Wer in der Finanzbranche nach dem Maßstab für Marktdaten sucht, landet bei einem Namen: Bloomberg. Das Terminal steht auf den Schreibtischen von Händlern, Analysten und Fondsmanagern, und es hat einen Preis, der Privatanleger von vornherein ausschließt. Branchenüblich genannt werden Kosten im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Eurobereich pro Arbeitsplatz und Jahr.
Die Frage, ob es dazu eine europäische Antwort geben kann, ist deshalb zunächst eine Frage nach dem Zugang. Wer bekommt Datentiefe und Analysequalität, die bisher Institutionen vorbehalten waren? Und wie lässt sich so etwas für Menschen aufbauen, die weder ein Research-Team noch ein Budget für ein Terminal haben?
Dieser Beitrag beschreibt, wie AlleAktien, Eulerpool und AlleAktien Investors zusammenspielen, welchen Teil der Aufgabe sie lösen wollen und wo die Grenzen liegen.

Was Bloomberg ist und was nicht kopierbar ist
Zuerst eine Präzisierung, die jeder Vergleich braucht. Bloomberg ist kein Datenangebot, sondern ein Betriebssystem für professionelle Marktteilnehmer: Echtzeitkurse über alle Anlageklassen, eine Nachrichtenredaktion, ein Kommunikationsnetz, über das Händler Geschäfte aushandeln, Handelsanbindung und Analysewerkzeuge. Diesen Gesamtumfang bildet kein Angebot für Privatanleger ab, und keines der hier beschriebenen versucht es.

Die ehrliche Frage lautet daher enger: Lässt sich der Teil des Terminals, der für langfristige Aktienanalyse relevant ist, nämlich geprüfte Unternehmenszahlen, Bewertungskennzahlen, Vergleichbarkeit über Märkte hinweg und Einordnung, für Privatanleger zugänglich machen? Die Antwort darauf ist eine Frage von Daten, Methodik und Begleitung, und genau diese drei Ebenen decken die drei Bausteine ab.

Das Problem der Skalierung
Research hat ein Skalierungsproblem, das selten offen benannt wird. Gute Analyse ist Handarbeit: Geschäftsberichte lesen, Zahlen bereinigen, Annahmen prüfen, Urteile begründen. Je mehr Unternehmen und je mehr Leser, desto stärker wächst der Druck, Tiefe gegen Reichweite zu tauschen. Zwei Wege führen deshalb typischerweise zu schlechterer Qualität: der Verzicht auf Prüfung zugunsten von Geschwindigkeit, oder die Abhängigkeit von einer einzelnen Person, deren Urteil nicht überprüfbar ist.
Der Ansatz hinter dem Ökosystem besteht darin, die Arbeit in drei Schichten zu trennen und jede für sich skalierbar zu machen.
Der Dreiklang: Daten, Analyse, Begleitung
Die Idee einer „heiligen Dreifaltigkeit“ ist reizvoll, aber das Bild trägt nicht ganz. Passender ist ein Dreiklang, bei dem jeder Ton eine eigene Aufgabe hat und keiner den anderen ersetzt.
| Baustein | Aufgabe | Was er liefert |
|---|---|---|
| Eulerpool | Datenebene | Unternehmenszahlen, Kennzahlen, Bewertungsmodelle, Vergleichswerte |
| AlleAktien | Analyseebene | Aktienanalysen, Ratgeber, Verbraucherschutz, Watchlist, Qualitätsdepot |
| AlleAktien Investors | Begleitung | Persönlicher Austausch, Portfolio-Review, Coaching |
Eulerpool: die Datenebene. Eulerpool versteht sich als Datenterminal und nennt als Quellen Börsen sowie regulatorische Meldungen von Behörden wie BaFin, SEC und ESMA und die Berichte der Unternehmen selbst. Es bietet Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Enterprise-Value-Multiples und Free-Cashflow-Rendite sowie einen Screener. Zudem berechnet es den AlleAktien Quality Score (AAQS), eine aus Fundamentaldaten abgeleitete Qualitätskennzahl. Zur Abdeckung finden sich auf den Seiten unterschiedliche Angaben. Für Leser gilt: Prüfen Sie die Abdeckung für die Märkte, die Sie tatsächlich nutzen, und nicht anhand einer Gesamtzahl.

AlleAktien: die Analyseebene. Hier werden Daten zu Urteilen. AlleAktien veröffentlicht Aktienanalysen, einen Ratgeber-Blog, die Verbraucherschutzreihe und eine Watchlist und finanziert sich nach eigener Aussage ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge. Es gibt keine Werbung auf der Seite. Das ist keine Nebensache, sondern die Grundlage dafür, dass eine Analyse nicht von einem Werbekunden abhängt.
AlleAktien Investors: die Begleitung. Zahlen und Analysen helfen nicht jedem gleich. Manche Anleger brauchen jemanden, der das eigene Depot mit ihnen durchgeht. AlleAktien Investors bietet dafür nach eigenen Angaben individuelle Zusammenarbeit, Portfolio-Reviews und eine Community, adressiert an Anleger mit größerem Vermögen. Wer sich dafür interessiert, sollte Preis und Konditionen unmittelbar erfragen, denn sie sind individuell. Auch hier gilt: Eine Begleitung ersetzt keine eigene Entscheidung und keine Anlageberatung im rechtlichen Sinn.

