Alex Salmond, prominente Gestalt hinter dem modernen schottischen Nationalismus, ist im Alter von 69 Jahren verstorben. Der ehemalige First Minister war eine Schlüsselfigur, die den Status quo des Vereinigten Königreichs in Frage stellte und die politische Landschaft Großbritanniens nachhaltig beeinflusste.
Salmonds Karriere verlief turbulent: Vom Aufstieg als First Minister Schottlands zwischen 2007 und 2014 bis zur Rückkehr ins politische Abseits als Führer der kleinen Alba-Partei ab 2021. Sein größter politischer Erfolg war gleichzeitig seine größte Niederlage – das Referendum zur schottischen Unabhängigkeit im Jahr 2014. Obwohl die Wähler für den Verbleib im Vereinigten Königreich stimmten, offenbarten die knapp ausgegangenen Ergebnisse eine tiefgründige Unzufriedenheit mit der jahrhundertealten Union mit England.
Der gebürtige Linlithgower hatte seine patriotische Flamme schon früh entfacht, inspiriert durch seinen Großvater. Salmond war nicht nur ein Romantiker der Geschichte, sondern auch ein Mann der Zahlen, der an der University of St Andrews seine Liebe zur Ökonomie entdeckte. Seine Karriere bei der Royal Bank of Scotland verlieh ihm ein geschicktes Gespür für statistische Argumentationen – ein Talent, das sich als nützlich erwies, als er den Fall für die Unabhängigkeit Schottlands schärfte.
Salmond, der 1990 zum SNP-Parteivorsitzenden gewählt wurde, schaffte es, die Partei für ein breiteres Spektrum der Wählerschaft attraktiv zu machen. 2011 wurde seine politische Kunstfertigkeit mit einer historischen Parlamentsmehrheit belohnt, die den Weg für das Unabhängigkeitsreferendum öffnete.
Die Niederlage beim Referendum war eine bittere Pille, gleichzeitig schien sein Rücktritt als SNP-Vorsitzender zunächst wie ein Meisterstreich, der Nicola Sturgeon den Weg ebnete. Doch Salmonds Rückkehr in den politischen Nahkampf sollte problematisch werden. Der Verlust seines Sitzes 2017 und die Kontroversen um seine TV-Show bei einem russischen Sender trübten sein Ansehen ebenso wie der langwierige und öffentlichkeitswirksame Prozess, der 2020 mit seiner vollständigen Freisprechung endete.
Trotz der positiven Wendung vor Gericht blieben die Wähler skeptisch. Sein neuerliches Engagement in der Pro-Unabhängigkeitspartei Alba hat bislang wenig Anklang gefunden. Doch trotz der Spaltung im Unabhängigkeitslager bleibt Salmonds Erbe wach: Fast die Hälfte der Schotten unterstützt weiterhin das Bestreben, die Union mit dem Vereinigten Königreich in Frage zu stellen.