Die Wahlkampagne der Christdemokraten in Sachsen-Anhalt sollte eigentlich politische Stärke und seriöse Regierungskompetenz vermitteln. Doch in der heißen Phase vor der Landtagswahl liefert die Truppe um Ministerpräsident Sven Schulze ein Kommunikationsdebakel, das in die Lehrbücher für verunglücktes Marketing eingehen wird. Anstatt die drängenden wirtschaftlichen Probleme des Landes souverän zu adressieren, präsentiert sich der Spitzenkandidat unfreiwillig als biblischer Heiland.

Der Auslöser dieser beispiellosen Blamage sind zwei direkt nebeneinander existierende Wahlplakate, die derzeit das Straßenbild prägen und das Netz in helle Aufregung versetzen. Die visuelle Botschaft, die eigentlich Vertrauen ausstrahlen sollte, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein gigantischer handwerklicher Fehler der verantwortlichen Kampagnenplaner.
Die PR Strategen der Union verwandeln den Wahlkampf in eine absurde Komödie
Auf dem ersten Plakat wirbt der Ministerpräsident vollmundig mit dem Versprechen auf eine gute Medizin und eine verlässliche Gesundheitsversorgung. Flankiert wird diese politische Botschaft von einer Frau, die offensichtlich auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Sie soll dem Betrachter die Lebensrealität von pflegebedürftigen Menschen in Sachsen-Anhalt näherbringen. Bis hierhin wirkt alles wie eine klassische, wenn auch sehr biedere und vorhersehbare Wahlkampfwerbung aus dem Baukasten.
Doch das zweite Motiv, das in unmittelbarer zeitlicher und räumlicher Nähe plakatiert wurde, lässt den aufmerksamen Betrachter fassungslos zurück. Auf diesem Plakat strahlt exakt dieselbe Frau fröhlich an der Seite von Sven Schulze. Von einem Rollstuhl fehlt hier jedoch jede Spur. Sie steht fest auf beiden Beinen und posiert wie ein typisches Fotomodel für die Kameras der Werbeagentur.

Diese plumpe Doppelverwertung derselben Darstellerin in völlig widersprüchlichen Lebenssituationen offenbart eine eklatante Lieblosigkeit im Umgang mit den Wählern. Die Agentur der CDU hat ganz offensichtlich ein schnelles Fotoshooting mit Statisten abgehalten und die Bilder anschließend ohne jeden Sinn und Verstand über die Plakatwände des Landes verteilt.
Das Internet verspottet den Ministerpräsidenten als wundersamen Heiler der Kranken
Die digitale Reaktion auf diesen amateurhaften Fehltritt ließ nicht lange auf sich warten. In den sozialen Netzwerken entlud sich ein gewaltiger Shitstorm, der weniger von politischer Empörung als von blankem Hohn und beißendem Spott geprägt war. Der konservative Landesvater mutierte innerhalb weniger Stunden zur ultimativen Lachnummer der Republik.
Die Nutzer überboten sich gegenseitig mit sarkastischen Kommentaren und kreativen Fotomontagen. Besonders populär wurden abgewandelte Bibelzitate, die den Ministerpräsidenten in eine Reihe mit Jesus Christus stellten. Ein Nutzer brachte die Absurdität der CDU Kampagne treffend auf den Punkt, indem er schrieb, Jesus heile die Lahmen, Sven Schulze mache das einfach auf dem nächsten Plakat.
Ein anderer Kommentator formulierte spöttisch, dass dort im Tempel Blinde, Gelähmte und Rollstuhlfahrer zu ihm kamen und Sven Schulze sie reihenweise heilte. Die massive Häme traf die Parteizentrale in Magdeburg völlig unvorbereitet. Anstatt durch eine souveräne Krisenkommunikation das Feuer zu ersticken und den eigenen Fehler humorvoll einzuräumen, lieferte die CDU im Anschluss eine Rechtfertigung, die das Desaster nur noch weiter anfeuerte.

Die hilflosen Ausreden der Parteizentrale machen das Desaster nur noch schlimmer
Die Bild Zeitung konfrontierte die Magdeburger Wahlkämpfer direkt mit der viralen Katastrophe. Die Reaktion der Verantwortlichen wirkte dabei erschreckend weltfremd und hilflos. Man zeigte sich in den Parteibüros allen Ernstes verwundert über die massive Aufregung im Netz. Es gehe bei den Plakaten schließlich lediglich darum, Botschaften mit gestellten Situationen zu den jeweiligen Wahlkampfsprüchen zu vermitteln.
Eine Sprecherin der CDU versuchte ernsthaft, die peinliche Doppelung mit einer hanebüchenen Argumentation zu rechtfertigen. Auf den Plakaten seien „Menschen aus Sachsen-Anhalt zu sehen, die uns von ihren Erfahrungen und aus ihrem Alltag erzählt haben“, erklärte die Parteivertreterin. Dies gelte selbstverständlich auch für die abgebildete Frau auf den beiden kritisierten Motiven.
Die Partei räumte im gleichen Atemzug zwar ein, dass die abgebildete Dame gar keine dauerhafte Rollstuhlfahrerin sei. Doch die nachgeschobene Erklärung dafür trieb den Spott auf die absolute Spitze. Wer nach einer ärztlichen Behandlung oder einem Krankenhausaufenthalt zeitweise im Rollstuhl sitze oder auf Unterstützung angewiesen sei, könne laut CDU selbstverständlich trotzdem laufen. Diese fadenscheinige Ausrede beleidigt die Intelligenz jedes wählenden Bürgers massiv und macht den gesamten Vorgang nur noch peinlicher.
Der politische Totalschaden offenbart eine erschreckende handwerkliche Inkompetenz
Der Fall zeigt eindrücklich, wie tiefgreifend die Entfremdung zwischen dem politischen Establishment und der Lebensrealität der Bürger mittlerweile fortgeschritten ist. Wenn eine hochbezahlte Regierungspartei nicht einmal in der Lage ist, eine in sich logische und fehlerfreie Plakatkampagne auf die Beine zu stellen, stellen sich unweigerlich drängende Fragen nach der generellen Regierungsfähigkeit.

Sven Schulze wollte sich in diesem Wahlkampf als seriöser Macher präsentieren und steht nun als unfreiwilliger Komiker vor den Trümmern seiner PR Strategie. In einer ohnehin extrem angespannten politischen Großwetterlage, in der die Union massiv unter Druck steht und die AfD in den Umfragen neue Rekorde bricht, ist ein solches PR Fiasko tödlich. Die Wähler verzeihen der Politik vieles, aber sie verzeihen niemals unfreiwillige Komik auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit.
Die absurde Inszenierung als wundersamer Heiler wird Schulze in diesem Wahlkampf wie ein dunkler Schatten begleiten und von eigenen Inhalten ablenken. Es bleibt wohl nur noch abzuwarten, wann die Christdemokraten verzweifelt neue Plakate drucken lassen, auf denen ihr Ministerpräsident trocken Fußes über die Elbe spaziert.

