Warum Anleihen wieder ein Thema sind
Festverzinsliche Papiere lohnen sich wieder. Zehnjährige US-Staatsanleihen bringen aktuell rund 5,1 Prozent Rendite, wenn Sie sie bis zum Ende der Laufzeit halten. Bundesanleihen gleicher Laufzeit kommen auf knapp 3,4 Prozent. Die Renditen sind so hoch wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Kein Wunder, dass auch Anleger, die bisher nur Aktien oder Tagesgeld kannten, über Anleihen nachdenken.

Der bequemste und günstigste Weg führt über Indexfonds (ETFs). Dabei gibt es aber ein paar Besonderheiten, die Sie kennen sollten, bevor Sie kaufen.
So funktioniert ein Anleihe-ETF
Ein Anleihe-ETF bildet wie ein Aktien-ETF einen Index nach. Das kann ein breiter Index wie der Bloomberg Global Aggregate sein, der Staats- und Unternehmensanleihen enthält, oder ein Index, der nur Staatsanleihen oder nur Firmenanleihen umfasst.
Der entscheidende Unterschied zur Einzelanleihe: Der Fonds hält seine Papiere meist nicht bis zum Ende der Laufzeit. Er verkauft sie vorher und kauft neue mit passender Restlaufzeit. Zwischendurch schwankt der Kurs. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse, und umgekehrt. Der Fonds muss deshalb manchmal mit Verlust verkaufen, kann dafür aber neue, höher verzinste Papiere ins Portfolio nehmen.
Genau das erleben viele Anleihe-ETFs gerade: herbe Kursverluste, aber gleichzeitig deutlich höhere Renditen für das, was sie neu kaufen. Die Rendite, die Sie in Zeitungen sehen, ist übrigens immer die Rendite bis zur Fälligkeit. Am Ende der Laufzeit bekommen Sie den Nennwert zurück, sofern der Schuldner nicht ausfällt. Ein ETF ohne festes Laufzeitende gibt Ihnen diese Sicherheit nicht.

Schritt eins: Klären Sie, wofür das Geld gedacht ist
Die Wahl des Produkts hängt vom Ziel ab. Brauchen Sie das Geld zu einem festen Zeitpunkt, etwa zum Rentenbeginn, sind einzelne Anleihen mit passender Fälligkeit die bessere Wahl. Wollen Sie langfristig streuen oder flexibel Geld parken, kommen ETFs in Frage. Die folgende Übersicht zeigt die Optionen. Sie nennt Beispiele aus der Auswahl der WirtschaftsWoche, keine Kaufempfehlung für Ihre persönliche Lage.
| Ziel | Produkttyp | Beispiel (ISIN) | Worauf achten |
|---|---|---|---|
| Breit streuen, günstig anlegen | Klassischer Anleihe-ETF | Vanguard Global Government Bond (IE000B1A2798), Vanguard Global Aggregate Bond (IE00BG47KH54) | Kursschwankungen, Bonität im Index |
| Geld bis zu einem Stichtag anlegen | iBonds mit Laufzeitende | iShares iBonds Dec 2031 Term € Corp (IE000I2WYEU9) | Hoher Bankanleihenanteil |
| Tagesgeld ersetzen | Overnight-Swap-ETF | Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap 1C (LU0290358497) | Keine Einlagensicherung |
| Geld flexibel und sicher parken | Kurzläufer auf Staatsanleihen | Amundi Prime Euro Government Bond 0-1Y (LU2233156582) | Anteil Frankreich und Italien |
Der klassische Anleihe-ETF
Wer günstig und breit streuen will, findet hier den Standard. Ein Staatsanleihen-ETF wie der Vanguard Global Government Bond (IE000B1A2798) enthält Papiere mit mindestens einem Jahr Restlaufzeit. Wer auch Unternehmensanleihen will, nimmt einen Fonds auf den Global Aggregate, etwa den Vanguard Global Aggregate Bond (IE00BG47KH54). Die Mindestanlage ist niedrig, Sparpläne sind möglich.

Weil die Kurse schon stark gefallen sind, ist der Einstieg nach Einschätzung der WirtschaftsWoche nicht der schlechteste Zeitpunkt. Zwischenzeitliche Verluste bleiben trotzdem möglich.
Schauen Sie vor dem Kauf auf die Zusammensetzung des Index. Viele Anleiheindizes gewichten nach dem Volumen der ausstehenden Anleihen. Wer besonders viele Schulden hat, hat also mehr Gewicht. Das kann Risiken bergen. Die Bonität der Schuldner ist deshalb ein Kriterium. Für mehr Stabilität sollte sie im Schnitt bei AA liegen.
iBonds: ETFs mit Laufzeitende
Wer Kursverluste fürchtet oder Geld bis zu einem bestimmten Datum anlegen will, kann zu den iBonds von Blackrock greifen. Anders als normale Anleihe-ETFs halten sie ihre Papiere bis zur Fälligkeit. Sie haben wie eine Einzelanleihe ein Enddatum, sodass Sie planen können, wann das Geld zurückkommt. Anders als Festgeld lassen sie sich zwischendurch verkaufen. Die Streuung ist so breit wie bei normalen ETFs, die Kosten liegen bei 0,12 Prozent im Jahr.

