Mit großer Inszenierung hat sich Wladimir Putin im prächtigen Großen Kremlpalast erneut zum russischen Präsidenten krönen lassen. Während einer von nationalem Pathos geprägten Zeremonie, die landesweit vom Fernsehen übertragen wurde, zeigte sich Putin vor 2600 Gästen siegesgewiss und bekräftigte seine machtvollen Ambitionen. In einer Rede, die eher am Rande auf den Konflikt mit der Ukraine einging und den dort kämpfenden Soldaten dankte, rief der russische Staatschef zum geschlossenen Sieg auf.
In diplomatischer Geste bot er dem Westen Gesprächsbereitschaft an, bestand jedoch darauf, dass Russland unbeirrt seinen selbstbestimmten Weg fortsetzen werde. Eine subtile Demonstration von Russlands Streben nach Autarkie war auch die Wahl seiner Fahrzeugmarke: Putin ließ sich in einem neuen Fahrzeug der heimischen Luxus-Automarke Aurus vorführen, ein signalhafter Akt der Abgrenzung vom Westen.
Putin, der Russlands Geschicke nunmehr seit mehr als zwei Jahrzehnten lenkt, ließ in seiner Darstellung keine Zweifel an der Priorität russischer Interessen und Sicherheit. Die beeindruckende Mehrheit von über 87 Prozent der Stimmen, welche ihm das Präsidentenamt erneut bestätigten, nahm er als Indossament des eingeschlagenen Kurses. Zentral für die Überwindung von Herausforderungen sei laut Putin die Einheit des russischen Volkes – ein Appell, der auch in seinem Amtseid, der Verteidigung der Bürgerrechte und der Verfassung gipfelte.
Doch der Glanz der offiziellen Zeremonie konnte nicht über die Schatten werfen, die seitens der Opposition auf die Wahlprozesse und Putins Regierungsführung geworfen wurden. Die im Exil lebende Julia Nawalnaja bezeichnete Putin als unaufrichtig und mahnte, seine Versprechen seien bisher unerfüllt geblieben. Mit akribischen Vergleichen zwischen Putins vorherigen Ankündigungen und den darauffolgenden Handlungen, wie dem Krieg gegen die Ukraine, skizzierte sie ein Bild der Diskrepanz zwischen Wort und Tat.
Ebenso solidarisch zeigte sich das religiöse Oberhaupt der orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, der in einem Dankgebet zur Einführung seine Loyalität zum Präsidenten und dessen politischer Linie verdeutlichte. Trotz widriger Wetterbedingungen bei der militärischen Parade im Anschluss, schien Putin keine ernsthafte Opposition in Russland fürchten zu müssen.
In einer formalen Regierungstradition bot das Kabinett nach der Zeremonie seinen Rücktritt an, jedoch deutete Putins Rede auf keine bedeutenden Veränderungen in der politischen Führung hin. Es wird erwartet, dass der aktuelle Ministerpräsident Michail Mischustin im Amt verbleibt.