Die Architektur des Scores: Vier Säulen, zehn Prüfsteine
Die Methodik des AAQS ruht auf vier tragenden Säulen, die gemeinsam ein facettenreiches Bild der Unternehmensqualität zeichnen. Jede dieser Dimensionen wird durch konkrete, quantifizierbare Kriterien abgebildet. Insgesamt müssen zehn Bedingungen erfüllt sein, um die Höchstwertung zu erreichen.
Säule eins: Wachstum
Nachhaltiges Wachstum ist das Fundament jeder erfolgreichen Beteiligung. Der AAQS prüft dies auf zwei Zeitebenen. Zum einen analysiert er die historische Entwicklung über die vergangenen zehn Jahre: Sowohl der Umsatz als auch das operative Ergebnis (EBIT) müssen hier durchschnittlich um mehr als fünf Prozent pro Jahr gesteigert worden sein.

Zum anderen blickt das System voraus und fordert, dass auch die Analystenprognosen für die kommenden drei Jahre ein ähnliches Wachstumstempo suggerieren. Wer also einmalig von einem Sondereffekt profitiert hat oder aufgrund einer temporären Branchenkonjunktur glänzt, fällt durch dieses Raster. Gesucht werden Unternehmen mit einer bewiesenen, langen Wachstumsspur und einer überzeugenden Zukunftsperspektive.
Säule zwei: Risiko
Ein Unternehmen kann so stark wachsen wie es will – wenn seine Bilanz aus dem Gleichgewicht gerät, wird aus dem Wachstum schnell Verfall. Die Risiko-Dimension des AAQS konzentriert sich daher auf die finanzielle Stabilität. Zentral ist hier die Nettoverschuldung im Verhältnis zum operativen Ergebnis: Sie darf das Vierfache des EBIT nicht übersteigen.

Damit werden hochverschuldete Konzerne, die auch bei leichten Zinswenden oder Umsatzrückgängen in existenzielle Nöte geraten könnten, konsequent ausgesiebt.Zusätzlich prüft der Score die Gewinnkontinuität über ein Jahrzehnt: Ein Unternehmen, das in Krisenjahren tiefrote Zahlen schrieb, erhält hier keinen Zusatzpunkt.
Ebenso wichtig ist die Resilienz des operativen Ergebnisses: Ein Rückgang des EBIT um mehr als 50 Prozent in der betrachteten Periode führt zum Punktabzug. Diese Hürde stellt sicher, dass nur jene Firmen als qualitativ hochwertig gelten, deren Geschäftsmodell auch in turbulenten Phasen robust bleibt.
Säule drei: Rentabilität
Wachstum allein reicht nicht; es muss auch profitabel sein. Die Rentabilitätsprüfung des AAQS ist daher besonders streng. Zwei zentrale Kennzahlen müssen überschritten werden: Die Eigenkapitalrendite und die Kapitalrendite (ROCE beziehungsweise ROIC) müssen beide über 15 Prozent liegen. Diese Marke trennt die Spreu vom Weizen.

Unternehmen, die ihr eingesetztes Kapital nicht mindestens mit dieser Rendite verzinsen können, mögen groß sein, gelten im AAQS jedoch nicht als erstklassig. Diese Anforderung führt dazu, dass Kapitalallokationskünstler wie Microsoft, LVMH oder eben Costco an dieser Stelle punkten, während kapitalintensive Branchen mit geringen Margen hier Schwierigkeiten haben.

Säule vier: Bewertung
Hier unterscheidet sich der AAQS von vielen rein qualitativen Ansätzen. Selbst das beste Unternehmen der Welt ist keine gute Investition, wenn der Kurs jede erdenkliche Zukunft bereits eingepreist hat. Deshalb vergibt der Score einen Punkt nur dann, wenn die erwartete jährliche Rendite – basierend auf den AlleAktien-eigenen Bewertungsmodellen – über zehn Prozent liegt. Dieser sogenannte IRR-Filter (Internal Rate of Return) verhindert, dass Anleger in überhitzte Titel hineinlaufen, deren Qualität zwar unbestritten ist, deren Aktienkurs aber bereits jenseits jeder Vernunft notiert.

