Die Anleger an den US-Börsen sind vor der erwarteten Ankündigung der heimischen Notenbank hinsichtlich Wirtschafts-, Inflations- und Zinsprognosen am Mittwoch vorsichtig. Dies zeigt sich besonders deutlich in einem volatilen Marktumfeld, das durch uneinheitliche Quartalsberichte großer Konzerne geprägt ist. Die jüngsten Daten des Conference Board zur Verbraucherstimmung im Juli waren besser als erwartet, konnten jedoch nur wenig Bewegung auslösen.
"Man könnte sagen, dass der Wortlaut der morgigen Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell von größter Bedeutung ist", bemerkte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei Robomarkets. "Nicht die Handlungen, sondern die Worte werden entscheidend sein. Jeder Hinweis, der September als möglichen Zeitpunkt für eine Zinswende in Frage stellt, könnte die Wall Street erheblich beeinflussen."
Im frühen Handel verzeichnete der Dow Jones Industrial einen leichten Anstieg von 0,31 Prozent auf 40.663,80 Punkte. Im Kontrast dazu drehte der S&P 500 ins Minus und verlor zuletzt 0,12 Prozent auf 5.457,19 Punkte. Der Nasdaq 100, der Auswahlindex für Technologieaktien, sank um 0,46 Prozent auf 18.971,10 Punkte.
"Da die Märkte weiterhin Zinssenkungen vor Jahresende einpreisen, erhöht sich der Druck mit jedem Monat, dass diese auch tatsächlich umgesetzt werden", kommentierte Investmentstratege Steve Clayton von Hargreaves Lansdown die aktuelle Anspannung.
In der laufenden Berichtssaison in den USA meldeten einige Unternehmen durchwachsene Ergebnisse. Im Dow Jones Index zählten Procter & Gamble und Merck & Co zu den Schlusslichtern, mit Verlusten von 6,1 Prozent und 8,8 Prozent. Besonders Merck fiel auf das niedrigste Niveau seit Jahresbeginn zurück. Procter & Gamble konnte kaum Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2023/24 verbuchen, was die Analysten enttäuschte. Auch Mercks Quartalsergebnis bot laut RBC-Analyst Daniel Busby wenig Anlass zur Freude.
Demgegenüber legten die Aktien von Pfizer nach besser als erwarteten Quartalszahlen und einer angehobenen Jahresprognose um 1,6 Prozent zu. Spitzenreiter im S&P 100 waren die Aktien von Paypal, die nach positiven Quartalsergebnissen um 7,8 Prozent zulegten.
Abseits der Hauptindizes verbesserte sich Jetblue Airways um 21 Prozent auf den höchsten Stand seit April. Die Fluggesellschaft überraschte mit einem Gewinn im zweiten Quartal. Die neue Vorstandschefin Joanna Geraghty kündigte zudem einen umfassenden Umstrukturierungsplan an, der unter anderem eine Verschiebung von Ausgaben für neue Flugzeuge in Höhe von drei Milliarden Dollar bis 2029 vorsieht.
In Branchenbetrachtung lagen Finanz- und Bankaktien im Fokus der Investoren. Diese Positionierung reflektiert die Erwartung vorerst stabil hoher Zinsen. Im Dow Jones stiegen die Aktien von Goldman Sachs und JPMorgan um 2,8 Prozent und 1,8 Prozent. Im S&P 100 konnten die Anteile der Citigroup um 2,1 Prozent zulegen.