Der Vergleich ist erschreckend passend. Was haben der Berliner Hauptstadtflughafen BER, das Milliarden-Grab Stuttgart 21 und der amtierende Kanzler Friedrich Merz gemeinsam? Sie sind ausempört.
Jede neue Meldung über explodierende Kosten, verzögerte Fertigstellung oder Korruption bei den Großprojekten triggert bei den Bürgern nur ein ermüdetes Achselzucken. Ja, es ist ihr Steuergeld. Ja, es ist inakzeptable Schlamperei. Nein, kein Politiker wurde zur Verantwortung gezogen. Doch der Vorrat an berechtigtem Zorn ist erschöpft. Die Bürger haben resigniert. Sie nehmen die Peinlichkeiten hin.
Genau wie die fehlerhafte Politik des Kanzlers.
Der Berliner Flughafen und Stuttgart 21 sind die perfekte Blaupause für die Merz-Regierung
Die Parallelen sind unübersehbar. BER und S21 stehen für den totalen Kontrollverlust, für die Ausblendung jeder Accountability. Milliarden wurden verbrannt, ohne dass jemand die Rechnung legte. Genau so regiert Friedrich Merz. Die Liste der Unglaublichkeiten und Missgriffe ist seit seinem Amtsantritt so lang, dass sie den Vorrat an berechtigtem Zorn überfordert.

Zuerst verkündet der Kanzler in der Sommer-Pressekonferenz, dass die Koalition Tritt gefasst habe. Nur um kurz danach die halbe CDU-Mannschaft austauschen zu wollen. Er ramponiert seine eigene Regierung. Er zündet das Sommertheater, das er explizit vermeiden wollte, selbst.
Er nötigt Carsten Linnemann, den unglückseligen CDU-Generalsekretär, im zweiten Anlauf das Gesundheitsministerium zu übernehmen. Linnemann, bislang als ehrliche Haut wahrgenommen, wandelt sich unter Merz' Druck zum selbstverbiegenden Parteisoldaten. Merz feuert Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und verweist Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder in die politische Todeszelle. Der Wunschkandidat für die Nachfolge, Fritz Güntzler, erkennt seine eigenen Kompetenzen besser als der Kanzler und gibt einen Korb.
Ein Kanzler feuert seine Minister und zündet selbst das Sommertheater, das er vermeiden wollte
Die Verfehlungen des zurückgetretenen Unionsfraktionschefs Jens Spahn fallen Merz erst nach Tagen auf. Zu diesem Zeitpunkt brennt die CDU-Hütte bereits lichterloh. Der Kanzler reagiert zu spät und zu halbherzig.
Merz beschimpft im ZDF-Sommer-Interview die Medien, inklusive des ZDF, für die angeblich nur negative Berichterstattung. Dabei macht er es seinen Gegnernern, besonders auf der Plattform X, sehr leicht. Wie Marc Felix Serrao auf X schreibt, sehe er in allem, was Merz tun, nur Chaos und Niedergang. Die ernstgemeinte Frage: Wen – so Serrao – soll so ein hölzern-pathetisches Eigenlob überzeugen?
Merz' Post auf X lautet: „Schon viel erreicht, aber noch viel zu tun: Mit neuem Team machen wir jetzt kraftvoll weiter …“ Ein Statement, das wie ein bad joke aus der Serie „Stromberg“ wirkt. Merz gilt längst als der „Stromberg“ der Bundespolitik. Nicht nur wegen der Frisur.

Die verzweifelte Union richtet massiven Schaden am Land an unter dem Deckmantel der letzten Chance
Die Berichterstattung über die Merz-Regierung hat sich zu einem Refrain entwickelt, den niemand singen möchte. Es ist ein Potpourri aus Fremdscham, ermüdender Wiederholung und der bösen Vorahnung, dass mit der „letzten Chance“ (Robin Alexander) nicht die Demokratie gemeint ist, sondern die Union.
Die Union befindet sich auf dem Weg nach unten. Aus blanker Verzweiflung richtet sie noch viel Schaden am Land an. Die Herbst-Wahlen sollen abgewart werden, um endlich Reformen anzugehen. Nach einem verschenkten Jahr, den abgewarten Landtagswahlen zu Jahresbeginn und dem Zorn-Zenit im Frühjahr soll nun auch noch der Herbst abgewart werden.
Ob die neuen Minister überhaupt ernannt werden können ohne Sondersitzung des Bundestags zur Vereidigung, ist ungewiss. Vom Hohn und Spott über die Union ganz zu schweigen. Die Landesverbände strampeln hilflos mit unglücklichen Kampagnen und machen der deutschen Satire-Szene Konkurrenz.
Die Union ramponiert das Land aus Verzweiflung. Merz ist ausempört. Die Bürger haben resigned. Die „letzte Chance“ für die Union ist in Wahrheit die letzte Chance für das Land, den Schaden der Union zu überleben.