Als Beispiel nennt die WirtschaftsWoche den iShares iBonds Dec 2031 Term € Corp (IE000I2WYEU9). Er investiert in Euro-Unternehmensanleihen, ein Währungsrisiko gibt es also nicht. Fällig wird er im Dezember 2031, die durchschnittliche Rendite bis dahin liegt bei rund 4,2 Prozent. Nachteil: Mehr als ein Fünftel des Portfolios besteht aus Bankanleihen.
Overnight-Swap-ETFs: die Alternative zum Tagesgeld
Tagesgeld bringt derzeit etwa vier Prozent, bei Anbietern wie Chase, DKB oder Openbank. Diesen Satz zahlen die Banken aber meist nur Neukunden und zeitlich befristet. Bei einer Inflation von etwas mehr als drei Prozent bleibt real ein kleiner Ertrag. Wer dauerhaft gute Zinsen will, muss regelmäßig die Bank wechseln.

Eine Alternative sind Overnight-Swap-ETFs. Sie bilden den Zins ab, zu dem sich Banken über Nacht Geld leihen. Der größte, der Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap 1C (LU0290358497), folgt der Euro Short-Term Rate (€STR) plus kleinem Aufschlag und kommt derzeit auf rund 2,5 Prozent. Das ist weniger als das beste Tagesgeld und liegt rechnerisch unter der Inflation, dafür dauerhaft auf Marktniveau. Der Zins ist variabel, die Kosten liegen bei 0,1 Prozent. Weil der Kurs einen Übernachtzins nachzeichnet, drohen auch bei steigenden Zinsen keine Kursverluste.
Wichtig ist der Unterschied zur Bankeinlage. Beim Tagesgeld greift die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Beim ETF gibt es sie nicht. Stattdessen sichert ein Korb aus Wertpapieren das Ausfallrisiko des Swap-Partners ab. Beim Xtrackers-Fonds bestand die Sicherheit zum Stichtag 9. Oktober nur aus Anleihen, vor allem aus Frankreich (26 Prozent), Spanien (knapp elf Prozent) und Deutschland (zehn Prozent). Knapp ein Drittel stammt von Schuldnern mit bester Bonität (AAA). Swap-Partner ist die Deutsche Bank.

Etwas mehr Ertrag brachte zuletzt der Amundi Smart Overnight Return (LU1190417599). Er ist mit Tech-Aktien besichert, etwa von Apple, Microsoft und Amazon. Die Swap-Partner müssen die Aktien dadurch nicht mit Eigenmitteln unterlegen und geben einen Teil des Vorteils weiter. Über zwölf Monate waren es fast 0,5 Prozentpunkte mehr als bei einem mit Anleihen besicherten ETF. Die genannten ISINs sind thesaurierend, Zinsen bleiben im Kurs, was beim längeren Parken vom Zinseszins profitiert. Ausschüttende Varianten gibt es von Xtrackers (LU0335044896) und von Amundi (LU2082999306, nur mit Aktienbesicherung).
Kurzlaufende Anleihen-ETFs: Rendite mit wenig Risiko
Wer etwas mehr als bei Overnight-ETFs will, kann kurzlaufende Anleihen nehmen. Die kurze Laufzeit begrenzt die Verluste, wenn die Zinsen weiter steigen.
Am sichersten sind Fonds auf kurzlaufende deutsche Staatsanleihen, etwa der Deka Deutsche Boerse EUROGOV Germany Money Market (DE000ETFL227) oder der iShares eb.rexx Government Germany 0-1yr (DE000A0Q4RZ9). Beide schütten aus. Über zwölf Monate legten sie nur 1,8 Prozent zu, durch das höhere Zinsniveau ist künftig mehr drin.
Etwas mehr Rendite gibt es mit Staatsanleihen anderer Euro-Länder, etwa mit dem iShares EUR Government Bond 0-1yr (IE00B3FH7618) oder dem Amundi Prime Euro Government Bond 0-1Y (LU2233156582), der thesauriert und nur 0,05 Prozent kostet. Beachten Sie, dass dort fast die Hälfte der Papiere aus den hoch verschuldeten Ländern Frankreich und Italien stammt.

Unternehmensanleihen brachten über zwölf Monate nur minimal mehr. Ein Großteil stammt aus dem Finanzsektor, bei den genannten Fonds mindestens 50 Prozent. Die WirtschaftsWoche rät deshalb zu Staatsanleihen.
Auffällig: US-Kurzläufer brachten über zwölf Monate mehr als sieben Prozent, etwa der iShares USD Treasury Bond 0-1yr (IE00BGSF1X88). Die Hälfte davon waren aber Währungsgewinne durch den stärkeren Dollar. Wer so kauft, wettet auf den Dollar.

Fazit
Anleihe-ETFs sind ein einfacher Weg, vom hohen Zinsniveau zu profitieren, aber kein Selbstläufer. Wer einen festen Auszahlungstermin braucht, nimmt Einzelanleihen oder iBonds. Wer Cash parkt, wählt zwischen Overnight-Swap-ETFs und kurzlaufenden Staatsanleihen und muss dabei wissen, dass es keine Einlagensicherung gibt. Und wer langfristig anlegt, sollte Schwankungen aushalten. Die genannten Fonds sind Beispiele. Prüfen Sie vor dem Kauf Kosten, Zusammensetzung und aktuelle Renditen, denn die Zahlen sind Momentaufnahmen und frühere Wertentwicklungen sagen nichts über künftige aus. Dies ist keine Anlageberatung.






