die Alarmglocken in den Frankfurter Handelssälen schrillen.
Die Konzernspitze versucht den Ernst der Lage mit Verweisen auf eine vermeintlich erfreuliche Frühjahrssaison zu kaschieren, doch die nackten Zahlen lügen nicht. Was der Markt als stabilen Baumarktriesen wahrnehmen soll, entpuppt sich als verwundbarer Gigant, der sich im Klammergriff makroökonomischer Fehlentwicklungen befindet.
Geopolitische Brandherde und der unerbittliche Kostendruck ersticken jede Hoffnung auf ein echtes Renditewachstum im Keim
Hinter den verschlossenen Türen der Konzernzentrale regiert die nackte Vorsicht, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich dramatisch verschlechtert. Unternehmenschef Albrecht Hornbach musste am Dienstag einräumen, dass die strategischen Planungen für das laufende Jahr auf extrem wackligen Beinen stehen. Die globalen Unsicherheiten schlagen direkt auf die Lieferketten und die internen Strukturen durch.
„Die Frühjahrssaison hat zwar bisher erfreulich gestartet, es ist jedoch damit zu rechnen, dass aktuelle geopolitische Entwicklungen negative Auswirkungen auf die Kostenentwicklung und die Nachfrage im Handel haben werden“, so Albrecht Hornbach.
Diese unverblümte Warnung des CEOs zeigt, wie tief der Stachel der Verunsicherung sitzt. Trotz eines leichten Erlösplus von 3,8 Prozent sackte das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im abgelaufenen Turnus um 1,8 Prozent auf 264,7 Millionen Euro ab. Vor allem das traditionell extrem wichtige vierte Quartal entpuppte sich als betriebswirtschaftliches Desaster, in dem das bereinigte operative Ergebnis mit minus 34,8 Millionen Euro tief in die roten Zahlen rutschte.
Die Spirale aus steigenden Ausgaben lässt sich nicht mehr stoppen. Insbesondere die Aufwendungen für die Modernisierung der IT-Infrastruktur sowie unaufschiebbare Instandhaltungsmaßnahmen an den bestehenden Immobilien fressen die Erlöse schneller auf, als sie an den Kassen eingenommen werden können.
Die laufenden Tarifverhandlungen im deutschen Einzelhandel drohen das ohnehin stark angeschlagene operative Ergebnis komplett zu zertrümmern
Ein weiterer Brandherd lodert an der Heimatfront, wo die Personalkosten die Profitabilität massiv gefährden. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr kletterten die internen Aufwendungen für die Belegschaft um signifikante 4,5 Prozent nach oben, getrieben durch erste Gehaltserhöhungen und den personellen Mehraufwand für die internationale Expansion.
Für das soeben angelaufene neue Geschäftsjahr wagt das Management daher gar nicht erst, den Investoren ein Gewinnwachstum in Aussicht zu stellen. Stattdessen prognostiziert die Konzernspitze lediglich ein bestenfalls stagnierendes bereinigtes Ebit.
Wie verheerend der finale Schlag gegen die Bilanz ausfällt, hängt maßgeblich vom Ausgang der zähen Tarifkonflikte im heimischen Einzelhandel ab. Sollten die Gewerkschaften ihre Maximalforderungen durchsetzen, gerät die kalkulierte operative Marge von zuletzt mageren 4,1 Prozent endgültig unter die Räder.
Der dramatische Kollaps des deutschen Bausektors erweist sich als bleierner Bremsklotz für die gesamte Baustoffsparte
Während das klassische Endkundengeschäft in den Baumärkten die Marktanteile in Deutschland mühsam auf 15,7 Prozent hievte, kollabiert das professionelle Bausegment zusehends. Die Sparte HORNBACH Baustoff Union leidet extrem unter der anhaltenden Stagnation auf den hiesigen Baustellen und dem quasi zum Erliegen gekommenen Wohnungsneubau.
Der Umsatz in diesem Bereich rutschte konsequent von 357,1 Millionen Euro auf 352,4 Millionen Euro ab. Das Management versucht verzweifelt, diesen Negativtrend durch Akquisitionen wie den jüngsten Zukauf eines Standortes im saarländischen Sankt Wendel abzufedern, doch der strukturelle Niedergang der Bauwirtschaft lässt sich durch punktuelle Expansionen nicht kompensieren.
Die Schieflage schlägt voll auf das Nettoergebnis durch. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss schrumpfte um 1,6 Prozent auf nur noch 138,4 Millionen Euro, was das Ergebnis je Aktie auf 8,66 Euro drückt.
Die verhaltene Prognose schockiert das Frankfurter Parkett und lässt optimistische Analystenschätzungen wie Kartenhäuser einstürzen
Am Aktienmarkt lösten die endgültigen Zahlen und vor allem der mutlose Ausblick auf das Jahr 2026/27 eine Welle der Enttäuschung aus. Die Mehrheit der Branchenanalysten hatte im Vorfeld fest mit einer spürbaren operativen Kehrtwende und einem klaren Ebit-Zuwachs gerechnet. Das Eingeständnis des Vorstands, dass man froh sein müsse, das Vorjahresniveau beim Gewinn irgendwie zu halten, gleicht einer Bankrotterklärung gegenüber den Wachstumserwartungen des Marktes.
Zwar verhinderte die Ankündigung einer unveränderten Dividende von 2,40 Euro je Aktie einen sofortigen, panikartigen Ausverkauf des Titels, doch die langfristige Perspektive bleibt düster. Finanzexperten wie Thomas Maul von der DZ Bank versuchen zwar, die defensive Haltung als gewohnt konservative Taktik des Managements herunterzuspielen, doch das Vertrauen der Investoren ist nachhaltig erschüttert.
Die fundamentale Bewertung der Aktie mag mit einem historisch niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis optisch günstig erscheinen, spiegelt jedoch primär das enorme Risiko wider, das die Anleger angesichts der galoppierenden Inflation auf der Kostenseite nicht mehr bereit sind zu tragen.