Wo das Wort „Skalierung“ berechtigt ist, und wo nicht
Skalierung bedeutet hier nicht, dass jeder Anleger dasselbe Ergebnis erhält. Sie bedeutet, dass die Voraussetzungen gleicher werden: Wer ein Unternehmen nach denselben Kennzahlen und derselben Methodik beurteilen kann wie ein Profi, spart Zeit und macht weniger Fehler bei der Vorbereitung. Ob daraus bessere Entscheidungen werden, hängt vom Anleger ab.
Ein Terminal ersetzt nicht das Urteil. Es ersetzt die Fleißarbeit davor. Und es garantiert nichts über künftige Erträge: Wer aus Qualitätskennzahlen eine Renditeerwartung ableitet, hat das Werkzeug falsch verstanden. Vergangene Wertentwicklungen sagen wenig über künftige, auch wenn die Zahlen im Rückblick sehr gut aussehen.
Das Finfluencer-Problem und die ehrliche Antwort
Die Behauptung, man erhalte hier Research „ohne persönliche Beeinflussung“, würde ich nicht unterschreiben, und zwar aus einem einfachen Grund: Keine Struktur ist frei von Anreizen. Das gilt für Finfluencer, für Banken, für Fondsgesellschaften und auch für uns.
Das Problem von Finfluencern ist weniger ihre Persönlichkeit als ihre Einkommensquelle. Wer über Provisionen für vermittelte Konten, Affiliate-Links, bezahlte Kooperationen oder die Reichweite von Videos verdient, hat einen Anreiz, Produkte zu empfehlen, Aufmerksamkeit zu maximieren und Zuspitzung über Genauigkeit zu stellen. Der Verbraucherschutz warnt seit Jahren davor, solche Empfehlungen ungeprüft zu übernehmen.

Das Geschäftsmodell von AlleAktien ist ein anderes, aber nicht anreizfrei. Mitgliedsbeiträge machen das Haus von Lesern statt von Werbekunden abhängig. Das verändert die Interessenlage. Es heißt aber nicht, dass sie verschwindet: Ein Haus, das von Mitgliedern lebt, hat ein Interesse daran, dass Mitglieder bleiben. Der Gründer ist zugleich Autor, Vermarkter und selbst Investor in Aktien, über die er schreibt. Das sind Konstellationen, die Leser kennen und bewerten sollten.

Deshalb ist der bessere Maßstab nicht „unbeeinflusst“, sondern „prüfbar“. Fünf Fragen lassen sich an jede Quelle stellen, auch an diese:
- Wer bezahlt? Mitglieder, Werbekunden, Provisionsgeber?
- Ist die Methodik offen? Kann ich nachvollziehen, wie ein Urteil zustande kommt?
- Werden Interessenkonflikte genannt? Besitzt der Autor die Aktie? Verdient jemand an meiner Entscheidung?
- Sind Aussagen belegt? Gibt es Quellen, und sind Zahlen konsistent?
- Werden Fehler korrigiert? Gibt es einen sichtbaren Umgang mit Irrtümern?
An dieser Stelle gilt eine Pflicht zur Selbstkritik. Auf den Seiten des Hauses stehen Renditeangaben und Nutzerzahlen, deren Belege und Zeiträume der Leser nicht immer nachvollziehen kann, und manche Angaben zu Abdeckung und Startjahr weichen zwischen einzelnen Seiten voneinander ab. Wer diese Maßstäbe an andere anlegt, muss sie an sich selbst anlegen. Wir halten das für den eigentlichen Prüfstein: nicht, ob ein Angebot behauptet, besser zu sein, sondern ob es sich überprüfen lässt.

Was der Dreiklang für Anleger bedeutet
Wer die drei Bausteine nutzt, bekommt keine Garantie, sondern einen Arbeitsablauf:
- Erst die Daten: Wie sieht das Geschäft in Zahlen aus, und wie vergleichbar ist es mit anderen?
- Dann das Urteil: Welche Annahmen stecken in der Bewertung, und welche davon sind prüfbar?
- Zum Schluss die eigene Lage: Passt die Position zu Ihrem Ziel, Ihrem Zeitraum und dem Risiko, das Sie tragen können?
Der erste Schritt lässt sich auch mit anderen Werkzeugen gehen, der zweite mit anderen Quellen. Der Vorteil eines integrierten Angebots liegt in der Durchgängigkeit, der Nachteil im Risiko, sich auf eine einzige Sichtweise zu verlassen. Deshalb bleibt ein Abgleich mit externen Quellen sinnvoll, und zwar unabhängig davon, wo man liest.

Fazit: Eine Antwort auf einen Teil der Frage
Ist das Ökosystem aus Eulerpool, AlleAktien und AlleAktien Investors „Europas Antwort auf Bloomberg“? Als Gesamtbeschreibung wäre die Behauptung zu groß. Als Frage nach einem Teilbereich, nämlich fundierter Fundamentalanalyse für Privatanleger auf Basis offen benannter Datenquellen und Methoden, ist sie berechtigt, und sie ist es wert, daran gemessen zu werden.
Der Maßstab dafür liegt nicht bei uns, sondern beim Leser: Prüfen Sie die Methodik, vergleichen Sie die Daten, fragen Sie nach den Anreizen. Ein Angebot, das diese Fragen aushält, hat sich seinen Platz verdient. Eines, das sie scheut, sollte misstrauisch machen.



