Nur sechs Monate in das Jahr 2026, und die deutsche Transformationspolitik zeigt bereits tiefe Risse. Eine aktuelle Marktstudie des privaten „Center Automotive Research (CAR)" offenbart ein Phänomen, das die Branche schockieren dürfte: Händler und Hersteller fördern Fahrzeuge mit Verbrennermotor erstmals seit einem Jahr stärker als vergleichbare Elektroautos. Die Preisdynamik hat sich dramatisch verschoben – und damit auch die wirtschaftlichen Anreize für die Produzenten.

Verbrenner sind plötzlich wieder die bessere Geschäft
Die Zahlen sind eindeutig. Bei den 20 meistverkauften E-Fahrzeugen ist der durchschnittliche Rabatt von 19,5 Prozent im Januar auf 17,8 Prozent zurückgegangen. Verbrenner hingegen werden mit durchschnittlich 18,4 Prozent Nachlass bewegt – und liegen damit in der reinen Anschaffung gut 2.000 Euro unter ihren elektrifizierten Konkurrenten. Im Dezember betrug dieser Abstand noch 1.300 Euro. Der Trend ist klar: Verbrenner werden attraktiver, nicht weniger.
Das ist kein Zufall und kein Marketing-Schnipsel. Das ist die brutale Logik des Marktes, die der staatlichen Subventionierungslogik fundamental widerspricht. Während Berlin Elektromobilität teuer bezahlt hat, zieht sich der Markt zu den Verbrennern zurück. Die Hersteller sind rational: Produktionskosten für Verbrenner liegen unter denen für E-Antriebe, die Marge stimmt besser.
Chinesische und koreanische Konkurrenten räumen ab
Doch hier liegt das eigentliche Drama. Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer hat das zentrale Problem klar benannt: „Deutsche Premiumhersteller wie Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche und ihre Jobs in Deutschland haben wenig davon." Die staatliche Förderung für E-Autos im günstigen Einstiegssegment komme stattdessen primär Importeuren aus China, Korea und dem europäischen Ausland zugute.
Das ist keine Nebensache. Das ist das Kernversagen einer Transformationsstrategie, die theoretisch elegant war, praktisch aber eine Umverteilung von Steuergeldern zu ausländischen Herstellern darstellte. Während chinesische Elektroproduzenten wie BYD oder Great Wall mit deutscher Unterstützung in den Markt fluteten, verloren die deutschen Premiumhersteller Marktanteile – ausgerechnet in dem Segment, das ihre Zukunft sein sollte. Die Ironie der Industriepolitik: Berlin subventionierte seine Konkurrenz.
Die Förderung verfällt, die Flaute kommt
Der Wahnsinn vollendet sich beim Blick auf die Gesamtkasse. Der Bundeshaushalt 2026 für Elektrofahrzeug-Förderung ist nach Dudenhöffers Einschätzung bereits Mitte Juni zur Hälfte aufgebraucht. Das bedeutet konkret: Das Budget könnte schon vor Jahresende erschöpft sein – vorübergehend oder dauerhaft. Die Voraussetzung ist einfach: Eine Zulassung des E-Fahrzeugs seit dem 1. Januar 2026 und ein Haushaltseinkommen von maximal 80.000 Euro. Der Zuschuss liegt zwischen 1.500 und 6.000 Euro, gilt aber nur für Privatfahrzeuge, nicht für Dienstwagen.

Dies schafft eine teuflische Situation. Die staatliche Förderung hat die E-Auto-Preise künstlich hochgehalten – nicht gesenkt, wie Politiker behaupteten. Eine funktionierende Subvention würde Preise senken. Diese Förderung senkte Nachfrage-Spitzen ab und schuf Abhängigkeit. Nach dem Ende der Subventionierung wird es kaum zurück zum „Normalbetrieb" geben. Es wird ein Absturz sein. Und die deutschen Hersteller, die ihre Produktion auf E-Mobilität umgestellt haben, werden in einer abrupt leeren Nachfragekurve sitzen.
Börse reagiert mit Skepsis
Die Aktienmarktstimmung war am Freitag prophylaktisch. Im Tradegate-Vorbörslichen Handel zeigten sich alle großen deutschen Autobauer unter Druck: VW-Papiere verloren 0,39 Prozent auf 77,18 Euro, Mercedes-Benz gab 0,50 Prozent auf 44,37 Euro nach, BMW fiel 0,36 Prozent auf 60,86 Euro, Porsche büßte 0,86 Prozent auf 44,01 Euro ein. Das sind kleine Zahlen für große Sorgen – aber der Markt weiß: Das Subventions-Szenario kollabiert.
Das deutsche Transformations-Narrativ bricht zusammen, während die Konkurrenz längst weitergezogen ist. Die Branchen-Umkehr zu den Verbrennern ist keine Marketing-Entscheidung. Sie ist der sichtbare Beweis dafür, dass die größte Transformation der europäischen Automobilbranche zur falschen Zeit, mit falschen Werkzeugen und zu Gunsten der falschen Akteure durchgesetzt wurde.
